Scheßlitz
Infrastruktur

Wegen dem Käfer ist im Wald mehr Verkehr

Zu gefährlich: Die Gemeindestraße durch den Wald von Scheßlitz nach Peulendorf wurde gesperrt. Daran ist auch der Borkenkäfer mit schuld.
Artikel drucken Artikel einbetten
Noch immer wird auch bei Scheßlitz vom Käfer befallenes Holz aus dem Wald geholt. Foto: Anette Schreiber
Noch immer wird auch bei Scheßlitz vom Käfer befallenes Holz aus dem Wald geholt. Foto: Anette Schreiber
+10 Bilder

Als Abkürzung haben etliche die Gemeindeverbindungsstraße von Scheßlitz nach Peulendorf mitten durch den Staatswald genutzt. Das ist seit etwa einer Woche nicht mehr gestattet, wie das entsprechende Schild beim Parkplatz signalisiert. Diese Route zu meiden, liegt allerdings schon eher im Eigeninteresse, will man nicht einen Achsbruch riskieren. Die Stadt Scheßlitz hat die Strecke vor etwa einer Woche dicht gemacht. Wer sich vor Ort umsieht, versteht warum. Und wenn man schon auf irgendjemand böse sein möchte, dann gibt es einen trefflichen Schuldigen - Herrn und Frau Borkenkäfer, deren Eindämmung Waldbesitzer, Waldarbeiter und Forstleute kaum noch bewältigen. Und deretwegen allerorten im Wald weitaus mehr Betrieb herrscht als sonst.

Zurück zu besagter Gemeindeverbindungsstraße (GVS). Die ist, so das Scheßlitzer Stadtoberhaupt Roland Kauper (CSU) "eigentlich schon immer schlecht". Diese etwa eineinhalb Kilometer lange Straße ist nicht wie eine richtige Straße ausgebaut, sondern nur wie eine Art Wirtschaftsweg befestigt. Mit der Folge, dass immer wieder, also eigentlich jedes Jahr, Schäden auftreten, die dann auch jedes Jahr vom Bauhof wieder behoben werden. Vereinfacht dargestellt werden die Löcher zugemacht.

Wie die beiden Bautechniker des städtischen Bauamtes, Susann Warnecke und Frank Söllner erklären, würden eine komplette Erneuerung in der bisherigen Ausbauart gut und gerne um die 300 000 Euro kosten. Viel Geld, angesichts der Tatsache, dass die Stadt Scheßlitz jede Menge weitere Straßen und Wege, davon allein 36 Gemeindeverbindungswege in der 30 Gemeindeteile umfassenden Kommune instandhalten muss.

Ein Drittel der Fläche der Kommune umfasst Wald, wovon Scheßlitz auch etliche Hektar selbst besitzt und bewirtschaften lässt. So weiß Stadtchef Kauper um die Borkenkäferproblematik.

Aufgrund der intensiven, langen Trockenperiode im vergangenen Jahr und der sehr geringen Niederschläge hatten die auf Fichten spezialisierten Käfer optimale Bedingungen. So dass sie statt der üblichen zwei Bruten drei produzieren konnten.

Mit verheerenden Folgen, wie auch Forstdirektor Michael Kreppel von der Forstabteilung des Landwirtschaftsamts bestätigt. "Alle befallenen Bäume müssen aus dem Wald", steht auch für Bürgermeister Kauper fest. Und weil das jede Menge Bäume sind, herrscht entsprechender Forstverkehr mit der entsprechenden Belastung der Wege und damit auch dem nach Peulendorf.

Für Kauper wie für Kreppel ist noch nicht absehbar, wie es in diesem Jahr borkenkäfertechnisch wird.

Denn mit enormem Aufwand wurden und werden gerade noch die Bäume aus dem Wald geschafft, unter deren Rinde im Herbst Eier abgelegt worden waren. Die daraus entwickelten Larven werden zu ausschwärmbereiten Käfern, wenn es im Wald um die 16,5 Grad Celsius ist, das bedeutet außerhalb des Waldes 20 Grad. Da drängt die Zeit. Und schon droht die nächste Käfergefahr: Alttiere, die im Waldboden überwinterten, stehen für die nächsten Fichtenangriffe bereit: Männchen bohren sich dann durch die Rinde, um Rammelkammern zu bauen und Weibchen zur Begattung anzulocken. Ab Mitte April bis Mitte Mai. Das heißt die rund 15 000 Waldbesitzer müssen ihre Fichtenbestände schon wieder peinlich genau kontrollieren. Dieses Mal ist es Bohrmehl am Stamm, das verrät, dass sich ein Männchen hier zu schaffen gemacht hat. Der Baum muss dann weg.

Wie es um die Fichten im Moment bestellt ist, kann Kreppel nicht genau sagen. Es hat zwar Niederschläge gegeben, aber ob diese den Fichten genügten und ob ihnen die Feuchtigkeit im Boden ausreicht, sei schwer zu sagen. Sollte 2019 aber ähnlich trocken und niederschlagsarm sein wie 2018, "wird es sehr schwierig." Der Preis für Fichtenholz "ist eh im Keller, halb so hoch wie sonst". Sicher ist sich Kreppel aber schon jetzt: "Ich denke, der Käfer wird uns das ganze Jahr begleiten."

Erst noch abwarten

Ein Grund mehr für die Stadt Scheßlitz, mit größeren Investitionen in die Gemeindeverbindungsstraße zu warten. Bis jetzt hat man jährlich etwa 10 000 Euro in Reparaturen gesteckt. "Ich denke, wir machen heuer nichts", so Kauper. Schließlich kommt man auch auf einer regulären Straße nach Peulendorf. Land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge dürfen die GVS nutzen.

Verwandte Artikel

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren