LKR Bamberg
Barrierefreiheit

Wenn es dann mal barrierefrei werden soll

Kathrin Weinkauf berät kostenlos über die Fachstelle des Landkreises zusammen mit zwölf Ehrenamtlichen in Sachen Barrierefreiheit .
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Wenige Millimeter können den Unterschied machen - ob man mit dem Rolli eine Türschwelle schafft oder nicht. Der Zollstock ist ein wichtiges  Arbeitsmittel von Kathrin Weinkauf, die für die neue Fachstelle für Wohnberatung am Landratsamt Bamberg unterwegs ist. Foto: A. Schreiber
Wenige Millimeter können den Unterschied machen - ob man mit dem Rolli eine Türschwelle schafft oder nicht. Der Zollstock ist ein wichtiges Arbeitsmittel von Kathrin Weinkauf, die für die neue Fachstelle für Wohnberatung am Landratsamt Bamberg unterwegs ist. Foto: A. Schreiber

Kathrin Weinkauf ist mit einer ehrenamtlichen Wohnberaterin weit in den Westen des Landkreises gefahren. Sie stehen vor einem älteren Zweifamilienhaus, verspeisen noch kurz einen Pausenapfel. Was die beiden drinnen erwartet, wissen sie nicht. Nur, dass es wohl um Hilfe für einen pflegebedürftigen älteren Herrn geht, der noch in der Reha weilt und bald nach Hause kommen soll. Seine Ehefrau hatte den Termin ausgemacht, zusammen mit dem Schwager wartet sie nun auf die Fachberatung.

Die beiden Besucherinnen werden also sehnsüchtig erwartet. Aber erst einmal müssen sie über eine kleine Treppe zur Haustür. Die Frauen tauschen vielsagende Blicke: Die erste Klippe für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ohne dass man überhaupt erst in die Wohnung gekommen wäre.

Dann zieht drinnen im Flur umgehend eine langes braunes Möbel, das weit in den Gang ragt, die Blicke der Damen auf sich: ein Sideboard. Die Hausfrau hat die besorgten Mienen gesehen gibt umgehend Entwarnung - "das kommt raus." Die beiden Besucherinnen nicken zufrieden.

Die Wohnberaterinnen werden dann ins Wohnzimmer gebeten, wo sie weit in eine sehr tiefen Couch versinken. Noch bevor sie hierzu etwas äußern können, erklärt die Gattin des im Krankenhaus Weilenden, dass auch dieses Stück hier nicht bleibt. Kathrin Weinkauf nickt zufrieden. "Da käme er schlecht wieder nach oben", kommentiert sie. Sie stellt erfreut fest, dass hier augenscheinlich mit- und ziemlich barrierefrei gedacht wird.

Die Fachberaterin erkundigt sich dann nach den konkreten Beeinträchtigungen des 68-Jährigen und erfährt, dass er einen Schlaganfall hatte und auf einer Körperseite Probleme hat, er im Rollstuhl sitzt. Seine Frau möchte ihn nach der Reha zuhause pflegen, erklärt sie.

"Ganz wichtig ist Platz", gibt sie der künftigen Pflegerin zu verstehen und fügt hinzu, dass man genügend Raum benötigt, um einen Rollstuhl manövrieren zu können. Es gebe aber auch eine ganze Menge von Hilfsmitteln, die Pflege leichter macht. Kathrin Weinkauf rät deswegen, möglichst bald ein Sanitätshaus zu kontaktieren, da diese auch Hausbesuche machen und dann entsprechende Vorschläge unterbreiten. Wichtig sei dafür in jedem Fall wenigstens ein vorläufiger Pflegegrad. Das müsse nun umgehend bei der Reha geklärt werden.

Dann geht es weiter ins Schlafzimmer. Ein Doppelbett, Schränke, schmale Zugänge. Der Ehemann habe bereits entschieden, dass er ins Gästezimmer will. Da ist viel Platz für ein von zwei Seiten zugängliches Pflegebett. Außerdem liegen Toilette und Bad gleich gegenüber, gibt die Ehefrau Einblick in die Überlegungen. Dafür gibt es ein: "Sehr gut!"

Freilich sind da immer noch ein paar kleine Schwellen, für das barrieretechnisch nicht sensibilisierte Auge mehr oder weniger nicht existent. Aber mit Rollstuhl können Zentimeter unüberwindbar werden. Auch hier hat Kathrin Weinkauf Tipps auf Lager. Ebenso zu vielen weiteren Kleinigkeiten. Nach eineinhalb Stunden ist man durch. Kurzfristige Lösungen werden besprochen, bauliche Maßnahmen angesprochen. Man hat sich wohl nicht zum letzten Mal hier getroffen. "Ich bin sehr zufrieden, das hilft mir sehr", sagt die demnächst pflegende Ehefrau.

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Was bei Barrierefreiheit alles möglich ist und wie gefördert werden kann, darin kennt sich Kathrin Weinkauf bestens aus. Seit Mai letzten Jahres wirkt sie in der vom Sozialministerium geförderten 19,5-Wochenstunden-Fachstelle für Wohnberatung am Landratsamt. Dies ist Teil eines zunächst auf zwei Jahre ausgelegten Projektes.

In der Zwischenzeit stehen der Diplom-Sozialpädagogin, die auch einen Bachelor in Innenarchitektur hat, zwölf ehrenamtliche Wohnberater für den Landkreis zur Verfügung.

Wie erkenne ich so einen ehrenamtlichen Wohnberater? Sie weisen sich mit einem Bestätigungschreiben des Landkreises in Verbindung mit Pass oder Personalausweis aus.

Wie wird man so ein Ehrenamtlicher Wohnberater?

Nach einem in zwei Teilen abgehaltenen fünftägigen, kostenlosen Kurs an der Seniorenakademie Bayern (Sitz München). Im vergangenen Jahr haben ihn die zwölf Teilnehmer aus dem Landkreis in Bamberg absolviert. Die Ehrenamtlichen haben sich nach Kursende zudem darauf verständigt, dass ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich sein soll.

Wie kommt man an den kostenlosen Service, die eigene Wohnung oder das Haus von einem Wohnberater in Augenschein nehmen zu lassen?

Über die Fachstelle für Wohnberatung am Landratsamt und über einen Erstkontakt mit Kathrin Weinkauf. Die Telefonnummer lautet 0951/85 108. Manchmal begleitet sie den ehrenamtlichen Wohnberater, bei manchen Folgebesuchen ist es dann umgekehrt. Das bei der jeweiligen Beratung Benötigte ist so unterschiedlich wie die Menschen, die beraten werden.

Wer kann diesen Service in Anspruch nehmen?

Im Landkreis Bamberg jeder. Das gilt sowohl für Hausbesitzer als auch für Mieter. Es können auch pflegende Angehörige sich an die Stelle wenden.

Wann kann man einen Wohnberater bemühen?

Eigentlich immer. Das heißt auch junge Leute, die ein Haus bauen wollen und dies gleich mit Blick auf Barrierefreiheit tun wollen.

Was ist hier grundsätzlich zu beachten?

Große Räume sind von Vorteil, weil sie viel Bewegungsfreiheit zulassen. Sinn machen auch ein großes Bad im Erdgeschoss, eine Eingangstür ohne Stufe, eine bodengleiche Dusche, Toilette die von zwei Seiten zugänglich sind und unterfahrbare Waschbecken, prinzipiell die Vermeidung von Schwellen.

Was ist, wenn jemand eine Wohnung oder ein Haus hat, das nicht so konzipiert ist und erst Umbaumaßnahmen Barrierefreiheit bieten?

Dann gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Insgesamt bis zu 14 000 Euro unter bestimmten Voraussetzungen. Das ist recht komplex, und einzelfallabhängig, aber gerade da greift schließlich die Unterstützung durch die Fachstelle am Landratsamt.

KOMMENTAR:

Eigentlich kann man gar nicht bald genug damit anfangen und durch die entsprechende Planung Kosten sparen, die man später nicht hat - eben weil Wohnung oder Eigenheim schon so konzipiert sind, dass man in beidem leben kann, wenn Barrierefreiheit gebraucht wird. Nicht erst fortgeschrittenes Lebensalter bringt einen in eine solche Lage. Eine Verletzung, die einen über einen gewissen Zeitraum in der Mobilität einschränkt, gibt bereits einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, sich nicht mehr frei und uneingeschränkt in den eigenen vier Wänden bewegen zu können. Jeder Toilettengang wird zur Riesenherausforderung, wenige Zentimeter Türschwelle zum unüberwindbaren Hindernis, ein anderes Stockwerk - unerreichbar. Da stellt der kostenlose Service des Landkreises, dem in gewisser Weise Lotsenfunktion zukommt, ein tolles Angebot dar. Wenn man frühzeitig Weichen stellt, bietet ein barrierefreies Heim zuerst viel Komfort und dann langes Wohnen zuhause.

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