Bamberg
Stadtenwicklung

Was tut sich hinter dem Bamberger Muna-Zaun?

Ein Jahr nach dem Bürgerentscheid kursieren viele Ideen und Forderungen. Der Erwerb des Geländes rückt näher, eine Bürgerbeteiligung soll es 2020 geben.
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Unverändertes Bild: Ein Zaun versperrt den Zugang zum früheren Muna-Gelände - das war  2018 so... Foto: Ronald Rinklef
Unverändertes Bild: Ein Zaun versperrt den Zugang zum früheren Muna-Gelände - das war 2018 so... Foto: Ronald Rinklef
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Vor genau einem Jahr haben 16 543 Bamberger (75,39 Prozent Ja-Stimmen) für den Bürgerentscheid 2 der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" gestimmt und damit einen 46 Hektar großen Gewerbepark auf dem früheren Muna-Gelände verhindert. Es war der vorläufige Abschluss eines monatelangen Schlagabtauschs von Gegnern und Befürwortern des Projekts.

Was ist seither passiert? Zunächst gab es Gespräche, in denen sich OB, Fraktionen und Verwaltung austauschten. Der Bebauungsplan 429 für den Gewerbepark Geisfelder Straße wurde auch formal zu den Akten gelegt. Recht bald gab es neue Vorschläge zur Nutzung des früheren Muna-Geländes, die von großen Wohnungsbauprojekten bis zum Bestattungswald reichten. Die Grünen forderten einen Fahrplan fürs weitere Vorgehen, die Bürgerinitiative (BI) die Erweiterung von Naturschutzgebieten und Bannwaldflächen.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) stand das ganze Jahr über im Austausch mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), um einen Kauf des Geländes ohne vorherige Zweckbindung zu erreichen. "Es ist unser erklärtes Ziel, zunächst das Eigentum durch die Stadt zu ermöglichen", sagt Stadt-Sprecherin Ulrike Siebenhaar.

Gelände soll zugänglich werden

Diesem Ziel scheint man nun ein ganzes Stück näher gekommen zu sein. Das Wertermittlungsverfahren laufe, ein Ergebnis sei voraussichtlich im Frühjahr 2020 zu erwarten. Es sei für die Stadt ein großer Fortschritt gewesen, dass sie sich mit der Bima auf diese Vorgehensweise verständigen konnte. Sobald das Ergebnis vorliege, entscheide die Stadt, "ob der ermittelte Wert angemessen ist und ob sie erwerben will". Dann könne ein Kaufvertrag mit der Bima ausverhandelt werden.

Und was würde sich auf der Fläche tun, wenn sie erst einmal der Stadt gehört? "Vorrang hat selbstverständlich das Votum des Bürgerentscheids", sagt OB Starke. Er habe sich mit der Bürgerinitiative im Vorfeld dahingehend abgestimmt, dass zunächst das Verfahren zum Erwerb erfolgen soll.

Anschließend solle ein umfassendes Beteiligungsverfahren mit einer ganzheitlichen Betrachtung der Stadtentwicklung und der ehemaligen Muna-Flächen erfolgen. Der Oberbürgermeister wolle vor allem eine Zugänglichkeit für die gesamte Bevölkerung ermöglichen. "Das ist realistisch, wenn Altlasten und Zäune entfernt worden sind."

Keine Sondierung im Mai

Für Björn Scharf von der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" sei im Gespräch auch verdeutlicht worden, dass es für die BI keine Überlegungen zur Muna geben könne, wenn nicht vorher Wald- und Naturflächen unter Schutz gestellt würden. "Darüber hinaus war aus unserer Sicht klar, dass für die Planungen eines Beteiligungsprozesses zur nachhaltigen Stadtentwicklung das Jahr 2019 genutzt werden soll, völlig unabhängig vom Verlauf der Verhandlungen mit der Bima", sagt Scharf. Wenn die Stadt nun kaufe, habe das für die BI zumindest den Vorteil eines klaren Ansprechpartners.

Im April hatte Starke für Anfang Mai ein Sondierungsgespräch mit der Bürgerinitiative angekündigt - dazu ist es dann laut Volker Braun von der BI aber nicht mehr gekommen: Zu Jahresbeginn habe es die letzten Gespräche mit Verwaltung und Oberbürgermeister gegeben. Über die allgemeine Bürgerversammlung der Stadt Bamberg am 26. September in Bug konnte die Bürgerinitiative nun zwei Anträge in den Stadtrat bringen, die am Dienstag, 19. November, im Konversionssenat behandelt werden: Es geht dabei um die bereits im April geforderten Erweiterungen des Bannwalds und des Naturschutzgebiets "Muna" nach Norden sowie um die Neuausweisung eines Naturschutzgebietes auf dem Schießplatz.

Viel Rückenwind für Bürgerinitiative

Diese beantragte Sicherung der Waldflächen sei eine logische Folgerung aus dem Bürgerentscheid. "Wir haben bei einer Wahlbeteiligung von deutlich mehr als 40 Prozent gut 75 Prozent Zustimmung bekommen - das ist für uns ein deutliches Signal, dass hier ganz konkret der Schutz von Wald und Natur im Vordergrund stehen muss", sagt Braun.

Eine Erweiterung von Naturschutzgebieten und Bannwaldflächen hätte die Stadt aus Sicht der Bürgerinitiative schon längst auf den Weg bringen können - auch ohne vorherigen Erwerb. "Das wäre doch eine tolle Vorlage gewesen und die Stadt hätte sich damit klar positioniert", sagt Scharf. "Bamberg hätte alle Chancen zum Vorreiter in Sachen nachhaltiger Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung zu werden, ein großer Teil der Bevölkerung würde das unterstützen." Die Abstimmung über die BI-Anträge am 19. November im Konversionssenat biete nun eine wichtige Orientierung.

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