Hirschaid

Weil sie gemeinsam stärker sind

In Hirschaid hat sich eine Selbsthilfegruppe für an Brustkrebs Erkrankte gebildet. Die Regnitz-Engel treffen sich regelmäßig und laden zu einem Informationstag.
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Tina Neuß, die Gründerin der Selbsthilfegruppe, im Gespräch mit Hirschaids Bürgermeister Klaus Homan Andrea Spörlein
Tina Neuß, die Gründerin der Selbsthilfegruppe, im Gespräch mit Hirschaids Bürgermeister Klaus Homan Andrea Spörlein

Was die Diagnose Brustkrebs bei Betroffenen auslöst, das können Außenstehende wohl nur erahnen. Es gibt viele verschiedene Arten von Brustkrebs, der mit rund 69 000 Erstdiagnosen jährlich häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Die meisten Frauen erkranken zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr. Fast drei von zehn betroffenen Frauen sind bei der Diagnosestellung jünger als 55 Jahre.

Und die Zahlen steigen weiter. Allerdings sinkt die Zahl der Sterbefälle, immer mehr Frauen, die an Brustkrebs erkranken, sterben also nicht daran. Gründe hierfür sind die verbesserten Heilungschancen durch die Früherkennung, gezieltere und oft weniger belastende Therapiemethoden, neue Therapiekonzepte und eine fachübergreifende Betreuung in zertifizierten Zentren.

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, obwohl dieser bei ihnen vergleichsweise selten ist. Auf 100 Erkrankungen bei Frauen kommt eine bei einem Mann. Es kommt zu ca. 650 Neuerkrankungen pro Jahr. Schätzungsweise jede zehnte Brustkrebserkrankung beim Mann ist genetisch bedingt. Dieser Krebs wird oft relativ spät und meist im höheren Lebensalter entdeckt, da er als typische Frauenerkrankung gilt. Erkranken kann ein Mann aber in jedem Alter.

Freude und Leid teilen

Krebs im Allgemeinen bzw. auch Brustkrebs kann sehr unterschiedlich verlaufen. Deshalb wird genau untersucht, welcher Tumor vorliegt, und erst dann gibt es für jede Tumorart eine maßgeschneiderte Therapie und nichts "von der Stange". Wichtig ist, dass Betroffene einen Arzt haben oder finden, zu dem sie Vertrauen haben.

Neben der medizinischen Hilfe und psychosozialen Krebsberatungsstellen sind für viele Erkrankte Selbsthilfegruppen ein wichtiger Anlaufpunkt - die es in Stadt und Landkreis Bamberg für an Brustkrebs Erkrankte bislang jedoch nicht gab. Das hat sich dank Tina Neuß geändert. Die von ihr gegründeten Regnitz-Engel treffen sich nun schon seit Mai alle 14 Tage im Haus der Bäuerin in Hirschaid. Es sind mittlerweile elf Frauen, die sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch kommen, Hilfe geben und Hilfe annehmen, Freude und Leid teilen und sich gegenseitig unterstützen und begleiten. Die Selbsthilfegruppe hat sich der Bayerischen Krebsgesellschaft angeschlossen und wird von dort aus unterstützt und begleitet.

Anderen Frauen Mut machen

Tina Neuß hat die Gruppe gegründet, weil sie selbst betroffen ist und in dieser schwierigen Lebensphase eine solche Anlaufstelle gebraucht hätte. Im Februar 2018 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Sie hatte in ihrer linken Brust eine "Delle" festgestellt und erst auf eine "recht früh einsetzende Zellulitis" getippt. Doch die Fachleute diagnostizierten Brustkrebs und entfernten das Tumorgewebe. Es folgte eine prophylaktische Entfernung der Eierstöcke. Doch dann wurden Metastasen in der Leber festgestellt, die operativ entfernt werden mussten.

Die schwere Operation hat ihr sehr zugesetzt, hat ihr "quasi den Boden unter den Füßen weggezogen". Es blieb die bohrende Frage, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte oder nicht. Noch immer muss sie Medikamente mit schweren Nebenwirkungen nehmen, aber sie ist im Augenblick krebsfrei. Neuß will anderen Frauen Mut machen, damit sie ihr Schicksal bewältigen können. Vielleicht auch, weil sie weiß, dass die Diagnose Brustkrebs nach wie vor ein Tabuthema ist und nicht alle Menschen jeweiligen Freundes- und Familienkreis damit umgehen können.

Glitzersteinchen als Ritual

Bei den Treffen gibt es Rituale, die ganz wichtig für die Frauen sind, erläuterte Tina Neuß bei einem Gespräch. So verpflichten sich alle zu Diskretion und Verschwiegenheit und alles, was in der Gruppe berichtet und erzählt wird, bleibt auch hier. Symbolisch wird daher am Anfang des Treffens eine Box geöffnet, die am Ende wieder geschlossen wird.

Bei den Treffen darf ganz ehrlich und unverblümt angesprochen werden, was die einzelne Frau beschäftigt. Es darf geweint und gelacht werden. Ein weiteres Ritual, welches manchmal hilft, wieder die schönen Dinge im Leben zu sehen, sind Glitzersteinchen. Jede Frau bekommt am Anfang der Stunde so ein Glitzersteinchen und erzählt dann von den guten Dingen, die sie die letzten zwei Wochen erlebt hat.

Egal ob es ein Lächeln oder Tränen gegeben hat, die Stunde ist eine gute Stunde gewesen, wenn jeder zufrieden mit dem Gefühl nach Hause geht, dass da jemand ist, der einen versteht und niemand alleine diese Krankheit bewältigen muss.

Aus eigener Erfahrung gibt Neuß noch mit, dass man keiner Betroffenen sagen sollte, dass sie gut aussieht, denn "wie es in ihrem Inneren aussieht und welche Ängste und Qualen ihre Seele gerade belasten, das kann keiner sehen".

Die Regnitz-Engel sind dankbar für die Unterstützung durch den Hirschaider Bürgermeister Klaus Hohmann (CSU) und die Gemeindeverwaltung. So wurden die Räume im Haus der Bäuerin der Gruppe kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hilfen und Angebote

Der erste Infotag der Selbsthilfegruppe am Samstag, 30. November, von 13 bis 17 Uhr, wird im Hirschaider Rathaus stattfinden. Dort will man in erster Linie das Thema Brustkrebs stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Es gibt zahlreiche Vorträge, u.a. von der Bayerischen Krebsgesellschaft, aber auch über Hilfsmittel und über Hilfsleistungen. Hinzu kommen Infostände, der Eintritt ist frei.

Die Regnitz-Engel, die Mitglieder der Hirschaider Selbsthilfegruppe, treffen sich alle 14 Tage von 16.30 bis 17.30 Uhr im Haus der Bäuerin, Luitpoldstr. 12, in Hirschaid. Infos per E-Mail an regnitz-engel@gmx.de oder unter der Telefonnummer 0176/43399090.

Weitere Infos erhalten Betroffenen auch unter www.bayerische-krebsgesellschaft.de oder www.krebsinformationsdienst.de.

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