Bamberg

"Es gibt Pläne": Das passiert mit den Leerständen in der Bamberger Innenstadt

Nach dem Aus von Dunkin' Donuts, Jokers und Gerry Weber sollen die leeren Schaufenster in der Franz-Ludwig-Straße bald neu belebt werden. Neuigkeiten aus dem Innenstadthandel - ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit ...
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Im Jokers-Buchladen entsteht ein Ernsting's-Shop.- Foto: Sebastian Schanz
Im Jokers-Buchladen entsteht ein Ernsting's-Shop.- Foto: Sebastian Schanz
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Klein, aber fein: Dieses Urteil haben die Jokers-Mitarbeiter im Buchladen in der Franz-Ludwig-Straße öfter gehört. Während die ganz kleinen Bamberger am Schaufenster in Bilderbüchern schmökerten, konnten ihre Eltern Bücher, Kalender und Geschenke finden. Doch seit einigen Tagen ist die belesene Ruhe einem geschäftigen Arbeitslärm gewichen. Die ehemalige Tochter der in Schwierigkeiten geratenen Weltbild-Gruppe Jokers hat in Bamberg dichtgemacht. "Finde ich echt traurig! Ein Geschäft nach dem anderen macht zu", bedauert unsere Leserin Rosa H. die Schließung.

Genauer gesagt die Schließungen: Denn in der Franz-Ludwig-Straße klaffen aktuell fünf Leerstände. Teilweise ist jedoch schon eine Neueröffnung geplant. Aber der Reihe nach...

Wo Jokers Bücher verkauft hat, wird künftig Ernsting's Family Kinder und Damenmode, Wäsche, Heimtextilien, Dekorationsartikel und Spielwaren anbieten. Mitte März soll der Laden bereits eröffnen, verrät der Bamberger Vermieter, dementsprechend intensiv wird innen gewerkelt.

Links daneben sind die Schaufenster ebenfalls verwaist. "Es gibt Pläne, aber die sind noch nicht spruchreif", sagt ein anderer Bamberger Vermieter. Verkauf von Lebensmitteln und Getränken im weiteren Sinn oder Gastronomie: In diese Richtung gehen die Ideen.

Gegenüber hängt nur eine Handynummer im leeren Schaufenster. "Ich fände es gut, wenn hier Qualität und Nachhaltigkeit Einzug halten und etwas ökologisch Sinnvolles entstehen würde, das die Straße und die Innenstadt generell aufwertet", sagt die Vermieterin.

Weiter in Richtung Zentraler Omnibusbahnhof soll eine Aufwertung passieren: Hier hat die finanzielle Schieflage der Bekleidungsfirma Gerry Weber zum Ende des Ladens geführt - eine von 120 Schließungen des angeschlagenen Modeherstellers in Deutschland. "Selbst eine Interimslösung mit einer um 70 Prozent reduzierten Pacht kam nicht zustande", sagt der Vermieter, der auch die Jokers-Räume verwaltet. "Hier wird wieder ein Textilladen für Damenmode eröffnen." Wer genau, könne er noch nicht verraten, weil die Verträge noch nicht unterschrieben seien.

Weiter in Richtung ZOB hat Dunkin' Donuts seine Kalorienbomben-Auslage abgebaut. Wo jetzt leere Schaufenster klaffen, wird laut Vermieter ein Gastrobetrieb entstehen: "italienisch angehaucht".

Er sieht die Franz-Ludwig-Straße derzeit in einer "Findungsphase": Hier verändert sich aktuell die Geschäftswelt am rasantesten. Der Vermieter wertet die Entwicklung der Straße als positiv. Zwischen dem Grünen Markt und dem Zentralen Omnibusbahnhof gelegen, werde die Straße durch das neue Ratz und das Quartier an den Stadtmauern mit Rewe und DM-Drogerie aufgewertet.

Nur noch Ketten - oder nicht?

Als 1-a-Lage gilt sie laut Vermietern nicht. Das sei dem Speckgürtel zwischen Grünem Markt und Kettenbrücke vorbehalten. "Am Epizentrum Gabelmann hast du nur Ketten, Einheitsbrei wie überall. Die Kleinen können sich das nicht leisten", kritisiert Petra Weilhöfer. Sie hat im April 2019 in der angrenzenden Fischstraße ihren Moritz-Store eröffnet. Street-Mode aus Paris und London. Das Problem: "Viele Bamberger kennen uns noch nicht", sagt die Chefin. Immerhin kämen viele Touristen vorbei.

Davon profitiert auch Calzedonia. Das italienische Unternehmen verkauft in 42 Ländern Dessous und Bademoden - seit Herbst 2019 auch am Grünen Markt. "In Bamberg braucht es ein bisschen Zeit, bis einen die Leute finden, berichtet Destrict-Managerin Nasrin Häuser. Seit Oktober ist nebenan auch Schmuckriese Pandora zu finden.

Einen Gegenpol zu den großen Ketten setzt am Grünen Markt der neue Laden Montana. In Schweinfurt besteht seit 1988 ein Denim-Modespezialist unter diesem Namen, mittlerweile auch in Würzburg - und seit Mitte Dezember in Bamberg. "Eigentlich müssen wir uns nicht mit den Ketten messen, weil wir Sachen haben, die keine Kette hat", sagt Mitarbeiter Jonas Weidinger. Neben ausgesuchter Mode im Heritage-Arbeiterstil finden sich Lederwaren regionaler Hersteller, Haarpasten, Whisky, eine Kaffee-Bar und bald sogar ein Tatoo-Studio im hinteren Bereich.

In den vergangenen Monaten neu aufgemacht hat außerdem "Das bunte Chamäleon" in der Keßlerstraße, wo es seit Spätherbst unter anderem Bio-Mode für Kinder und Frauen gibt; ; die Drogerie Budni in der Langen Straße; der Textilshop Berbero-Stil in der Fleischstraße und "PeBo's Ideenreich" in der Oberen Königstraße: Seit Anfang 2019 gibt es hier Wohnaccessoires. Außerdem erlebt Bamberg einen gefühlten Boom an Optikern und Hörakustikern sowie Barber-Shops.

"Die Nachfrage nach Ladengeschäften ist immer noch deutlich größer als das Angebot", berichtet Klaus Stieringer, Geschäftsführer des Stadtmarketings. "Wir machen uns erst Gedanken, wenn ein Leerstand länger dauert", bestätigt Ruth Vollmar, die Leiterin Wirtschaftsförderung. Der Wandel passiere meist ohne Einwirken der Stadt zwischen Vermietern und Mietern. Bamberg sei im Vergleich zu anderen Städten mit einem belebten Innenstadt-Handel gesegnet. "In den vergangenen drei bis vier Jahren ist die Situation aber rückläufig", berichtet ein Vermieter in der Franz-Ludwig-Straße. Der Internethandel sei nach wie vor Problem Nummer eins. Außerdem würden große Filialisten nur noch in 1-a-Lagen auf Nummer sicher gehen.

Kommentar:

Der Innenstadthandel in Bamberg und anderen Städten ist geprägt von einem sensiblen Geflecht aus gegenseitigen Abhängigkeiten. Positiven wie negativen. Attraktive Läden locken Menschen in die Fußgängerzone und drum herum, treten teilweise aber auch in Konkurrenz zueinander. Große Ketten, kleine Individualisten und der riesige "Hertie" können sich ergänzen. Im besten Fall bieten sie zusammen ein angenehmes Einkaufserlebnis. Bamberg kann froh sein, dass die Nachfrage nach Ladenräumen trotz Rückgängen noch hoch ist.

Wie leicht der Mikrokosmos Innenstadthandel aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann, zeigt der Blick über den Tellerrand: Erlangen hatte eine trendige Modemeile - bis das Arcaden-Einkaufszentrum 2007 alles geschluckt hat. Es gilt unter Vermietern als mahnendes Beispiel: Bitte nicht in Bamberg!

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