Bamberg
Kunstaktion

Was tut sich hinterm Acrylglas?

Der Künstler Christian Hasucha sorgt mit seiner "Monozelle" für neugierige Blicke in Bamberg.
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In der "Monozelle" am Domplatz geht der Lektor Carsten Weber seiner Arbeit nach - beäugt von neugierigen Passanten.  Foto: Antonia Wild
In der "Monozelle" am Domplatz geht der Lektor Carsten Weber seiner Arbeit nach - beäugt von neugierigen Passanten. Foto: Antonia Wild
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Es ist eng, aber die Luft ist klar und der Stuhl überraschend bequem. Und auch warm, die Jacke braucht man trotz 15 Grad Außentemperatur hier drinnen nicht tragen. Arbeiten lässt es sich auch gut in der kleinen Zelle, während draußen das Stadtleben Bambergs weitergeht.

"Monozelle" heißt das Kunstprojekt von Christian Hasucha. Es ist eine Intervention, bestehend aus einem Mann und seiner weniger als zwei Kubikmeter großen Acrylglas-Kabine. Schon seit Montag steht die Monozelle zwei Mal am Tag an verschiedenen Orten in Bamberg. Innen drin geht der Lektor Carsten Weber seiner Arbeit nach. Mal tippt er etwas in seinen Computer, mal liest er ein Manuskript. Dazwischen redet er auch mit Interessierten durch drei kleine Löcher an jeder Zellenwand, sogenannte Hörsiebe. Wenn sie ihn fragen, was er da tut, antwortet er gelassen: "Ich arbeite."

Ein paar Meter weiter sitzt Christian Hasucha selbst und kommt mit neugierigen Passanten ins Gespräch. Was hat es mit dieser Intervention auf sich? Ist es eine Kritik an der modernen beengten Welt? Wird der Lektor von seiner Arbeit erdrückt? "Worum es bei der Monozelle geht, das bleibt jedem selbst überlassen. Ich sehe sie als einen Prototyp für Arbeitsräume der Zukunft, weil es mehr als das ja vielleicht auch gar nicht braucht", erklärt der Künstler.

Die Menschen rätseln

Hasuchas Intervention ist nicht nur in ihrer Bedeutung offen. Ganz ohne Schmuck oder Beschilderung sitzt Lektor Carsten Weber jeden Tag für zwei Mal zwei Stunden in der Monozelle und arbeitet friedlich. Und die Umstehenden rätseln. "Viele vermuten, Carsten mache eine Verkehrszählung oder befände sich in Quarantäne", sagt Christian Hasucha schmunzelnd. Und auch Domaufseher Gerhard Römmelt stutzt beim Anblick des Kunstprojekts. "Ich habe die Kabine auf dem Domplatz entdeckt und dachte mir, ich frage lieber nach, bevor ich den ganzen Tag grüble, was es damit auf sich hat", erzählt er.

Damit ist er nicht allein. Doch laut Hasucha trauen sich nur wenige nachzufragen. "Viele werfen einen verstohlenen Blick auf die Monozelle, dann gehen sie aber doch weiter", sagt er. Die Monozelle ist Teil einer Projektreihe, die Hasucha am Freitag, 31. Mai, in einem Vortrag erörtern und mit Bildern illustrieren wird. Wer die Monozelle also noch nicht gesehen oder versäumt hat, nachzufragen, hat noch Gelegenheit, das zu ändern.

Vortrag

"Kunst im öffentlichen Raum" heißt der Titel des Vortrags mit dem Berliner Künstler Christian Hasucha am Freitag, 31. Mai, um 19 Uhr im Kunstaum Kesselhaus, Untere Sandstraße 4a (Zutritt über den Leinritt).

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