Bamberg

Was tut sich am Lagarde-Campus?

An einem Ort mit langer Militärtradition wird bis 2025 ein neuer Stadtteil mit 1000 Wohneinheiten und bis zu 1500 Arbeitsplätzen geschaffen. Der künftige Lagarde-Campus zwischen Berliner Ring und Weißenburgstraße besteht aus vielen Puzzleteilen. Wir geben einen Überblick, was wann wo geschehen soll. von Stefan Fößel
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Illustrationen: Stadt Bamberg, P&P, Hutterreimann/Sauerzapfe, pro-b, Fotos: Ronald Rinklef .
Illustrationen: Stadt Bamberg, P&P, Hutterreimann/Sauerzapfe, pro-b, Fotos: Ronald Rinklef .
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Digitales Gründerzentrum

Bei der symbolischen Grundsteinlegung im Juli vergangenen Jahres war von Ende 2019 die Rede. Bis dahin sollte Lagarde 1, das Digitale Gründerzentrum, jungen Unternehmern und digitalen Talenten eine kreative Heimat geben. Im Rohbau an der Ecke Berliner Ring/Zollnerstraße sagte der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) damals: "Lagarde 1 hilft Bamberg und Bayern dabei, ein Gründerstandort von internationalem Rang zu werden." Der Minister brachte einen Förderbescheid über 6,7 Millionen Euro für das Bauprojekt mit einem Gesamtvolumen von 11,9 Millionen Euro mit.

Inzwischen liegt das Digitale Gründerzentrum ein ganzes Stück hinter dem Zeitplan und wird wohl 2021 fertig. Konversionsreferent Christian Hinterstein begründet den Verzug mit "statischen Problemen im Altbau". Entgegen der ursprünglichen Annahmen können unter anderem die Bestandsdecken über dem Erdgeschoss nicht erhalten werden. Daher sind umfangreiche statische Neuberechnungen nötig. Beim Gründerzentrum handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Landkreis. Der Fokus soll unter anderem auf digitale Techniken im Gesundheitsbereich, Verarbeitung riesiger Datenmengen (Big Data) und E-Commerce gelegt werden.

Wohnbauprojekt der P&P Gruppe

In den vorhandenen Bestandsgebäuden entlang der Zollner- und Weißenburgstraße, einschließlich der ehemaligen US-PX (Supermarkt der Amerikaner), realisiert die P&P Gruppe aus Fürth ein Bauvorhaben mit 288 Wohneinheiten. Davon sind laut Vorgabe 21 Prozent Sozialwohnungen, die gestaffelt nach Einkommen vergeben werden. Um die Zahl der Wohnungen zu erhöhen, sollen die zweigeschossigen Bestandsbauten aufgestockt werden. 70 Prozent der entstehenden Wohnungen will der Investor verkaufen (zum Preis von 4000 bis 4600 Euro pro Quadratmeter), 30 Prozent vermieten.

Ursprünglich sollten die Arbeiten schon im Frühjahr 2020 losgehen. Der Stadtrat hatte den Plänen der P&P Gruppe für ein "qualitativ hochwertiges, belebtes, offenes Viertel" mit Wohnformen vom Studentenappartement bis zur Fünf-Zimmereinheit, vom Stadthaus bis zur Sozialwohnung zugestimmt (gegen die Stimmen der Grünen). Der Stadtgestaltungsbeirat als unabhängiges beratendes Gremium lehnte sie hingegen ab - da hatte sich der Stadtrat aber bereits entschieden.

"Wir sind gerade dabei, unsere Planung zu überarbeiten", teilt auf unsere Anfrage Lukas Tomecki von der P&P Gruppe mit. Das Gesamtkonzept ändere sich dadurch nicht, der neue Zeitplan stehe jedoch erst in der kommenden Woche fest.

Kulturquartier

In der ehemaligen US-Posthalle soll nach dem Wunsch des Stadtrats eine drei- bis fünfjährige Laborsituation entstehen - ein Kulturhaus im Anfangsstadium, "unter Federführung des Kulturamtes". Rainer Pfaff vom Kulturquartier Lagarde e.V. hofft auf ein "soziokulturelles Zentrum für den Bamberger Osten". Die ehemalige Reithalle soll zu einer multifunktionalen Halle im Rahmen des Kulturquartiers werden, zwischen den Hallen liegt ein Platz von der Größe des Maxplatzes. Der Kultursenat hat im Juli die Verwaltung beauftragt, bis 2020 Nutzungskonzepte für Posthalle und Kulturplatz zu erarbeiten sowie für eine Ausschreibung der Reithalle Haushaltsmittel anzumelden. Derzeit wird die Tiefgarage mit 400 Stellplätzen unter dem künftigen Kulturplatz konzeptioniert. Geplanter Baubeginn ist 2021.

Wohnen Volksbau

Ein weiteres Wohnbauvorhaben wurde an die Volksbau Bamberg GmbH & Co. KG vergeben. Im südwestlichen Teil des Lagarde-Campus sollen laut Konversionsreferent Christian Hinterstein 396 Wohneinheiten realisiert werden. Der Kaufvertrag zwischen Stadt und Volksbau sei im September 2019 gewesen. Mit einer Fertigstellung der ersten Wohneinheiten sei voraussichtlich 2022 zu rechnen.

Laut Projektbeschreibung der Volksbau stehen 20 Prozent der geplanten Wohnungen zum Verkauf, 80 Prozent werden vermietet. Das Konzept sieht unter anderem besondere Wohnformen wie WGs für Senioren oder Menschen mit Handicap und Wohnraum für Studenten vor. 55 Prozent des Mietwohnraums würden laut Investor "preisgedämpft" angeboten.

Zentralstelle Cybercrime der Bayerischen Justiz

Seit Oktober 2017 ist die Zentralstelle Cybercrime der Bayerischen Justiz (Generalstaatsanwaltschaft Bamberg), die Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität, im zweiten und dritten Obergeschoss des ehemaligen US-Headquarters untergebracht. Laut OB Andreas Starke (SPD) wurde damit "der Justizstandort Bamberg deutlich gestärkt". Das Gebäude gehört der Stadtbau, es ist an den Freistaat vermietet. Aufsehen erregten unter anderem Ermittlungserfolge im Kampf gegen Kinder-Pornografie, Drogenhandel und Online-Betrug.

Neues Wohnprojekt

Für ein weiteres Wohnprojekt zwischen der ehemaligen Posthalle und dem Vorhaben der P+P-Gruppe an der Zollnerstraße läuft derzeit ein Investorenauswahlverfahren. Die Vergabeentscheidung zwischen zwei verbliebenen Bewerbern soll im November erfolgen. Die Details der Konzepte sind bislang noch nicht öffentlich.

Wohnen und Arbeiten

Für den Bereich östlich der ehemaligen US-PX (Bauabschnitt Lagarde 4) wurde ein Investorenauswahlverfahren für ein gemischtes Quartier mit dem Schwerpunkt Wohnen und Arbeiten ausgelobt. Hier ist die Jury-Sitzung für Mitte 2020 vorgesehen.

Medical Valley

Das Medical Valley Center Bamberg soll neben dem Digitalen Gründerzentrum entstehen. Hier liege der Fokus auf Digitalisierung, Hygiene sowie Aus- und Weiterbildung. Es handelt sich um ein durch den Freistaat Bayern gefördertes Projekt. Die Umsetzung ist bis zum Jahr 2023 konzeptioniert.

"Wir sind zuversichtlich, für dieses Objekt einen Investor zu finden, damit das Medical Valley Center Bamberg 2023 neben dem Digitalen Gründerzentrum zu einer Institution wird", hatte Oberbürgermeister Andreas Starke am 31. Mai 2019 zum offiziellen Start des Medical Valley Centers Bamberg festgestellt. Neben bereits in der Stadt tätigen Unternehmen wie dem Mobile Health Lab, Bamberg, des Fraunhofer IIS oder dem HTK Hygiene Technologie Kompetenzzentrum könnten sich hier weitere Teile der Gesundheitsbranche langfristig ansiedeln.

Weitere Baustellen

Rückbau Aus der Luft sieht der künftige Campus derzeit wie eine Kraterlandschaft aus. Als Vorbereitung für die Neubauvorhaben sind über die gesamte Fläche der Lagarde Rückbau- und Recycling-Maßnahmen erforderlich. Darunter fällt die Entsiegelung von ehemaligen US-Motorpool-Flächen oder die Entsorgung von Altlasten. Die Rückbauarbeiten sollen Ende 2021 abgeschlossen sein.

Erschließung Die Erschließung des Lagarde-Campus wird laut Konversionsamt "neu konzeptioniert und baulich umgesetzt". Mit den Baumaßnahmen und Straßen und Sparten soll im ersten Quartal 2020 begonnen werden, zunächst im westlichen Teil der Lagarde. Die Gesamtdauer dieser Arbeiten betrage "voraussichtlich vier Jahre".

Parkpaletten Das Mobilitätskonzept sieht die Errichtung mehrerer, zentraler Parkpaletten auf dem Gelände vor. Hierzu wurde ein Wettbewerbsverfahren ausgelobt. Die Jury-Sitzung ist für Februar 2020 angesetzt, die erste Parkpalette soll dann 2021 stehen.

Energie Das Konversionsgelände Lagarde soll laut Stadtwerken "eines der energieeffizientesten Quartiere Deutschlands" werden. Dabei sollen mehr als 60 Prozent der Wärme für die Bestands- und die Neubauten vor Ort aus erneuerbaren Energien erzeugt und über ein Wärmenetz der "vierten Generation" verteilt werden. Baubeginn sei im April 2020. Laut einer Machbarkeitsstudie werden für die künftige Nutzung der Gebäude auf dem Lagarde-Gelände jährlich rund zehn Millionen Kilowattstunden (kWh) Wärme für Heizung und Warmwasser benötigt, 917 000 kWh Kälte und 8,2 Millionen kWh Strom.

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