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Erziehung

Nicht genügend Betreuungsplätze in Bamberg: Eltern machen sich Sorgen

Weder in den Krippen noch den Kindergärten gibt es genug Betreuungsplätze. Das Jugendamt versucht, dem Bedarfsplan gerecht zu werden.
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Um in Bamberg einen Betreuungsplatz zu bekommen, müssen sich Eltern online bewerben. Einige fragen sich, ob das reicht oder sie sich doch mehr einfallen lassen sollten, um sich einen Platz zu sichern. Foto: Sarah Seewald
Um in Bamberg einen Betreuungsplatz zu bekommen, müssen sich Eltern online bewerben. Einige fragen sich, ob das reicht oder sie sich doch mehr einfallen lassen sollten, um sich einen Platz zu sichern. Foto: Sarah Seewald

Eine selbstgemalte Bewerbung, Besuche beim "Tag der offenen Tür", Nachbarkinder von der Kita abholen, sich schon vor der Geburt vorstellen ... irgendwann fragen sich wohl alle Eltern in Bamberg: Wie bekomme ich einen Betreuungsplatz für mein Kind?

Zu wenig Betreuungsplätze

Um Bewerbungsverfahren nicht zu beeinflussen, sind alle Familiennamen verändert - die Erfahrungen, der Frust aber echt. Diesen Frust von Eltern, den bekommt auch Günter Diller in Telefonaten zu hören. "Wer in Bamberg lebt und interessiert ist, weiß, dass in Bamberg die Situation mit Kinderbetreuungsplätzen aktuell recht angespannt ist", sagt der stellvertretende Leiter des Stadtjugendamtes. Zuzug, Zuwanderung und ein Baby-Boom ... es seien diese Faktoren gewesen, die den Zustand verschärft hätten.

Konkret bedeutet dies: Im Stadtgebiet werden 502 Betreuungsplätze an unter Dreijährige vergeben, weitere 51 Kinder können bei Tageseltern betreut werden. Geht es nach der städtischen Bedarfslage, hätten etwa 1428 Kleinkinder einen rechtlichen Anspruch auf einen Platz. Ohne die unter Einjährigen fällt die Differenz der fehlenden Plätze zwar niedriger aus, doch auch unabhängig des rechtlichen Anspruchs suchen (berufstätige) Eltern immer wieder nach einer Kita.

Eltern geraten in Schwierigkeiten

Insgesamt leben etwa 2390 Babys und Kleinkinder (0 bis 3) in Bamberg. Für die Berechnung der Kindergartenplätze zählt das Jugendamt insgesamt 3,5 Jahrgänge, Kinder von 2,5 bis 6 Jahren. Dabei erleben Eltern in der Realität allerdings auch, dass Bewerbungen für Kinder unter zwei Jahren und neun Monaten überhaupt nicht berücksichtigt werden. Das einmal vernachlässigt, wurden jetzt zum September laut Jugendamt 2014 Kindergartenplätze verteilt, 2148 Kinder sind aber im Bedarfsplan gelistet. Das bedeutet: Rund 100 Eltern müssen auch für ihre Kinder im Kindergartenalter rund um die Uhr da sein. Frauen, die bei ihrem Arbeitgeber drei Jahre Elternzeit beantragt haben, kommen jetzt in Bredouille. Letztlich geht es so allen Eltern - egal wie alt das Kind ist, ab wann oder in welchem Stadtgebiet ein Platz gesucht wird.

Vergabe der Plätze ist undurchsichtig

Viele Mütter melden ihre Kinder direkt nach der Geburt über das städtische "Web-Kita-Portal" an. Wobei "anmelden" hier zu viel gesagt ist, sie können ihre Kinder lediglich mit einem Wunschtermin auf Wartelisten setzen lassen. Eine einheitliche Regelung, wie die Plätze vergeben werden, gibt es nicht. Laut Jugendamt gibt es Kriterien, die berücksichtigt werden: Geschwisterkinder, Alter der Kinder, Wohnung im Umfeld der Einrichtung beziehungsweise der Pfarrsprengel bei katholischen Einrichtungen ... Ein möglichst frühes Anmelden helfe nicht zwangsläufig. Nur wenige Kindertageseinrichtungen kommunizieren beispielsweise auf ihrer Homepage transparent, wie Eltern sich einsetzen können, um berücksichtigt zu werden. Viel häufiger gleicht die Vergabe für die Familien einem Glücksspiel. Diller unterstreicht: "Wir haben in Bayern keine zentrale Platzvergabe." Es bestehe in der Stadt aber eine "Übereinkunft mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen", dass es im ersten Schritt über das Portal läuft.

Es hagelt Absagen

Familie Schuster ist seit Winter 2018 zu dritt. Noch im Wochenbett wurde die Tochter über das Portal für Wartelisten angemeldet. Knapp ein Jahr später weiß Leonie Schuster, dass die Plätze für September 2019 zu dem Zeitpunkt bereits vergeben waren. Und somit ihre Wunschanfrage quasi hinfällig war. Wenn Schuster über ihre Suche berichtet, ist sie vor allem am Zählen. Für Herbst 2019 hat sie von sieben Einrichtungen Absagen bekommen. Auch für den spätmöglichsten Kita-Start im Januar 2020, um wieder in ihren Lehrberuf einzusteigen, hagelte es eine zweite Runde Absagen. Von zehn Leuten gab es auf ihre Nachfrage für Juli 2020 eine Absage: "Angerufen habe ich bei 15", erinnert sie sich. Rückrufe gab es eigentlich nie. "Wenn ich jemanden am Telefon hatte und erklärt habe, dass ich im September einen Platz brauche, haben die meisten erst mal das Lachen angefangen", sagt Schuster. "Mir ist vollkommen klar, dass es zu wenig Plätze gibt und die Anrufe wartender Eltern für die Erzieher aufwendig und mit Sicherheit auch nervig sind."

Doch wundere sie sich über die eine oder andere Aussage, dass nicht alle Kommentare in den Anmeldungen des Portals gelesen werden könnten: "Wenn Präferenzen nicht berücksichtigt werden (wollen), warum kann man sie dann überhaupt angeben?" Die Stadt sei aktuell dabei, ein neues System zu prüfen: Es sei bedauerlich, dass durch den Platzmangel das Portal einen schlechteren Ruf bekomme, als es verdiene, so Diller.

Kita-Offensive

Sich auf möglichst viele Wartelisten setzen zu lassen, nütze nichts - eher im Gegenteil. Aber es helfe, wenn die Einrichtungen wüssten, dass eine Familie einen Platz wirklich gerne in dieser einen Gruppe haben möchte. Wichtig ist ihm, "dass sich etwas tut". Bereits 2017 habe die Stadt eine "Kita-Offensive" ausgerufen: Insgesamt in 20 Projekten sollen 700 Plätze geschaffen werden, welche die Betreuungssituation auf ein gutes Niveau bringen werden", so Diller. Ende 2020 erwartet er das erste Mehr an Plätzen. Gleichzeitig sind die Prognosen in der Stadt steigend. Es wird also zwar mehr Plätze in Kita, Kindergarten und auch in Horten geben - aber auch weiterhin mehr Kinder.

Die Listen sind voll

Besser auf das Thema zu sprechen sind die Eltern aus dem Landkreis übrigens nicht. Neubaugebiete werden weiter ausgewiesen, aber: "Die Gruppen und Listen sind jetzt schon proppenvoll", sagt Marlene Müller. Laut Landratsamt verteilen sich 8158 Plätze auf 111 Einrichtungen im Landkreis - von der Krippe bis zum Hort. Müller selbst hat für ihre Tochter bereits eine Zusage, und zwar für September 2021. Dann ist Lissy über vier Jahre alt. Was sie dann macht? Ihre Elternzeit ist definitiv nächstes Jahr zu Ende. Womöglich wird sie selbst Tagesmutter. Vielleicht gibt es doch noch eine Chance - auf einer Warteliste seien sie immerhin unter den ersten zehn Nachrückern.

Sicher ist sich Schuster in einem: "Nur weil wir angerufen und genervt haben, haben wir letztlich einen Platz bekommen." Jedoch: Wer kann sicher sagen, dass andere Kitaleitungen nicht genau darauf negativ reagieren? Nur eines kann Diller allen Eltern raten: Ruhe bewahren.

Auch in Berlin ist die Mehrheit für Kindergarten-Pflicht und kostenlose Kitas

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