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Weltkulturerbelauf: "Die Zeit ist für mich Nebensache"

Zum neunten Mal seit 2003 fällt am Sonntag der Startschuss zum Weltkulturerbelauf. Warum hält die Laufbegeisterung in Bamberg so lange an?
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Das Bad in der Menge ist beim Start zum Halbmarathon obligatorisch.  Foto: Ronald Rinklef
Das Bad in der Menge ist beim Start zum Halbmarathon obligatorisch. Foto: Ronald Rinklef
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Der Startschuss ist noch nicht gefallen, doch unter den vielen Bamberger Vereinen, die beim Weltkulturerbelauf starten, nimmt die DJK Teutonia Gaustadt schon heute einen Spitzenplatz ein. Mehr als hundert Teilnehmer aus dem Sportlerfeld stammen aus der Triathlonabteilung eines einzigen Vereins. Was ist der Grund für diese Begeisterung, die vom Studenten bis zur Seniorin kaum einen kalt lässt? "Die Strecken sind toll, die Stimmung an den Straßen ist großartig. Der Weltkulturerbelauf ist einfach ein Highlight in unserem Kalender", sagt einer, der es wissen muss: Karl Schlichtig (58) war über ein Jahrzehnt im Orgateam des Weltkulturerbelauf aktiv.

Testläufe am Sonntagmorgen

Seit einigen Jahren genießt er es, selbst mitrennen zu können. Als ambitionierter Läufer hat sich Schlichtig für den elf Kilometer langen Brose-Lauf mit Tempoeinheiten und Bergsprints fit gemacht. Im Verein traf man sich an den letzten Sonntagen zu Testläufen, damit auch weniger Ortskundige sich mit den Strecken vertraut machen konnten. Schlichtig hofft, an seine früheren Zeiten anknüpfen zu können, doch mindestens so wichtig sind Spaß und das Miteinander. Am Samstag hilft Schlichtig mit mit vielen anderen aus der DJK bei der Startnummernausgabe. Und wenn am Sonntag die Böllersschützen das Rennen eröffnen, sind nicht nur Frau und Tochter mit von der Partie, sondern auch ein Besuch aus Lüneburg - ein befreundetes Ehepaar kommt eigens zum Rennen nach Bamberg.

Auch Rainer Gerstner steht mit der ganzen Familie am Start, wenn es am Sonntag ernst wird. Der 61-jährige Internist aus Bamberg verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Weltkulturerbelauf. Es war die Auftaktveranstaltung 2003, die ihn zum Laufen brachte. "Es ist eine wunderbare Veranstaltung, die meiner Gesundheit richtig gut tut", begründet er, weshalb er dem Weltkulturerbelauf seitdem treu geblieben ist und mittlerweile sogar fünf Marathons absolviert hat.

Nicht zuletzt aus medizinischer Sicht schätzt Gerstner die Auswirkungen für Bamberg als sehr positiv ein. Schon im Winter sei zu sehen, wie viele Menschen sich in Bamberg bewegten. Man dürfe nur nicht den Fehler machen, es zu übertreiben. Auch für Gerstner beginnt die Vorbereitung auf den Lauf deshalb bereits im Oktober. Sie umfasst Laufen, aber auch Fitnesstraining, Schwimmen und Ernährung. 15 Kilo hat Gerstner auf diese Weise verloren. Was macht den Weltkulturerbelauf zum Weltkulturerbelauf? "Die Zeit ist für mich Nebensache. Es motiviert mich einfach unheimlich, durch unsere schöne Stadt zu laufen."

Auslöser für eine späte Karriere

40 Prozent der Starter beim Weltkulturerbelauf sind Frauen und Mädchen - eine bemerkenswerte Quote. Zum Teilnehmerfeld zählt auch Sibylle Vogler. Auch für sie hat sich durch den Weltkulturerbelauf einiges verändert. Jahrelang hatte die 60-Jährige keinen Sport mehr getrieben, als sie bei einem der ersten Läufe an der Strecke stand, um ihre zwei Enkel anzufeuern. "Da hab ich mir gedacht, was die können, kann ich auch."

Heute ist Sibylle Vogler 74 Jahre alt und hat erstaunliche Titel gesammelt. Zwei Mal hintereinander konnte die für den SC Kemmern startende Athletin die Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon gewinnen. Und auch bei den Cross-Meisterschaften dominierte sie in ihrer Altersklasse das nationale Teilnehmerfeld.

Die späte Karriere ist ein Geschenk, aber Sibylle Vogler tut auch etwas dafür. Mehrmals die Woche sieht man sie durch den Hauptsmoorwald traben, selbst eine 30-Kilometer-Strecke über Tiefenellern hat sie ausgekundschaftet. Und es macht ihr auch nach Jahren noch Spaß: "Niemand muss mich zwingen."

Dass eine so fitte Seniorin den Weltkulturerbelauf nicht mehr missen mag, versteht sich von selbst. Das liegt an der schönen Stadt, dem ständigen Bergauf und Bergab, das sie so sehr liebt. Aber nicht nur: Als eine von zwei Teilnehmerinnen in der Altersklasse W 75 hat sie beste Aussichten, auch am Sonntag auf dem Treppchen zu stehen.

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