Bamberg
Lärmbelästigung

Einsatz gegen angehende Kollegen: Wenn die Polizei zu laut feiert

Anwohner in Bamberg Ost beschweren sich über grölende und pöbelnde Schüler am Ausbildungs- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei. Kurios: Die Bamberger Polizei muss gegen angehende Kollegen aktiv werden.
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Flüchtlingsströme und Terrorgefahren haben dafür gesorgt, dass der Stellenplan um 3000 Mitarbeiter aufgestockt wurde. Eines der Ausbildungszentren steht in Bamberg. Das Symbolfoto zeigt Bundespolizisten im Einsatz. Foto: Boris Roessler/dpa
Flüchtlingsströme und Terrorgefahren haben dafür gesorgt, dass der Stellenplan um 3000 Mitarbeiter aufgestockt wurde. Eines der Ausbildungszentren steht in Bamberg. Das Symbolfoto zeigt Bundespolizisten im Einsatz. Foto: Boris Roessler/dpa

Wen rufen, wenn die Polizei zu laut feiert? Gabriele Gröhling stand vor diesem Dilemma. "Grillen, Schreien, Grölen. Teilweise war es schon extrem", berichtet die Bambergerin von mehreren Ruhestörungen. Ihr Wohnhaus in der Eichendorffstraße liegt nur einen Steinwurf vom Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei entfernt. 2100 junge Menschen werden dort auf den Staatsdienst als Bundespolizisten vorbereitet. Dort wohnen sie - und dort feiern sie offenbar auch. "Und wenn man rüber bläkt, sie sollen Ruhe geben, wird man noch als ,Lackaff‘ beleidigt", ärgert sich Gröhling. "Die Bundespolizei ist wirklich das Schlimmste, was uns passieren konnte. So schlimm waren die Amis nicht."

Die Bambergerin und ihre Nachbarn haben sich also an die Polizei Bamberg Stadt gewandt. "Die haben gesagt, sie schicken jemanden. Dann war meistens Ruhe", berichtet die Bambergerin. Sie würde ja nichts sagen, wenn es ein Einzelfall geblieben wäre. "Aber das ist doch a Schand und a Spod, wenn man die Polizei für die Bundespolizei anrufen muss."

Die Bamberger Polizei bestätigt, dass entsprechende Fälle von Ruhestörungen vorgefallen sind. Besonders als die Anfangssemester begonnen hätten, habe es Partys am Ausbildungszentrum gegeben. "Die Bundespolizei hat auf ihrem Gelände selbst Beamte in Bereitschaft, die regeln das selbst", berichtet Holger Düring, Sprecher der Polizei Bamberg Stadt. Es musste somit keine Streife rausfahren, sondern man hat sich mit Anrufen bei den Kollegen beholfen. "Vor drei bis vier Wochen gab es wieder Beschwerden. Das hat die Bundespolizei in Eigenregie gelöst. Später in der Nacht gab es noch einen zweiten Anruf, dann war Ruhe." Auch für Heinz Kuntke, Vorsitzender des Bürgervereins Ost, ist das Thema nicht neu. "Anwohner haben über Lärmbelästigungen geklagt, über Partys, sind dumm angeredet worden." Bei einer Ortsbegehung im Ausbildungszentrum mit Vertretern des Bürgervereins habe er das Thema angesprochen. Dabei sei ihm versprochen worden, dass die Bundespolizei die Fälle kontrolliert. "Ich habe seither nichts mehr gehört. Das sollte abgestellt sein", sagt der SPD-Stadtrat und Landtagskandidat.

Was sagt die Bundespolizei zu den Vorwürfen? "Ich kann grundsätzlich bestätigen, dass es zu solchen Fällen gekommen ist", sagt Marcus Büchner. Wie der Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit erklärt, wohnen 2100 junge Leute zwischen 16 und 34 Jahren aus dem ganzen Bundesgebiet in den Apartments. "Wand an Wand mit den Anwohnern." Rund um die Uhr sei ein Beamter vom Dienst auf dem Gelände. Das Areal sei sehr weitläufig, weshalb dieser nicht überall gleichzeitig sein könne.

"Ernsthafte Konsequenzen"

In den Fällen von Ruhestörungen seien die betreffenden Schüler "zur Mäßigung aufgerufen" worden. "Alle wurden explizit belehrt. Wenn es zu weiterem Fehlverhalten kommen sollte, würde das ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Das war aber bisher nie nötig", erklärt Büchner. Der Sprecher betont, dass grundsätzlich alle Azubis über ihre "Wohlverhaltenspflicht" belehrt werden, die auch für Polizeischüler gelte. "Gerade wenn Prüfungen gelaufen sind, neigen junge Menschen dazu zu feiern." Wenn es jedoch zu wiederholten Verstößen kommen würde, drohten Disziplinarmaßnahmen.

Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass das Ausbildungszentrum der Bundespolizei in Bamberg für negative Schlagzeilen sorgt. Anfang des Monats wurde ein angehender Bundespolizist wegen sexueller Belästigung einer Kollegin am Amtsgericht Bamberg zu einer Geldstrafe von über 2000 Euro verurteilt. Richter Mathias Schmolke sah es wie berichtet als erwiesen an, dass der 24-Jährige die junge Frau mehrfach gegen ihren Willen unsittlich berührt hatte. Der Schüler musste inzwischen die Nachwuchsgruppe der Bundespolizei verlassen.

Was bleibt, ist die Frage: Muss sich die Bundespolizei auch in Bamberg mit einem Skandal auseinandersetzen? In Berlin war die Polizeiakademie in bundesweite Schlagzeilen geraten - wegen Respekt- und Disziplinlosigkeit sowie mangelnden Deutschkenntnissen von Polizeischülern. Erst wurden einem Kadetten Verbindungen zu kriminellen, arabischen Klans nachgewiesen, später warnte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, vor einer gezielten Unterwanderung der Berliner Bundespolizei durch ausländische Banden.

Gegen solche Vergleiche wehrt sich der Bamberger Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit vehement. Von solchen drastischen Missständen könne in Bamberg keine Rede sein, betont Marcus Büchner.

Kommentar des Autors:

Pöbelnde Party-Polizisten gehen gar nicht. Das würden sicher alle Beteiligten in diesem Bamberger Miniskandal unterschreiben. Mit Sicherheit auch die angesprochenen Polizeischüler, die über die Stränge geschlagen haben. Man darf die Sache aber auch nicht zu hoch hängen. Wo 2100 junge Leute leben und lernen, wird es immer mal etwas lauter werden. Vor allem wenn es eine bestandene Prüfung zu feiern gilt. Wer wollte, könnte hier sogar Parallelen zum Ankerzentrum ziehen: Endlich mal keine Beschwerden über Asylbewerber - diesmal über angehende Ordnungshüter. Die Bundespolizei hat die Lärmbelästigungen offen bestätigt und sich ohne Geheimniskrämerei damit auseinandergesetzt. Das ist sicher der richtige Weg. Und die Polizeischüler sollten die Lehre daraus ziehen, dass sie als fertige Bundespolizisten Vorbilder sein müssen. Auch und gerade dann, wenn es Ärger gibt. Wenn sie beschimpft und provoziert werden. Wie heutzutage leider immer öfter der Fall. So gesehen eine gute Vorbereitung auf den späteren Dienst. Abseits des Lehrplans.

Sebastian Schanz

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