Bamberg
Solidaritätsaktion

Weltkirche zu Gast in Bamberg

Äthiopien steht 2018 im Mittelpunkt des Monats der Weltmission im Oktober. Bischof Lesanu-Christos Matheos kommt in die Kirche St. Josef/Hain und den Dom.
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Bischof Lesanu-Christos Matheos wird heute in St. Josef/Hain einen Abend mit Infos und Gottesdienst mitgestalten.  Foto:  missio
Bischof Lesanu-Christos Matheos wird heute in St. Josef/Hain einen Abend mit Infos und Gottesdienst mitgestalten. Foto: missio

Was sich in den vergangenen Wochen und Monaten im ostafrikanischen Äthiopien ereignet hat, ist nichts weniger als eine historische Wende wie der Fall der Berliner Mauer: der Friedensschluss mit dem verfeindeten Nachbarn Eritrea, die Freilassung politischer Gefangener, die versöhnliche Annäherung an Sudan und Ägypten - all dies sind Ereignisse, die wenige für möglich gehalten hätten.

Aus diesem einst als Hungerstaat bekannten Land kommt der katholische Bischof Lesanu-Christos Matheos nach Bamberg. Der 58-Jährige ist Gast des Internationalen Katholischen Missionswerks "missio", das Äthiopien in den Mittelpunkt des traditionellen Monats der Weltmission im Oktober stellt. Der Sonntag der Weltmission wurde von Papst Pius XI. am 14. April 1926 eingeführt und wird in allen Ländern begangen, in denen Katholiken leben. Damit ist er die größte Solidaritätsaktion der katholischen Kirche. Dieses Jahr wird er am 28. Oktober gefeiert.

Um darauf einzustimmen, wird Bischof Matheos am Donnerstag, 11. Oktober, im Gemeindezentrum von St. Josef/Hain um 18 Uhr einen Kurzfilm aus seiner Heimat zeigen und über seine Arbeit berichten. Um 19 Uhr feiert er die Abendmesse in der St. Josef-Kirche, gemeinsam mit Generalvikar Georg Kestel sowie Priestern aus Indien und Uganda. Der Gottesdienst wird musikalisch gestaltet mit Neuen Geistlichen Liedern (NGL), begleitet von Tobias und Anja Wenkemann am Klavier und mit Gesang. Der Sachausschuss "Eine Welt" des Pfarrgemeinderates von St. Martin/St.Josef hat den Abend mit dem äthiopischen Bischof vorbereitet und lädt jeden Interessierten dazu ein.

Am Sonntag, 14. Oktober, wird Bischof Matheos den Gottesdienst um 11.30 Uhr im Dom feiern.

Äthiopien ist nicht nur die Wiege der Menschheit, Ursprungsland des Kaffees und die Heimat der Königin von Saba. Das Land beherbergt fast 100 verschiedene Ethnien und ist urchristlich: Seine christlichen Wurzeln lassen sich bis ins vierte Jahrhundert zurückverfolgen. Rund 60 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Die meisten davon sind orthodox, nur knapp ein Prozent ist katholisch. Auch der Islam kam bald nach seiner Entstehung, nämlich 615 nach Christus. 34 Prozent der Einwohner sind Muslime. Sie leben friedlich mit den Christen zusammen.

Armut weit verbreitet

Eine der größten Herausforderungen ist nach wie vor die weit verbreitete Armut. Zwar wächst die Wirtschaft seit ein paar Jahren rasant. Doch es sind überwiegend ausländische Investoren - vor allem aus China -, die üppig verdienen und den Arbeitern nur einen geringen Lohn zahlen. Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land, leiden an Mangelernährung und an dessen Folgen. In den wenigsten Gebieten gibt es Bewässerungssysteme, und so sind die Bauern darauf angewiesen, dass der Regen zur richtigen Zeit kommt.

Bischof Lesanu-Christos Matheos hat eine besondere Aufgabe, denn in seiner Eparchie Bahir Dar-Dessie lebt das schwarzafrikanische Volk der Gumuz. Noch vor ein paar Jahren wagte sich kaum jemand in die Nähe dieses Volksstammes, dessen Mitgliedern der Ruf von Mördern anhing. "Vielleicht, weil sie traditionell Jäger sind", sagt Bischof Lesanu-Christos. Vor etwa sechs Jahren baten dann zwei junge Männer aus dem Volk der Gumuz den Bischof, einen Priester in ihr kleines, abgelegenes Dorf namens Banush zu schicken. Zuvor hatten Comboni-Schwestern den Gumuz in einem anderen Dorf medizinische Behandlung angeboten. Heute steht in Banush eine kleine Kirche und immer mehr Bewohner bekennen sich zum katholischen Glauben.

"Wichtig ist, dass die Gumuz das Christentum als etwas Eigenes betrachten und nicht als etwas Fremdes", sagt der Bischof. "Wir wollen ihre Lebensweise nicht verändern, sondern ihnen Verbesserungen bringen." Die katholische Kirche hat je ein Wohnheim für Gumuz-Mädchen und - Jungen errichtet, damit sie in der Stadt zur Schule gehen können. Bildung, medizinische Versorgung und ein spirituelles Angebot - damit will der Bischof die Lebenssituation der Menschen bereichern. Insgesamt erstreckt sich die Eparchie Bahir Dar-Dessie über 14 verschiedene Regionen - von der Grenze zum Sudan im Westen bis zur Grenze nach Dschibuti im Osten. Bischof Lesanu-Christos ist seit 2015 in Bahir Dar. Er ist der erste katholische Bischof dieser Region.



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