Bamberg
Verkehr

Was wird aus der Langen Straße in Bamberg?

Anlieger freuen sich auf das Ende der Baustellen in der Langen Straße. Doch wie geht es mit der alten Prachtstraße weiter? Fast alles scheint möglich.
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Die Lange Straße ist eine der schönsten Straßen Bambergs: Doch bleibt sie auch in Zukunft eine Hauptverkehrsachse ? Oder kommt es zur Verkehrsberuhigung?
Die Lange Straße ist eine der schönsten Straßen Bambergs: Doch bleibt sie auch in Zukunft eine Hauptverkehrsachse ? Oder kommt es zur Verkehrsberuhigung?

Viele Radfahrer erinnern sich noch an die Nacht- und Nebelaktion, als die Stadt einen viel befahrenen Fahrradweg in der Langen Straße abbrach und sich die Zweiradfahrer plötzlich in den dichten Verkehr von Autos und Bussen einfädeln sollten (siehe auch heutiges Aufgegabelt). Vier Jahre ist das jetzt her, viele Baustellen haben den Verkehrsfluss in der Zwischenzeit gebremst und die Debatte weiter angeheizt. Dennoch ist die Stadt in der Frage, wie es in der Langen Straße weitergeht, bisher nicht weiter gekommen. Die Ausgangslage Anfang 2020 soll die zweite Großbaustelle nach dem Quartier an der Mauer in der Langen Straße abgeschlossen werden. Für die von prächtigen Häusern gesäumte Straße bringt das eine willkommene Aufwertung. Was tut die Politik, um die Chance zu nutzen? Derzeit ist wenig Konkretes erkennbar. Immerhin: Im Oktober soll ein Runder Tisch zusammentreten. Ein Sanierungsgebiet soll Fördermittel locker machen. Vorbereitende Untersuchungen laufen. Atempause für das Gewerbe? Nach mittlerweile fünf Jahren Dauerbaustelle hofft die Interessengemeinschaft Lange Straße möglichst bald wieder durchstarten zu können. Pius Schiele, der Sprecher von rund 100 Mitgliedern, darunter viele Händler, Gastronomen und auch Ärzte, berichtet von Kunden, die die Lange Straße mittlerweile meiden, weil sie genug von den Behinderungen hätten. Auch aus folgendem Grund macht eine verkehrsberuhigte Flaniermeile aus seiner Sicht keinen Sinn: "Rund 600 Busse fahren hier täglich durch. Deshalb haben wir den Testlauf eines autofreien Samstags nach drei Versuchen abgebrochen." Kommt der Radweg wieder? Glaubt man Martin Pöhner (FDP), braucht es keine weiteren zeitraubenden Gutachten, um schon heute eine Entscheidung für die Lange Straße zu treffen: "Ich bin dafür, dass man den zurückgebauten Radweg nach dem Ende der Baustellen versuchsweise wieder als Streifen auf die Lange Straße zeichnet." Dagegen lehnt es die FDP ab, aus der Langen Straße einen so genannten "Shared Space" (geteilten Raum) zu machen wie er auf der Kettenbrücke eingeführt wurde: "Wir müssen uns glaube ich damit abfinden, dass die Lange Straße eine Verbindungsstraße ist. " Was hat die Lange Straße mit Gaustadt zu tun? Es ist Daniela Reinfelder (BuB) , die darauf hinweist, dass die Lange Straße für den Nordwesten der Stadt überlebenswichtig ist: "Sie ist die einzige Verbindung, um auf direktem Weg etwa von der Wunderburg nach Gaustadt zu kommen." Wer sie in ihrer Leistungsfähigkeit beschränke, beschwöre Ärger herauf. Tatsache ist: Mit 9 400 Fahrzeugen am Tag nutzen einer Zählung von 2015 zufolge 40 Prozent weniger Autos die Lange Straße als vor 30 Jahren. Die Zahl der Radfahrer ist dagegen deutlich gestiegen: auf 4200. Fußgänger sind rund 12 000 am Tag unterwegs. Der Traum von der Flaniermeile. Auch in den Reihen der Bamberger CSU -Fraktion spiegelt sich die Kontroverse um die Lange Straße. So kam es, dass die CSU in der Vergangenheit in zwei aufeinander folgenden Sitzungen einmal für die Streichung von Parkplätzen und einmal dagegen votierte. Heute betont Helmut Müller, dass die Union prinzipiell eine Anhängerin von so genannten gemischten Verkehrsbereichen sei. Auch der niveaugleiche Ausbau wie auf der Kettenbrücke ist ein Ziel der CSU, das allerdings, so viel scheint klar, schwer zu finanzieren sein wird. Auch verkehrspolitisch hängt Müller die Erwartungen nicht allzu hoch: "Wer will schon auf sein Auto verzichten?" Hoffen auf die Busspuren Auch die Bamberger SPD setzt auf den langfristigen Wandel. Man könne die Straße derzeit nicht sperren und eine Fußgängerzone daraus machen, meint Heinz Kuntke. Langfristig werde es deshalb auf einen "verkehrsberuhigten Bereich mit Schrittgeschwindigkeit" hinauslaufen. Um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, setzt sich die SPD außerdem für Spuren ein, auf denen die Busse Vorrang vor den Autos haben. Doch auch die Finanzierung solcher Busspuren ist fraglich. Die Verbannung der Autos Der Verkehrsclub Deutschland gehört nicht zu jenen, die gegen Autos sind. Dennoch verlangt Vorsitzender Andreas Irmisch, schon bei der Planung der Langen Straße die langfristigen Ziele des Verkehrsentwicklungsplans 2030 zu berücksichtigen. Nur so sei die beschlossene Verringerung des Autoverkehrsanteils um 30 Prozent machbar. Was heißt das konkret? Irmisch spricht von kürzeren Ampelphasen, die das Einfahren von Autos in die Lange Straße erschweren sollen, und von mobilen Hindernissen, etwa durch bevorrechtigte Busse. Sorge, dass dies den Geschäftsinhabern schaden werde, hat Irmisch nicht. "Schauen wir auf Madrid, wo die Innenstadt komplett gesperrt wurde. Dort sind die Umsätze gestiegen." Schrittgeschwindigkeit ist das Ziel Auch Christian Hader, Vorstand der Grün-Alternativen in Bamberg, will kein "Weiter so wie bisher" in der Langen Straße. Als ersten Schritt schlägt der Mitinitiator des Radentscheids vor, die Lange Straße niveaugleich auszubauen. Dass das derzeit kaum bezahlbar ist, ficht ihn nicht an. "Wenn die CSU nicht so gebremst hätte, könnten wir schon deutlich weiter sein." Das Beispiel Kettenbrücke zeige zudem, dass sich durch den "Shared Space" und die damit verbundene Schrittgeschwindigkeit der Anteil der Autos wirksam senken lasse. Dort schrumpfte Hader zufolge der Anteil der Autos von 4000 auf 1000. Gleichzeitig sei der Anteil des Rad- und Fußgängerverkehrs explodiert. Erfreulich: Unfälle gab es laut Hader keine mehr.

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