Im Treppenhaus geht es Stufe für Stufe nach oben. Weiße Wände, grauer Boden. Ein leichter Geruch von Schweiß liegt in der Luft. Durch eine Glastür scheint pinkes Neonlicht. Wenige Meter hinter der Tür stößt man auf einen massiven, mit Holzplanken verkleideten Tresen. Die Wände zieren braunrote Backstein-Tapeten. Aus den Boxen wummert mit Beats unterlegte Musik. In einem großen Raum mit grünem Fußboden stehen zahlreiche Sportgeräte. Die Metallelemente sind schwarz, die Bezüge leuchtend orange.

An diesem Donnerstagabend betätigen sich im Hallstadter Fitnessstudio "Fitness On-Top" kurz nach 17 Uhr bereits knapp ein Dutzend Sportler an den Geräten. Vor einer Spiegelwand steht eine junge, blonde Frau. Mit ihrer linken Hand hebt sie eine Hantel.

"Ich habe das neue Jahr zum Anlass genommen, um wieder durchzustarten", erzählt Jessica Betz. "Normalerweise trainiere ich auch unter'm Jahr. Manchmal verliert sich das aber im Alltagstrott. Gestern war ich das erste Mal seit Langem wieder hier." Die Motivation sei groß, sagt sie. Ihren Schwerpunkt will Betz auf den Muskelaufbau legen.

Trainieren für die Strandfigur

Dasselbe Ziel hat auch Lukas Dechant, der am anderen Ende des Raums mit einem Kumpel gerade ans nächste Gerät wechselt. Er nimmt einen Schluck aus seiner Trinkflasche, dann erzählt er: "Wir haben uns vor zwei, drei Monaten angemeldet und trainieren dreimal pro Woche." So sollen im Sommer dann der Beach-Body beziehungsweise die Strandfigur präsentiert werden können.

Für den Sommer fit zu werden, ist auch bei anderen Besuchern des Fitnessstudios ein häufig geäußerter Wunsch, wie Inhaber Stefan Häußler berichtet. "Während des Jahres gibt es typische Phasen." Von Anfang Januar bis Mitte Februar herrsche eine erhöhte Nachfrage, dann wieder im April beziehungsweise kurz vor dem Sommer und schließlich im September. Mit den Neukunden führe man zunächst eine genaue Analyse durch, in der zum Beispiel darauf eingegangen wird, was der Kunde möchte und wie Figur, Haltung und Muskeln ausgeprägt sind.

Anhand der Analyse stellen die Trainer des Fitnessstudios dann einen individuellen Trainingsplan zusammen. "Wichtiger als das Training ist der Ernährungsplan", verrät Häußler. Dieser mache rund 70 % des gewünschten Ergebnisses aus.

Gute Vorsätze

Bei der Nachfrage in zwei Bamberger Fitnessstudios ergibt sich ein ähnliches Bild. Zwar sei das ganze Jahr über viel los, jedoch gingen Anfang Januar verstärkt Anrufe und E-Mails ein, berichtet etwa Max Mlodyschewski, einer der beiden Studioleiter des Point Fitness Centers. Deniz Bozkurt, Inhaber von One More Fitness, erzählt: "Ich bin mittlerweile seit 16 Jahren in diesem Bereich, auch in leitender Position, tätig und es ist nach Neujahr immer das Gleiche. Da spielen zum einen die guten Vorsätze eine Rolle, zum anderen haben sich die Leute über Weihnachten und Silvester ein paar Pfunde ..." Bozkurt überlegt kurz und fährt dann fort: "Man kann es nicht anders sagen, angefressen und das soll nun in kürzester Zeit wieder weg." Hinzu komme, dass viele sich gedanklich schon vom Winter verabschieden und auf den Sommer vorbereiten.

Schritt für Schritt

Wie bei allen guten Vorsätzen liegt die Krux in der dauerhaften Umsetzung. Alle drei Fitnesstrainer betonen, dass es wichtig sei, sich konkrete Ziele zu setzen, die dann in Trainingsplänen festgehalten werden. Außerdem sollten diese Ziele realistisch angesetzt werden. "Wer noch nie geklettert ist, kann nicht gleich den Mount Everest besteigen, sondern sollte mit einem kleinen Hügel anfangen", umschreibt es Bozkurt. Werde nicht mit kleinen Zielen, Schritt für Schritt, gearbeitet, bestehe die Gefahr, dass die Sportler überfordert sind und ihre Motivation schnell wieder verlieren. Und das war's dann mit den guten Vorsätzen.

Abnehmen und straffen

Maria Laiou und Nicole Kampa haben an diesem Abend im "Fitness On-Top" gerade ihre erste Trainingsstunde hinter sich gebracht. Warum haben sich die beiden jungen Frauen für die Anmeldung entschieden? "Der Spiegelanblick", meint Kampa. "Wir wollen abnehmen und alles etwas straffen." Die beiden Bambergerinnen sind nach dem ersten Training sehr zufrieden. Am Tresen vereinbaren sie gleich den nächsten Termin, ehe sie die Glastür öffnen und das Neonlicht, die Musik und die Sportgeräte für heute hinter sich lassen.