Bamberg
Prozess

Wenig Beute, gravierende Folgen

Von einem angeklagten Autoknacker-Trio kam vor dem Amtsgericht Bamberg nur ein Jugendlicher mit einer Bewährungsstrafe davon.
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Neun Fahrzeuge gingen die Täter Mitte April 2018 im Stadtgebiet Bamberg an. Symbolfoto: imago/bonn-sequenz
Neun Fahrzeuge gingen die Täter Mitte April 2018 im Stadtgebiet Bamberg an. Symbolfoto: imago/bonn-sequenz

Mit einer Bande albanischer Autoeinbrecher musste sich das Amtsgericht Bamberg zwei Tage lang beschäftigen. Das Trio hatte Mitte April 2018 innerhalb zweier Nächte neun Fahrzeuge im Stadtgebiet Bambergs aufgebrochen, dabei einen Sachschaden von rund 8500 Euro angerichtet und nur ganz geringe Beute gemacht. Nun müssen zwei Täter zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Der dritte kam als Jugendlicher mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon.

"Sie sind nach Deutschland gekommen, haben hier Unterkunft und Verpflegung bekommen und haben schon nach wenigen Tagen mit einer Serie von Straftaten das Gastrecht missbraucht." Der Ärger ist Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann deutlich anzumerken. Einen ganzen Tag lang hatte er mitanhören müssen, wo überall ein 27-jähriger Erwachsener sowie seine 18- und 16-jährigen Komplizen in den Abend- und Nachtstunden mit Schraubenziehern ins Innere von Autos, einem Taxi, einem Kleintransporter und einem Wohnwagen eingebrochen waren.

Ärger der Opfer

Das hätte für die Opfer "erhebliche Unannehmlichkeiten" bedeutet, so der Anklagevertreter. Nicht nur seien die Pkw erst einmal nicht nutzbar gewesen, auch der Ärger mit der Versicherung sei hinzu gekommen, und nicht zuletzt der zeitliche und finanzielle Aufwand für einige der Bestohlenen, die sich ihren Personalausweis, ihre Krankenkassen- und Kreditkarte, ihren Führerschein oder gar ihr Schiffspatent neu beschaffen hätten müssen. Folgerichtig hatte er für die von der Verteidigung ins Gespräch gebrachte Aussetzung zur Bewährung kein Verständnis.

Dabei hatten die drei noch nicht vorbestraften Angeklagten, das attestierte auch Rechtsanwältin Mareen Basler (Bamberg), wie Anfänger angestellt. Sie verhielten sich so verdächtig, dass Zeugen auf sie aufmerksam wurden. Sie hinterließen großzügig ihren genetischen Fingerabdruck. Weil einer der Autoaufbrecher beim Einschlagen der Seitenscheibe sich an der Hand verletzt und beim Durchsuchen des Wagens überall Blutspritzer hinterlassen hatte. Sie hatten Teile der Beute wie eine Sonnenbrille in ihren Zimmern im Ankerzentrum aufbewahrt. Dorthin hatte die Ermittler ein Spürhund geführt, der den Tätern am nächsten Tag gefolgt war. Das Chip-System, das den Zugang zur Unterkunft überwacht, hatte die Tatzeiträume eingrenzen und Hinweise auf die möglichen weiteren Verdächtigen gegeben. Die beiden Komplizen waren zeitgleich mit dem Hauptverdächtigen zurückgekommen.

Erhebliche Sachschäden

Dabei hatten die Täter erhebliche Sachschäden verursacht und nur ganz wenig Bargeld eingesackt. Einmal waren es 300 Euro, sonst zwischen 80 und 20 Euro. "Es ging ihnen ums Geld. Sie hatten sich größere Beute erhofft," so Oberstaatsanwalt Bachmann, der von gewerbsmäßigen Taten ausging, mit denen der Lebensunterhalt bestritten werden sollte. Sonst begnügten sie sich mit einem Regenschirm, einem Plüschhund, einer PC-Maus und einem Rucksack mit Schulbedarf. Nur selten hatten sie Glück und fanden ein Smartphone. Zweimal hatten sie gar überhaupt nichts aufgestöbert, was des Stehlens wert gewesen wäre. Einmal trugen sie einen Fernseher davon, nur um ihn später im Wald zu vergraben.

All dies gaben die drei Albaner zu. Die Tatorte befanden sich auf dem Parkplatz des Fuchs-Park-Stadions sowie in der Hartmannstraße, Scheubelstraße, Katharinenstraße, Pödeldorfer Straße, Katzheimerstraße und im Spiegelgraben. Einmal entwendete einer der Angeklagten sogar während einer medizinischen Behandlung eine Handtasche aus dem Ankerzentrum.

Weil zwei der Angeklagten unter 21 Jahren waren, kamen Jugendrichter Martin Waschner und seine beiden Schöffen ins Spiel. Sie hatten abzuwägen, ob eine vier- bzw. achtmonatige Untersuchungshaft als "Denkzettel" ausreichte, wie Rechtsanwalt Thomas Gärtner (Bamberg) meinte. Sie hatten zu klären, ob eine Alternative wäre, die Angeklagten aus dem Schengen-Raum auszuweisen und die Wiedereinreise zu verbieten, wie es Rechtsanwalt Thomas Drehsen (Bamberg) vorschlug. Und sie hatten zu beraten, ob die drei Asylbewerber sich spontan oder geplant zusammengetan hatten.

Das Jugendschöffengericht konstatierte schweren und versuchten schweren Bandendiebstahl, einfachen Diebstahl und Sachbeschädigung. Am Ende durfte nur der jüngste Angeklagte den Gerichtssaal ohne Fußfesseln verlassen. Er hat nun drei Jahre Zeit, sich zu bewähren und muss im nächsten halben Jahr 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Die anderen beiden mussten zurück in die Justizvollzugsanstalt.



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