Bamberg
Statistik

Was Tourismus für die Stadt Bamberg bedeutet

Die Zahl der Bamberg-Besucher ist in den vergangenen Jahren weiter deutlich gestiegen. 2017 kamen allein 7,8 Millionen Tagestouristen.
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Foto: Barbara Herbst/Archiv
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843 000 Übernachtungen verzeichnet Bamberg für das vergangene Jahr. Und wie die Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Stadt Bamberg" verdeutlicht, bleibt dabei ordentlich etwas hängen. Der Gesamtumsatz aus dem Tourismus in der Stadt Bamberg liege bei 329,7 Millionen Euro, abzüglich Steuern und Vorleistungen verblieben davon 152,8 Millionen Euro. 5930 Menschen könnten so vom Tourismus leben. Diese Zahlen präsentierte Manfred Zeiner von der beauftragten "dwif-Consulting GmbH" vor kurzem im Kultursenat. Für Bürgermeister und Tourismusreferent Christian Lange (CSU) zeigt die Studie "eine stolze Bilanz zur Entwicklung des Tourismus in Bamberg" auf. Viele Menschen profitierten von der Attraktivität und Lage der Stadt.

Die Studie zeigt auch, dass die Tagestouristen, 2017 waren es 7,8 Millionen in der 75 000-Einwohner-Stadt, durchaus Geld ausgeben. Davon profitieren laut Zeiner vor allem Gastgewerbe (158,2 Millionen Euro), Einzelhandel (104,8 Millionen) und Dienstleister (68,7 Millionen). Er weiß aber auch: "Tagestourismus lässt sich nicht beliebig steigern."
Die Stadträte waren von den Ergebnissen der Studie durchaus angetan. "Das sind beeindruckende Zahlen, die für den Tourismus Verantwortlichen haben gute Arbeit geleistet", erklärte Felix Holland (SPD). "Wir müssen es auch gestatten, dass Bamberg angeschaut wird. Aber eine Stadt kann auch mal überfordert werden."


Zweitwichtigster Arbeitgeber

Franz Wilhelm Heller (CSU) wies darauf hin, dass Bamberg zum nicht geringen Teil vom Tourismus lebe. "Mich hat noch kein Tourist aufgehalten. Wer sich hier beklagt, geht in Florenz als Tourist spazieren. Wir brauchen den Tagestourismus", stellte Heller heraus.

Holland machte die Rechnung auf, dass der Tourismus nach Bosch der zweitwichtigste Arbeitgeber in der Stadt sei. Auch Wolfgang Wußmann (BA) lobte den "eindrucksvollen Vortrag". Wichtiges Kriterium bleibe die Verträglichkeit mit der Stadtgesellschaft. Annette Neumann (BBB) erinnerte sich, dass bis vor einigen Jahren Touristen neben der Fronleichnamsprozession hergeführt worden seien. Das habe zum Glück komplett aufgehört. "Bamberg ist beliebt und profitiert", erkannte auch Andreas Reuß (GAL), warf aber die Frage auf: "Aber was hat die Kultur davon?" Gerhard Seitz (CSU) regte an, die Einnahmen in ein Museum für moderne Kunst zu investieren, um so einen weiteren Anziehungspunkt zu schaffen.

Martin Pöhner (FDP) forderte, dass ein Schwerpunkt der nächsten Jahre ein qualitativ hochwertiger Mehrtagestourismus sein müsse. "Gerade weil der Tourismus so wichtig ist, werden wir weiter für Tourismusverträglichkeit werben", erklärte Lange. "Deshalb arbeiten wir weiter an Konzepten zur Steigerung der Tourismusverträglichkeit wie Dezentralisierung, Kooperation mit dem Umland und Reduzierung der Gruppengrößen." Lange verweist dabei auch auf die fruchtbare Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis auf dem Tourismus-Sektor.

Pro-Kommentar von Andreas Christel, Tourismusdirektor
Das Wirtschaftsleben wird vom Tourismus beflügelt
Die vorliegende Studie untermauert anhand aussagekräftiger Kennziffern, dass der Tourismus zu einem unverzichtbaren Wirtschafts- und Standortfaktor für Stadt und Region geworden ist.
Hervorzuhebende Aspekte sind für mich die aus dem Tourismus resultierenden enormen Beschäftigungseffekte in Form ortsgebundener, nicht exportierbarer Arbeitsplätze. Zudem befördert der Tourismus die Investitionstätigkeit, sorgt für Abwechslung in der Kultur- und Gastronomielandschaft, befördert die Freizeitinfrastruktur und sorgt für ein vielfältiges Einzelhandelsangebot. Was wir aber nicht verkennen, ist die Tatsache, dass die vehemente Entwicklung mit kontinuierlich wachsenden Besucherzahlen den Lebensraum der heimischen Bevölkerung berührt. Insbesondere die große Zahl der 7,8 Millionen Tagesbesucher wird als Belastung empfunden. Andererseits sind es jedoch die Tagesgäste, zu denen auch jeder Besucher aus dem direkten Umland zählt, die mit über 200 Millionen Euro den Großteil zum Gesamtumsatz von 330 Millionen Euro beisteuern.

Eines der Hauptziele des Bamberger Tourismusmanagements ist es, "gesundes" Wachstum zu erreichen, indem die Kapazitätsgrenzen nicht überfordert werden und tourismusinduzierte Auswirkungen auf den Lebensraum der Bamberger möglichst verträglich sind. Der von uns angestrebte nachhaltige Tourismus braucht die Balance zwischen den Interessen der Einheimischen und denen der Gäste - eine gute Basis, damit auch in Zukunft viele Bamberger vom Tourismus, vor allem aber alle mit dem Tourismus leben können.

Contra-Kommentar von Ulrike Heucken, Bewohnerin der Sandstraße
Nicht zu Lasten der Bewohner
Ich habe schon vor über fünf Jahren bemängelt, dass der Tourismus in Bamberg Ausmaße angenommen hat, die jeden Rahmen sprengen. Die angeblichen Verbesserungen sind nicht bei uns angekommen. Das Hauptproblem ist, die Besuchermassen breiten sich nicht über die ganze Stadt aus, sondern konzentrieren sich auf die Altstadt. Ich wohne mitten in der Sandstraße. Wenn ich mit dem Rad zur Sparkasse fahren will, werde ich von Touristen angeschnauzt, dass ich absteigen soll.

Hinzu kommt, dass mittlerweile das ganze Jahr Saison ist. Wir verreisen ja auch gern, kommen dabei aber nicht auf die Idee, überall hinzupinkeln oder Flaschen hinzuwerfen, wie das manche Stammtischgruppen tun. Eigentlich sollten sie sich so benehmen, wie sie es zu Hause auch tun. Die meisten Übernachtungsgäste machen so etwas natürlich nicht, die lassen auch Geld da. Wer aber in zwei Stunden durchgaloppiert, will das Schlenkerla, den Dom und Kloster Michelsberg sehen.

Beim Bäcker lässt er sich dann vielleicht noch erklären, was ein Bamberger Hörnla ist, kauft aber keins. Im Sandgebiet gibt es etwa 800 feste Bewohner, die Zahl nimmt aber eher ab. Es gibt mehr Ferienwohnungen und weniger Kümmerer, die das Welterbe pflegen. Die Maßlosigkeit macht uns kaputt. Man muss nur nach Venedig schauen, wohin das führen kann. Ich fordere daher für drei Jahre ein Werbemoratorium für Bamberg, damit es nicht noch mehr Besucher werden. Und die Touristen-Führer sollten geschult werden, Rücksicht auf uns Bewohner zu nehmen. Denn der wirtschaftliche Erfolg durch den Tourismus darf nicht zu Lasten der Menschen gehen, die hier leben.

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