Bamberg
Datenschutz

Welche Vereine brauchen einen Datenschutzbeauftragten?

Die Vereine werden derzeit vielseitig aktiv. Viele sammeln derzeit die Zustimmungen ihrer Mitglieder, andere knöpfen sich die Homepage vor.
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Dürfen noch alle aufs Bild in der Vereinszeitschrift? Viele Vereine bitten ihre Mitglieder auch um Einwilligungen für solche Veröffentlichungen. Foto: Matthias Merz
Dürfen noch alle aufs Bild in der Vereinszeitschrift? Viele Vereine bitten ihre Mitglieder auch um Einwilligungen für solche Veröffentlichungen. Foto: Matthias Merz
Am sperrigen Begriff der Datenschutz-Grundverordnung kommt derzeit kein Verein vorbei. Auch bei der TSG 05 Bamberg werden die 1500 Mitglieder im Internet und von den Abteilungsleitern über das Thema Datenschutz informiert. Sie sollen eine Erklärung unterzeichnen, damit ihre Daten weiterhin "zum Zwecke der Mitgliederverwaltung, des Beitragseinzuges und der Übermittlung von Vereinsinformationen" genutzt werden können. "Ich versteh's für die Vereine überhaupt nicht, das ist eine Behinderung unserer Öffentlichkeitsarbeit. Aber wir setzen das eins zu eins um - in der Hoffnung, dass uns alle Mitglieder dabei unterstützten", sagt TSG-Präsident Harald Kobold. Er hätte sich Unterstützung durch den DLSV gewünscht, den er bereits vor Wochen zu dem Thema angeschrieben hatte - bislang ohne Antwort. "Der Verband könnte auch den Datenschutzbeauftragten stellen, so wie das bei Ärzten die Kammer macht", findet Kobold. Für ihn sind viele Fragen offen. Was, wenn nicht alle unterschreiben? Von wem darf noch ein Bild ins Vereinsheft, was auf Facebook geteilt werden. "Vieles ist nicht eindeutig geklärt, alle Informationen mussten wir uns selbst beschaffen", beklagt der TSG-Präsident.
"Grundsätzlich ist es gut, wenn sich die Vereine bewusst werden, dass sie mit Daten ihrer Mitglieder sorgsam umgehen müssen. Aber ohne Unterstützung ist die Umsetzung der Verordnung für viele Vereine wohl nicht machbar", sagt Sascha Dorsch, stellvertretender Vorsitzender des FC Eintracht Bamberg. Er hat beruflich schon seit einem Jahr mit dem Thema Datenschutz-Grundverordnung zu tun. Auch Dorsch hätte sich mehr Unterstützung vom Verband, in seinem Fall dem Bayerischen Fußballverband, gewünscht. "Man muss sich als Verein selbst informieren und Seminare in dem Bereich sind derzeit schnell ausgebucht." Mit Hilfe eines befreundeten Rechtsanwalts will er unter anderem die Vereins-Homepage überprüfen und "Abmahner-Anwälten", die gezielt nach Verstößen suchen, den Wind aus den Segeln nehmen. Er empfiehlt Vereinsvertretern, sich bei Unsicherheiten schon vorab ans Landesamt für Datenaufsicht zu wenden - um guten Willen zu zeigen und mögliche Bußgelder zu vermeiden.
Auch Daniel Klitzke, Vorsitzender des 1500 Mitglieder starken TSV Burgebrach, hat sich zunächst einmal auf den Internet-Auftritt seines Vereins konzentriert, auf "alles, was nach außen hin sichtbar ist". Daneben müssen alle, die mit personenbezogenen Daten arbeiten, Erklärungen unterzeichnen und Verzeichnisse erstellt werden, welche Daten wann und wofür verarbeitet wurden. Beruhigt ist Klitzke, dass er entgegen erster Befürchtungen wohl keinen eigenen Datenschutzbeauftragten (DSB) im Verein braucht. Denn nach Auskunft des Landesamtes für Datenaufsicht ist "in aller Regel nur dann ein DSB zu benennen, wenn mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind".
Eine "Riesenverwirrung und eine "Behinderung der Vereinsarbeit" stellt die neue Verordnung für das Vorstandsmitglied eines großen Bamberger Vereins dar, das nicht namentlich erwähnt werden will. "Wir sind kurz davor, unseren Internetauftritt zu schließen." Alles, was man sich in diesem Bereich mühsam aufgebaut habe, werde nun in Frage gestellt. "Diese Verordnung schickt uns zurück in die Steinzeit und kostet uns daneben noch viel Zeit und Geld", erklärt der Funktionsträger.
"Es ist ein sehr großer Aufwand", sagt auch Franz Berry, Vorsitzender des TSV Hirschaid, dessen 1500 Mitglieder Post mit einer Erklärung zum Datenschutz bekommen haben. Selbst als günstigerer Infobrief sind da schnell 400 Euro Porto zusammen. "Wir halten uns an die Vorschriften, die uns der Gesetzgeber vorgibt, und setzen sie nach und nach um. Über Sinn und Unsinn kann man in dem Fall sicher streiten." Wie in vielen anderen Vereinen hat sich der Vorstand gegen eventuelle Haftungsansprüche versichert und dafür 900 Euro Jahresbeitrag investiert. Einen Datenschutzbeauftragten im Verein zu finden, sei schwierig. "Wir müssen im Juni schon das Sportlerheim schließen, weil wir keine Ehrenamtlichen finden, die bedienen."
Bei allem Ärger über den Mehraufwand und die damit verbundenen Kosten gibt es auch Verständnis für die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung. So räumt ein Funktionär ein, dass viele Vereine mit den Mitgliederdaten recht lax umgegangen seien. "Da können wir alle noch etwas besser werden."

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