Bamberg

Wenn sich falsche Enkel melden

Eine 82-Jährige übergibt 30 000 Euro an einen vermeintlichen Verwandten in Not - solche Betrügereien gibt es auch im Landkreis immer wieder. Die Polizei erklärt, wie der Enkeltrick funktioniert und wie man sich davor schützen kann.
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Viele Trickbetrüger haben es vor allem auf Senioren abgesehen. Sie geben sich am Telefon als Enkel aus und bitten um Geld. Foto: Patrick Pleul/dpa
Viele Trickbetrüger haben es vor allem auf Senioren abgesehen. Sie geben sich am Telefon als Enkel aus und bitten um Geld. Foto: Patrick Pleul/dpa

Das Telefon klingelt und die Begrüßung ist schon so gerissen wie durchtrieben: "Hallo, rate doch mal wer dran ist!" Um einem peinlichen Moment zu entgehen, raten viele Senioren mit dem Namen ihrer eigenen Enkel oder Nichten. "Der Täter gibt sich dann als einer der genannten Personen aus und erzählt von einer Notlage - so funktioniert der klassische Einstieg in den Enkeltrick", weiß Pressesprecher Alexander Krapp von der Polizeiinspektion Bamberg-Land.

Die Täter nutzen die Arglosigkeit und Hilfsbereitschaft der meist älteren Menschen aus, indem sie bei den Telefongesprächen geschickt ein Verwandtschaftsverhältnis vorgaukeln. Sobald eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen ist, täuschen die Betrüger eine erfundene Notlage oder Investition vor, für die sie umgehend eine größere Geldsumme benötigen.

Erst im November war eine 82-Jährige in Ebrach auf einen vermeintlichen Enkel hereingefallen und hatte ihm 30 000 Euro für eine "dringende Autoreparatur nach einem Autounfall" gegeben. Und in Hirschaid hatte wenige Tage zuvor eine Seniorin einen Bargeldbetrag von mehr als 10 000 Euro übergeben. Eine falsche Enkelin benötigte angeblich Geld für einen Wohnungskauf.

Gesellschaftliche Entwicklungen haben für Polizeioberkommissar Krapp dazu beigetragen, dass diese Betrugsmasche heute besonders erfolgreich sein kann: Denn Senioren haben meist noch Zeiten erlebt, in denen die Familien enger zusammen waren. Wo früher die Kinder und Enkel mit im Haus wohnten, ziehen sie jetzt näher an die Arbeitsstelle oder haben ein Einfamilienhaus. Immer mehr ältere Menschen wohnen alleine. Das Gefühl, der Familie verpflichtet zu sein und für deren Wohl zu sorgen, sei aber geblieben. "Der fehlende Kontakt zu den Enkeln und das Bedürfnis, der Familie dienlich und nützlich zu sein, macht es den Betrügern leichter, die Hilfsbereitschaft älterer Menschen auszunutzen", sagt Krapp.

Die Täter wollen durch geschickte Gesprächstaktik einen großen Druck auf ihre Opfer aufbauen - und sie gezielt um ihre Ersparnisse bringen. "Für die Betroffenen hat das manchmal neben existenziellen auch schwere psychische Folgen. Sie sehen sich häufig auch den Vorwürfen ihrer Mitmenschen ausgesetzt", stellt der Polizei-Sprecher fest. In den allermeisten Fällen würden die betrügerischen Anrufe jedoch schnell erkannt und es entstehe kein finanzieller Verlust.

Wenn Senioren einen Enkeltrick-Anrufer erkennen, sollten sie auch nicht zum Schein ohne Wissen der Polizei auf eine Übergabe von Bargeld oder Wertsachen eingehen - und nicht die Adresse preisgeben. "Versuchen Sie keinesfalls, persönlich mit einem Geldabholer in Kontakt zu treten. Vertrösten Sie den Anrufer und legen Sie auf. Rufen Sie den Notruf unter 110", rät Polizeioberkommissar Krapp.

Kommt es im Landkreis Bamberg zu besonders vielen solchen Delikten, wie die beiden Fälle im November vermuten lassen? "Es handelt sich um ein europaweites Dauerphänomen, welches seit mehreren Jahren auch im Dienstbereich der Landkreispolizei auftritt", sagt Krapp. Jeder siebte Oberfranke wohne im Landkreis Bamberg und durch die ländliche Struktur gebe es hier auch mehr ältere Menschen. Der Landkreis sei somit von betrügerischen Anrufen häufiger betroffen, verlässliche Zahlen gebe es aber nicht. "Die Dunkelziffer dürfte zudem hoch sein, da die meisten Versuche gar nicht gemeldet werden", vermutet Krapp. Auch müsse man davon ausgehen, dass der ein oder andere erfolgreiche Enkeltrickbetrug aus Scham nicht bei der Polizei angezeigt wird.

Die Anrufe kommen nach Auskunft des Pressesprechers fast immer aus dem Ausland, zu Beginn des Phänomens "Enkeltrick" vorwiegend aus Osteuropa. Mittlerweile gebe es verschiedene Versionen, etwa falsche Polizeibeamte oder falsche Microsoft-Mitarbeiter (siehe unten). Betrügerische Anrufe kämen mittlerweile auch aus Asien und Afrika. So weit die Anrufer auch weg sind - sie arbeiten stets mit Abholern vor Ort zusammen.

Im Zweifelsfall Polizei anrufen

Wenn Senioren plötzlich viel Geld abheben wollen, werden in vielen Fällen auch Bankmitarbeiter hellhörig und informieren die Polizei. Sie müssen sich aber auch an das Bankgeheimnis halten. "Bankmitarbeiter sollten bei begründetem Verdacht mit dem Kunden sprechen und sich im persönlichen Kontakt erkundigen, ob dem Senior die Betrugsform ,Enkeltrick‘ bekannt ist", rät Krapp. "Geschulte Bankmitarbeiter empfehlen in solchen Fällen eine sichere Blitzüberweisung anstelle von Bargeld und bieten an, ein Telefongespräch mit einem Verwandten, Nachbarn oder Freund des Kunden herzustellen." Im Zweifelsfall solle immer die Polizei hinzugezogen werden.

Angehörigen rät Krapp: "Sprechen Sie mit ihren Eltern bzw. Großeltern über das Thema Enkeltrick. Geben Sie die Tipps der Polizei weiter." So sollen die älteren Familienmitglieder nach plötzlichen Geldforderungen aus der Verwandtschaft Rücksprache mit einer Vertrauensperson halten. Sie sollten bei ihren Enkeln, Neffen oder Nichten anrufen und sich vergewissern, ob diese tatsächlich angerufen haben. "Geben Sie keine Details über die familiären und finanziellen Verhältnisse heraus, bleiben Sie immer misstrauisch und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen", rät die Polizei weiter. Niemals sollen Bargeld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben werden - auch nicht, wenn diese angeblich im Auftrag von Verwandten kommen.

Jeder versuchte oder erfolgreiche Enkeltrick sollte laut Krapp gemeldet werden: "Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt, informieren Sie die Polizei unter 110."

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