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Initiative

Welterbe Steigerwald: Nun ergreift die Stadt Bamberg Partei

Ein später Vorstoß lässt aufhorchen: Bamberg will sich für ein Schutzgebiet im Steigerwald stark machen. Und verhindern, dass die Sägen anrücken.
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Naturschutz für die alten Steigerwaldbuchen? Die Stadt Bamberg hofft auf  ein Umdenken im Freistaat.  Fotos: Ronald Rinklef
Naturschutz für die alten Steigerwaldbuchen? Die Stadt Bamberg hofft auf ein Umdenken im Freistaat. Fotos: Ronald Rinklef
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Es war ein Schock, als Naturschützer die ersten Markierungen auf der Rinde einzelner alter Buchen entdeckten. Kleine rote Punkte, die das Ende eines Traums bedeuten könnten, den nicht wenige Bürger in der Region geträumt hatten. Mehr als drei Jahre war der Klosterwald rund um Ebrach für die Holzmaschinen tabu, doch nun kündigt sich dort, wo der Bund Naturschutz (BN) 7600 Altbuchen gezählt hat, die Rückkehr der Sägen und Vollernter an. Naturschützer, Waldliebhaber, fränkische Heimatfreunde fürchten: Mit jedem Baum, der fällt, schrumpft die Chance, dass Teile des Nordsteigerwalds noch zum Weltnaturerbe erklärt werden könnten.

Doch das ist nur die eine Perspektive: Der Ebracher Staatsforstbetrieb hat auf unsere Anfrage, was jetzt im Klosterwald passiert, ob und wann tatsächlich die Bewirtschaftung wieder aufgenommen wird, ausweichend geantwortet. Bestritten hat er es nicht,dass neu genutzt wird. Man muss wissen: Der Staatsforst hat stets vehement bestritten, dass die 700 Hektar des Hohen Buchenen Waldes tatsächlich die naturschutzfachliche Bedeutung besitzt, die der BN hier vorgefunden haben will. Für ihn ist der Klosterforst ein Wald wie jeder andere und seine Nutzung legitim, zumal zwei Gerichte die Aufhebung des Schutzgebiets durch die Staatsregierung als rechtens eingestuft haben.

Daran ändert sich nichts, auch wenn die Naturschützer späte Unterstützung von ungewohnter Seite bekommen. Bamberg, denkmalreich und welterbeerfahren, hat sich der Steigerwald-Debatte lange Zeit bewusst enthalten, wohl wissend um die Begrenztheit des eigenen Einflusses und die Risiken der Polarisierung einer Nationalparkdebatte. Doch die Gefahr, dass das grüne Herz Frankens mit den alten Bäumen im Klosterwald die Chance auf ein Weltnaturerbe unwiederbringlich verlieren könnte, ruft die östlichen Nachbarn des Steigerwalds doch noch auf den Plan.

Bambergs OB Andeas Starke (SPD) lässt keinen Zweifel, auf welcher Seite er steht: "Ich bin ein eindeutiger Befürworter eines Nationalparkes im Steigerwald. Das wäre nicht nur ein wirksamer Beitrag für Natur und Umwelt, sondern auch eine wunderbare Ergänzung des Weltkulturerbes Bamberg, würde vor der Haustüre ein solches Gebiet entstehen würde." Dass Ministerpräsident Markus Söder die Nationalparkpläne vorerst beerdigt hat, hält Starke für einen Fehler. Es sei schade, dass Repräsentanten der Staatsregierung vor der Lobby der Forstwirtschaft eingeknickt seien.


Ein Zehntel eines Nationalparks

Doch in Bamberg besteht immer noch Hoffnung auf einen Meinungswandel: Sie beruht nicht nur auf der möglichen Rolle der Grünen im künftigen Landtag. Auch der Bund Naturschutz lässt nicht locker. Vor wenigen Tagen hat die größte Umweltorganisation Bayerns bei der Regierung von Oberfranken Antrag auf ein Naturschutzgebiet gestellt, das über den selben Flächenzuschnitt verfügt wie der vordem geschützte Hohe Buchene Wald, der rund 700 Hektar umfasste.

Nach Einschätzung von Fachleuten würde diese Fläche, weniger als ein Zehntel eines Nationalparks, reichen, um eine Bewerbung für den Weltnaturerbetitels bei der Unesco abzugeben. Starke fordert, dass der Antrag des BN bei der Regierung zügig bearbeitet wird. "Die Ausweisung des Klosterwaldes als Naturschutzgebiet begrüße ich außerordentlich."

Starke ist nicht allein: Im Stadtrat kann er auf eine ungewöhnlich breite Allianz vertrauen, die einer bereits fest eingeplanten Exkursion in den Steigerwald nur allzu gerne eine Resolution für die Rettung des Klosterwald folgen lassen würde. Zu ihr gehören nicht nur die SPD und die Grünen. Auch die Bamberger Allianz will das "Naherholungsgebiet für viele Bamberger" geschützt wissen.

Selbst in der Bamberger CSU, die auf Landesebene eine Machbarkeitsstudie stets abgelehnt hatte, finden sich namhafte Verfechter eines Welterbe-Waldes. "Das wäre eine tolle Geschichte für Franken", sagt etwa Fraktionschef Helmut Müller. Müller persönlich glaubt , dass ein Titel wie Nationalpark oder Welterbe sich langfristig bezahlt macht und am Ende wertvoller ist als die gewöhnliche Forstwirtschaft. "Warum sollte bei uns nicht funktionieren, was im Bayerischen Wald oder in Berchtesgaden klappt?"

Was sagt man im Landkreis Bamberg dazu, dass der Bamberger Stadtrat gewissermaßen in Nachbars Garten wildert? Auf allzu viel Verständnis stößt es nicht: "Wir mischen uns ja auch nicht im städtischen Hoheitsgebiet ein", sagt Wolfgang Möhrlein, CSU-Fraktionschef im Kreistag. Er fragt, ob es glaubwürdig sei, einerseits einen Teil des Hauptsmoorwaldes für ein neues Gewerbegebiet roden zu wollen und anderswo Schutzgebiete zu fordern.

OB Andreas Starke bringt dieser Vorwurf nicht aus der Ruhe. Aus seiner Sicht haben das Projekt Gewerbepark und die Welterbeinitiative für den Steigerwald nichts miteinander zu tun: "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen."



Kommentar des Autors:

Ein kleiner Schritt für den Freistaat

Ministerpräsident Markus Söder hat die Pläne für den dritten bayerischen und möglicherweise ersten fränkischen Nationalpark auf Eis gelegt.

Das heißt nicht, dass ihm die Debatte um das richtige Maß menschlicher Nutzung, den angemessenen Umgang mit der Natur erspart bliebe. Es sind Grundfragen unserer Zeit, die weltweit die eigenen Lebensgrundlagen zu ruinieren droht. Wer die Schöpfung bewahren will, muss schon ein bisschen mehr tun als Kreuze in Amtsstuben aufzuhängen.

Doch auch abseits der polarisierenden Debatte um Nationalparke bietet sich 2018 im Steigerwald die Chance, mit ein wenig Pragmatismus viel zu erreichen. Denn worum geht es eigentlich?Ein Schutzgebiet von 700 Hektar Fläche, wie es der Bund Naturschutz jetzt beantragt hat, ist kein Weltuntergang und auch kein Bruch mit mit dem Prinzip Schützen und Nützen, der im gewöhnlichen Wirtschaftswald seine Berechtigung hat und auf weit über 90 Prozent der Fläche weiter gehen wird.

Ein Schutzgebiet im Klosterwald wäre ein kleiner Schritt für den Freistaat, aber ein großer für die Region. Das Beispiel würde vor Augen führen, welche Wirkung es hat, wenn sich der Mensch den Luxus leistet, seine Nutzungsansprüche um einen Bruchteil zu reduzieren, ein Stück fränkische Waldnatur gewissermaßen in die Freiheit zu entlassen.

Dass aus dem Ebracher Klosterwald einmal ein Weltnaturerbe der Menschheit werden könnte, wäre ein Lohn, der manche Mühe und den Verzicht auf ein paar Tausend Euro aus dem Holzertrag locker wett machen würde.


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