Bamberg
Zusammenleben

Wegen Lärmbeschwerden: Muss Künstlerkneipe in Bamberg schließen?

Die Galerie am Stephansberg in Bamberg ist Treffpunkt für Kreative. Wegen Lärmbeschwerden droht der Künstlerkneipe möglicherweise jetzt das Aus.
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In der Galerie am Stephansberg treffen sich  Bamberger und Studenten -  Künstler stellen ihre Bilder in den Räumen aus.    Foto: Sebastian Martin
In der Galerie am Stephansberg treffen sich Bamberger und Studenten - Künstler stellen ihre Bilder in den Räumen aus. Foto: Sebastian Martin

Der Untere Stephansberg ist den meisten Bambergern als Hin- und Rückweg von der Altstadt zu den Bierkellern bekannt. Dadurch ist vielen auch die Galerie am Stephansberg ein Begriff: Denn direkt an der steilen Pflastersteinstraße liegt die Künstlerkneipe, in denen sich Kreative gerne auf ein Glas Bier oder Wein verabreden. Die Galerie am Stephansberg ist die wohl älteste Galerie der Stadt. Seit 1970 treffen sich dort Bamberger und Studenten - Künstler stellen ihre Bilder aus.

Manch einer kommt hier bereits seit Jahrzehnten her. "Das ist ein gewachsener Ort", sagt Scherenschnittkünstler Wolfgang Müller, der die Galerie lange Jahre geführt hatte. Zwischen 1996 und 2000 war Müller auch Vorsitzender des Kunstvereins Bamberg.

Betrieb bis 22 Uhr lohnt nicht

Doch nun droht der Galerie womöglich das Aus. Nach Beschwerden über den Lärm, der von der Gaststätte ausgehen soll, hat sich das Ordnungsamt eingeschaltet. Im Raum steht, dass die Galerie bereits um 22 Uhr anstatt um 1 oder 2 Uhr schließen muss. "Das wäre sehr schade für mich, für alle", sagt Philipp Sommer, der die Kneipe seit 2014 betreibt. Er fürchtet, dass die Galerie das selbe Schicksal wie einst den Morph Club ereilen könnte - der Club gilt unter Kulturschaffenden als Symbol für einen subkulturellen Aderlass in Bamberg. Ein Betrieb der Galerie nur bis 22 Uhr sei nicht rentabel, erklärt Sommer.

Grundlage für die drastische Maßnahme sind laut dem Besitzer wohl Lärmmessungen, die an zwei unterschiedlichen Tagen im August und im November 2018 durchgeführt worden waren. Anscheinend ergaben sich zu diesen Zeitpunkten nach 22 Uhr zu hohe Lärmpegel. Die Probleme scheinen vor allem mit den Rauchern vor der Tür zusammenzuhängen.

Erste Maßnahmen

Philipp Sommer lässt durchblicken, dass er bereits Maßnahmen ergriffen habe: "Wir geben uns größte Mühe, treten uns gegenseitig auf die Füße." Er mache die Gäste immer wieder darauf aufmerksam, dass sie draußen leise sein sollen. Dazu seien sie, wenn viel Betrieb herrscht, inzwischen in der Kneipe auch zu zweit und hätten ein Auge drauf. Wenn Live-Musik gespielt würde, dann nur unverstärkt, erklärt Sommer. Auch habe er sich mit einem Architekten ausgetauscht, welche baulichen Verbesserungen im Gebäude zu einer Minimierung der Lautstärke beitragen könnten.

Die Beschwerden sollen hauptsächlich von einem Nachbarn stammen. Von anderen Anwohnern habe er dagegen keine Klagen erhalten, erklärt Betreiber Sommer. Ein Statement des Hauptbetroffenen, seit wann und welche Probleme genau auftreten, war dazu nicht zu bekommen.

Gespräch im Februar

Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar bestätigt auf Nachfrage, dass derzeit ein Verfahren beim Ordnungsamt im Zusammenhang mit der Galerie am Stephansberg läuft, allerdings dürfe sie zum derzeitigen Stand keine Auskunft geben. Gespräche mit dem Betreiber sollen aber Anfang oder Mitte Februar stattfinden.

Die Sprecherin lässt durchblicken, dass die Stadt an einer einvernehmlichen Lösung interessiert ist: "Wir sind sehr bemüht, eine Lösung zu finden, die nicht lautet, dass die Galerie um 22 Uhr schließen muss."

Für Dauergast und Schauspielerin Susanne Maack wäre die Schließung der Galerie ein herber Verlust und nicht nachvollziehbar: "Das ist kein Partytreffpunkt, sondern ein menschlicher Ort."

Kommentar von Sebastian Martin:

Konflikte, die keiner will

Der Konflikt um die Galerie am Stephansberg steht stellvertretend für die Probleme, die das Zusammenleben in einer pulsierenden Stadt wie Bamberg mit sich bringt. Auch wenn die Probleme mit der Lautstärke einer Gastwirtschaft in der eng bebauten Altstadt in diesem Fall nicht direkt von der betroffenen Seite zu erfahren waren: Jeder vom Lärm Geplagte wird gute Gründe haben, dass er sich beschwert.

Allerdings sollten auch die Bemühungen von Gastronomen gesehen werden, die tatsächlich versuchen, eine Verbesserung herbeizuführen. Auch der Betreiber der Galerie am Stephansberg scheint ernsthaft bemüht, die Wogen zu glätten und sogar bauliche Maßnahmen gegen den Lärm in Erwägung zu ziehen.

Grundsätzlich sollte es immer möglich sein, aufeinander zuzugehen und Verständnis auch für die "andere" Seite aufzubringen. Ist nicht einmal der Versuch dafür vorhanden, droht Bamberg irgendwann zur leeren Kulisse für Touristen zu werden. Und das kann keiner ernsthaft wollen.

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