Bamberg
Gleichberechtigung

Was sagen Frankens Erfolgsfrauen zur Gleichberechtigung?

Vor 100 Jahren durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist aber ein Dauerbrenner geblieben. Das meinen 14 Erfolgsfrauen aus Franken.
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Anja KohlAnja Kohl
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Es war ein langer Weg. Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal politisch mitbestimmen: Ihre Stimme zählte für die Weimarer Nationalversammlung. Von den 423 Abgeordneten waren 37 Frauen. Da ist man heute rein statistisch weiter: Der Bundestag hat 709 Abgeordnete, davon 218 weiblich. Eine Frauenquote von 30 Prozent - obwohl sich in der Bevölkerung Männlein und Weiblein die Waage halten? Das ist nicht das einzige Ungleichgewicht, das 100 Jahre nach 1919 besteht. Das sagen 14 erfolgreiche Frauen aus Franken, die wir zu diesem Thema befragt haben. Eines von vielen Beispielen: Wie nennt man eine erfolgreiche Triathletin? Iron-Man?

Drei Fragen haben wir gestellt - leider fand nicht jede der von uns kontaktierten Frauen Zeit und Gelegenheit, sie zu beantworten. Freundlich abgesagt hat unter anderem das Management des Hollywood-Stars Sandra Bullock. Die Schauspielerin ist in Nürnberg aufgewachsen und spricht heute noch fließend Deutsch mit unüberhörbarem fränkischen Akzent.

Unsere Fragen:

Wo leben Sie aktuell und womit / mit welchem Projekt etc. beschäftigen Sie sich zur Zeit?

100 Jahre Frauenwahlrecht: Sehen Sie heute die Gleichberechtigung von Mann und Frau (in Deutschland bzw. in dem Land, in dem Sie heute leben) erreicht oder zumindest fast erreicht oder gibt es noch viele Bereiche, in denen Veränderungen/Verbesserungen erforderlich sind?

Was ist für Sie aktuell das größte Problem im Verhältnis Frau - Mann / Mann - Frau (ich denke da beispielsweise an die Me-too-Bewegung)?

Die Antworten:

Anja Ippach (Beranek),

Bamberg, Jahrgang 1985 Top-Triathletin Ich freue mich Stellung zu diesem Thema nehmen zu dürfen, das mir sehr am Herzen liegt. Ich bin in Bamberg geboren und lebe in meiner Heimat Fürth. Seit einigen Jahren habe ich mich in der Weltspitze im Langdistanztriathlon/Ironman etabliert. Aktuell bereite ich mich gerade auf die Saison 2019 vor. Darüber hinaus beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung und möchte Frauen helfen selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

In meinem Sport sehe ich noch Potenzial zum Thema Gleichberechtigung, und zwar sowohl im Profilager als auch in der "Jedermann" Hobby-Klasse. Im Profilager bekommen wir Frauen zwar bei den Rennen, das gleiche Preisgeld wie die Männer, was ich sehr schätze; aber beim Langdistanztriathlon, besser bekannt unter dem Begriff "Ironman" , ist schon im Namen erkennbar, dass es sich um einen maskulinen Sport handelt. Bei Fernsehübertragungen wird hauptsächlich das Männerfeld gezeigt. Sie sind medial präsenter, bekannter und können sich dadurch besser vermarkten und demnach natürlich mehr Geld verdienen als Frauen.

Im Hobbybereich habe ich das Gefühl, dass die Leistung der Frauen manchmal nicht ausreichend geschätzt wird. Hier stellen sich Frauen dieser Mega-Distanz von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Rad und 42 km laufen, die einen Job haben, sich um eine Familie kümmern, den Haushalt schmeißen und dabei noch gut aussehen. Vor diesen Frauen und ihrem 48-Stunden-Tag habe ich den größten Respekt.

Ich persönlich sehe die gesellschaftlichen Erwartungen, die an uns Frauen herangetragen werden, als größte Herausforderung. Wir Frauen müssen auf der einen Seite selbstbewusst "unseren Mann" stehen, ständig konstante Leistung bringen, obwohl wir zyklische Wesen sind und dies daher gar nicht leisten können. Wir müssen topmodell-schlank sein, Karriere machen, aber gleichzeitig zu Hause bleiben und die Kinder großziehen. Mit diesen teils gegensätzlichen Erwartungen fälllt es mir und ich denke auch vielen anderen Frauen schwer, unseren Alltag zu meistern und am Ende des Tages zufrieden ins Bett zu gehen.

Ich wünsche mir daher mehr Respekt und Toleranz gegenüber Frauen, die sich entweder für das eine oder das andere entscheiden. Und eine noch größere Akzeptanz in der Gesellschaft, dass man die Rollen von Mann und Frau innerhalb der Familie ganz flexibel gestalten kann.

Alexa Maria Surholt

Erlangen, Jahrgang 1968 Schauspielerin ("In aller Freundschaft - Sachsenklinik") Ich lebe seit 1990 in Berlin und drehe weiterhin in Leipzig die Serie "In aller Freundschaft". Gebürtig in Erlangen, bin ich meiner fränkischen Heimat dennoch stets verbunden geblieben, da meine Familie in Teilen immer noch in unterschiedlichen Regionen Frankens lebt.

Das Frauenwahlrecht ist zum Glück für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit und wird damit allerdings auch zu sehr als solche wahrgenommen. Das heißt, dass wir gerne " die Politiker/innen" als eine abstrakte Masse sehen, als seien die Volksvertreterinnen, die wir eigenverantwortlich gewählt haben, nicht in erster Linie Menschen, die sich in einem weitaus höheren Maße als die meisten von uns engagieren und sich mit dem leidigen Grundprinzip der Demokratie auseinander setzen müssen, nämlich meist nur einen unbefriedigenden Kompromiss erzielen zu können.

Rücksichtsloser Lobbyismus und rein wirtschaftliche Interessen sind eine große Gefahr für die Grundrechte der Menschen. Dass wir heutzutage faire Wahlen und unabhängige Gerichte haben, ist ein sehr hohes, über alle Maßen zu schützendes Gut.

Natürlich sind bei uns noch viele Verbesserungen für Frauen notwendig. Sei es der Schutz und die Unterstützung alleinerziehender Mütter, die Aufstiegschancen in den Vorständen und Führungspositionen. ... Ich glaube, Emanzipation muss mehr in den Köpfen der Männer stattfinden als nur bei den Frauen selbst. Es geht nicht um Kampf, sondern um Auseinandersetzung auf Augenhöhe, Wertschätzen von unterschiedlichen Persönlichkeiten, unabhängig vom Geschlecht. Das bedeutet auch, Klischees von "Geschlecht" oder "Gender" zu hinterfragen.

Die aktuelle "Me-too" Debatte läuft Gefahr, sich auf dieses Schlagwort reduzieren zu lassen und viele in eine Opferposition zu rücken, die das so gar nicht wollen, sondern die Missstände aufzeigen und Veränderung einfordern wollen. Wie bei jeder heutzutage im Internet geführten Debatte läuft es oft auf Denunziation und anonyme Beschuldigungen hinaus, und dennoch ist diese Aktion ein wichtiger Meilenstein für eine weltweite Bewegung. Feminismus darf kein Schimpfwort sein!

Zum Glück, darf ich mit vielen unglaublich tollen Frauen zusammenarbeiten und mit vielen Männern, die sich nicht durch die Stärke einer Frau kastriert fühlen. Seit Jahren bin ich Teil einer Gruppe, die jedes Jahr die " Vagina Monologe" von Eve Ensler aufführen, deren Einnahmen einer ortsansässigen Frauenorganisation gespendet werden. Frauenhandel ist eine unfassbar grausame Tatsache, die auch in Deutschland Thema ist.

Sabine Michaela Wenz

Schweinfurt, Jahrgang 1960 Geschäftsführerin der Firma Miwe-Backöfen in Arnstein mit 700 Mitarbeitern

Seit einigen Jahren lebe ich in Würzburg, verbringe aber einen Großteil meiner Zeit in Arnstein. Die Führung und Weiterentwicklung von MIWE ist ein für mich immer fortschreitendes, anspruchsvolles, aber auch komplexes "Projekt". Ich investiere viel Zeit, Leidenschaft und Energie, gewinne dafür aber auch wichtige Erkenntnisse, sei es menschlich oder auf professioneller Ebene. Besonders beschäftigt mich derzeit unser Firmenjubiläum, denn wir feiern in diesem Jahr ebenso unseren 100. Geburtstag.

Mit Blick auf Medizin, Technologie und Wissenschaft hat sich die Gleichberechtigung in den letzten 100 Jahren vergleichsweise langsam entwickelt. Wir sind auf einem erfreulichen Weg, haben das Ziel jedoch noch lange nicht erreicht. Es bedarf noch immer an mehr Frauen in Führungspositionen, auch die nicht vorhandene Lohngleichheit ist ein wichtiges Thema. Die beruflichen Möglichkeiten für Frauen, besonders mit Kindern, sind in vielen Fällen auf sogenannte "typische Frauenberufe" reduziert, hier ist noch einiges an Veränderung notwendig.

Allgemein wird nicht realisiert, dass Frauen und Männer noch immer nicht gleichberechtigt sind. Wir müssen uns dies vor Augen halten und einen zwanglosen, aber eben auch respektvollen Umgang auf Augenhöhe miteinander pflegen. Sexismus begegnet uns auch heute noch immer im Job und im Privatleben, und es gilt, diesem mit Intellekt entgegenzutreten. Entsprechend sollte man als Frau aber auch vermeiden, in "rollentypische" Verhaltensmuster zu fallen, um vom (männlichen) Gegenüber als gleichberechtigt und gleichwertig angesehen werden zu können.

Jessica Wich

Kronach, Jahrgang 1990 Bundesliga-Fußballerin Ich lebe aktuell in Leverkusen und arbeite an meinem Comeback ins Bayer 04 Trikot. Parallel dazu arbeite ich in Köln als Immobilienkauffrau und habe die Verwaltung von Eigentumswohnungen in meiner Verantwortung.

Die Entwicklung der letzten Jahre ging sicherlich in eine positive Richtung, was die Gleichberechtigung von Frau und Mann angeht. Zum Teil wurde das Thema aber vielleicht auch unter Mithilfe von gesetzlichen Regelungen wie der Frauenquote gefördert. Damit eine Gleichberechtigung von Frau und Mann in Gänze erreicht werden kann, sollten meiner Meinung nach nicht Gesetze geschaffen werden, die zu Gunsten der Frau ausfallen. Zudem eine Quote in meinen Augen den Gleichheitsgedanken konterkariert und sich negativ auf das Ansehen der Frauen in Führungspositionen auswirken kann. Vielmehr könnte der Blickwinkel unserer Gesellschaft verschoben bzw. erweitert werden.

Ich sehe das Thema "Frauen in Führungspositionen" als Problem in Bezug auf die Gleichberechtigung. Meinem Gefühl nach muss eine Frau für die Erreichung einer Führungsposition mehr und härter arbeiten. An manchen Stellen wäre vielleicht eine neutralere Betrachtungsweise

wünschenswert.

Dorothee Bär

Ebelsbach, Jahrgang 1978 Digital-Ministerin in Berlin "Als deutsche Politikerin und Abgeordnete des Deutschen Bundestages stehe ich noch ganz unter dem Eindruck der zwei großen Festakte anlässlich des Jahrestages zum Frauenwahlrecht in Deutschland: bereits vor Weihnachten veranstaltete die CDU/CSU-Fraktion, genauer gesagt, die Gruppe der Frauen der Unionsfraktion, einen Festakt mit Bundeskanzlerin Merkel, und am Donnerstag fand im Deutschen Bundestag der große Festakt dazu statt.

Eine gewisse Enttäuschung ist bei den Veranstaltungen nicht überhörbar gewesen. Im Jahr 2019 sollten wir weiter sein, was die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern betrifft. 1919 war Deutschland Vorreiter, eines der ersten europäischen Länder, das das Frauenwahlrecht einführte, noch vor den älteren Demokratien. Ich habe das Thema als familien- und frauenpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion eine Legislatur lang federführend betreut. Ich war erst Gegnerin und wurde zur Befürworterin einer Frauenquote, da die Fortschritte ohne Quote einfach zu langsam sind. Auch wenn die Quote eine Krücke ist, ist sie dennoch eine notwendige.

Ich bin sehr froh, dass die Debatte über Gleichberechtigung derzeit wieder sehr deutlich und breit geführt wird, dass Ministerpräsident Söder sehr großen Wert auf Parität legt, dass wir mit Bundeskanzlerin Merkel eine Frau an der Spitze unseres Landes haben. Doch: All das reicht mir nicht. Es sind noch zu viele Bereiche nicht selbstverständlich: Familie und Karriere, Pflege und Beruf, echte Wahlfreiheit in diesen Bereichen, Mädchen und Frauen im MINT-Bereich, Männer in sogenannten typischen Frauenberufen. Wir haben für all diese Themen tolle Initiativen, aber der Fortschritt ist hier leider eine Schnecke. Wir brauchen alle, jede und jeden einzelnen, um mit einem disruptiven Ansatz auf ganz neue Ideen zu kommen, damit die Schnecke endlich eine Sprinterin wird und wir wieder Vorreiter. Trotzdem bin ich sehr dankbar, in unserer Demokratie leben zu dürfen, aktiv Politik gestalten zu können und all dies in jahrzehntelangem Frieden - keine Selbstverständlichkeit."

Melanie Huml

Bamberg, Jahrgang 1975 Bayerns Gesundheitsministerin Mit meiner Familie lebe ich in Bamberg. Als Landtagsabgeordnete der Region Bamberg liegt mir die Zukunft der Menschen hier besonders am Herzen. Für sie möchte ich hervorragende Lebensbedingungen, umfassende Bildung, attraktive Arbeitsplätze, innere und soziale Sicherheit dauerhaft erreichen. Als Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin gehört eine hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung in allen Landesteilen zu meinen zentralen Zielen, zum Beispiel haben wir am 8. Januar ein Bündnis für die generalistische Pflegeausbildung gestartet.

Bei uns sind vor dem Gesetz alle Menschen gleich. Das ist ein großartiger Erfolg der Frauenbewegung, doch wir sollten unseren Blick dafür schärfen, dass in unserer Gesellschaft noch Nachbesserungsbedarf besteht. Bei uns kümmern sich immer noch überwiegend Frauen um die Familie, um Kindererziehung und Angehörigenpflege. In Entscheider-Positionen aufzusteigen, ist für Frauen schwerer, und teilweise werden sie für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt. Daran müssen wir arbeiten.

Wir brauchen mehr Verständnis füreinander und sollten unterschiedliche Vorgehensweisen akzeptieren. Gemischte Teams aus Mann und Frau, aus Jung und Alt erzielen bessere Ergebnisse, weil jeder seine spezifischen Kompetenzen einbringen kann.

Barbara Stamm

Würzburg, Jahrgang 1944 CSU-Ikone Ich lebe in meiner Heimat im unterfränkischen Würzburg. Nach meiner aktiven Zeit in der Politik habe ich mir ehrenamtliche Schwerpunkte gesetzt. Ich bin weiterhin Landesvorsitzende der Lebenshilfe in Bayern und engagiere mich u.a. beim Aufbau einer Akademie für soziale Beruf und Ehrenamtliche.

Wir haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel erreicht. Allerdings sehe ich bei der Besetzung von Führungspositionen mit Frauen in Politik und Wirtschaft noch viel Luft nach oben.

Claudia Stamm

Würzburg, Jahrgang 1970 Ex-Grünen-Politikerin und Gründungsvorsitzende der neuen Partei "mut" 2017 habe ich gemeinsam mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern die Partei "mut" gegründet - da gibt es viel zu tun! Die Landtagswahl soll ja der Anfang, nicht das Ende sein, wir bereiten uns gerade auf die kommenden Kommunalwahlen vor. Es braucht Politik, die Mut macht!

Juristisch ist die Gleichberechtigung seit Jahren erreicht. Aber seien wir doch mal ehrlich! Gestern hat sich meine Tochter ein Getränk gekauft - auf diesem wurde die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bemängelt. Was für ein Armutszeugnis ist das denn? Dass wir im 21. Jahrhundert immer noch darum kämpfen müssen, dass Frauen überhaupt - im Durchschnitt, aber eben auch in denselben Berufen - den gleichen Lohn wie Männer erhalten? Und dass inzwischen Getränkehersteller sich das zur Agenda machen (müssen)?

Und in der Politik? Im Bund wie in Bayern gibt es jetzt weniger statt mehr weibliche Abgeordnete. Wir reden hier nicht über einen Minderheitenschutz, sondern über gut die Hälfte der Bevölkerung. Also, wir alle sollten aktiv gegen den Rollback sein. Kein Fußbreit rückwärtsgewandten Tendenzen!

Me-too steht für eines der vielen Probleme. Wir müssen über jede strukturelle Benachteiligung von Frauen reden - zum Beispiel über die nicht angemessene Repräsentation von Frauen in den Vorständen von Wirtschaftsunternehmen, in den höheren Etagen der Medien oder der Hochschulen. Um in all diesen Punkten Gleichberechtigung zu erhalten, braucht es eben auch klare gesetzliche Rahmenbedingungen.

Wenn Sie aber über "Me too" sprechen wollen: "Me-too" sollte das Problem der Gewalt von Männern an Frauen sichtbar machen. Und das hat die Kampagne sicher auch ein Stück weit. Wobei man - ehrlich gesagt - erstaunt sein durfte, dass Menschen so erstaunt waren. Jede dritte Frau ist von Gewalt betroffen gewesen, dazu gibt es mannigfaltig Studien. Wichtig ist: Die Frau als Opfer muss sichtbar sein, aber viel wichtiger ist: Der Fokus muss weg von der Frage, wie verhindert werden kann, dass Frauen Opfer von Gewalt werden, hin zur Frage, wie verhindert werden kann, dass Männer zu Tätern werden.

Dagmar Wöhrl

Nürnberg, Jahrgang 1954 Politikerin, Unternehmerin und Miss Germany 1977 Ich bin der Gewohnheit aus meiner politisch aktiven Zeit treu geblieben: Die eine Hälfte des Jahres lebe ich in meiner Heimatstadt Nürnberg, die andere Hälfte des Jahres in Berlin, sofern ich nicht für meine sozialen Projekte im Ausland unterwegs bin. Seit ich als Investorin bei "Die Höhle der Löwen" agiere, begleitet mich das Thema Start-up natürlich das ganze Jahr über. Da gibt es permanent einen engen Austausch und eine intensive Zusammenarbeit mit den Gründern. Ich unterstütze sie bei der Etablierung ihrer Produkte und ihrer Marke - sei es im Vertrieb, Marketing oder in der IT. Nächste Woche startet die nunmehr 6. Staffel von "Die Höhle der Löwen". Daher wird dieses Engagement auch nicht weniger werden, denn ich hoffe, wieder ein paar innovative Gründer zu entdecken, die dann unser Familienunternehmen verstärken werden.

Ich glaube, dass wir Frauen in Deutschland zu den Emanzipiertesten und Selbstbestimmtesten weltweit zählen. Eine Errungenschaft, die wir dem Kampf unserer Vorgängerinnen vor weit mehr als 100 Jahren zu verdanken haben. Und auch wenn Deutschland beim Thema Emanzipation der Frau ganz vorn an der Weltspitze anzutreffen ist, so können wir uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Es gibt durchaus Bereiche, in denen es noch immer besser sein könnte. Ich bin aber der Meinung, dass auch die Emanzipation ihre Grenzen hat, ähnlich wie in der Natur. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nun mal nicht und so werden auch wir Frauen an unsere Grenzen stoßen, wenn es darum geht, Karriere und Muttersein in Einklang zu bringen. Selbst wenn die Kinderbetreuung noch so gut ist, wird die vollzeitarbeitende Mutter immer auch ein wenig vom schlechten Gewissen gegenüber ihrem Kind geplagt sein. Andererseits werden sich in mancher Stunde viele Mütter fragen, ob es richtig gewesen ist, die Karriere für die Kinder ausgeschlagen zu haben. Dies ist einfach der Evolution geschuldet und kein noch so fortschrittlicher Staat wird dieses Grundempfinden von Frauen ändern können. Entscheidend jedoch ist, dass jede Frau für sich selbst bestimmen kann, welchen Weg sie einschlägt und dass der Staat gute Voraussetzungen für diese Wahlfreiheit schafft.

Natürlich gibt es aber z.B. im Bereich der Entgeltgleichheit zwischen Mann und Frau noch große Baustellen - statistisch gesehen, arbeiten die Frauen in Deutschland im Jahr 2019 bis zum 18. März umsonst, weil sie im Bundesdurchschnitt 21 Prozent weniger verdienen, als gleich qualifizierte Männer. Frauen müssen sich die besonderen Stärken, die sie haben - und das sind nicht wenige - bewusst machen und sie offensiv vertreten. Frau zu sein sollte nicht immer als Nachteil betrachtet werden.

Verstehen Sie meine Ausführungen bitte nicht falsch, aber ich glaube, Mann zu sein ist heute auch nicht mehr so einfach und zwar in vielerlei Hinsicht. Natürlich ist es ein No Go, eine Frau oder überhaupt einen anderen Menschen gegen seinen Willen zu bedrängen, dies gilt insbesondere dann, wenn sich die bedrängte Person in einem Abhängigkeitsverhältnis befindet. Aber ich beziehe das nicht nur auf die Beziehung zwischen Mann und Frau. Wie benennen wir eine Kampagne, wenn es den umgekehrten Fall der Bedrängnis gibt? Wenn eine Frau einen Mann bedrängt, weil sie vielleicht beruflich über ihm steht? Wie verhält es sich, wenn ein Mann einen Mann bedrängt? Oder wer spricht für all die unzähligen unschuldigen Kinder, die sexuell missbraucht werden? Bei einem solch sensiblen Thema bin ich absolut dagegen, dies auf einzelne Geschlechter zu reduzieren. Es geht generell um das Miteinander, um den Respekt und die Achtung eines jeden Menschen, egal welchen Geschlechts, welchen Alters oder welcher Nationalität er ist. Dafür wünsche ich mir eine Hashtag-Kampagne, gänzlich ohne Rollendenken. Wenn jeder das beherzigt, gibt es auch keine Probleme in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau oder Frau und Mann.

Katrin Müller-Hohenstein

Erlangen, Jahrgang 1965 Miss ZDF-Sportstudio Ich lebe aktuell, schon seit fast 26 Jahren, in München. Im Moment beschäftige ich mit dem Sportstudio im ZDF an diesem Wochenende. Erster Bundesligaspieltag nach der Winterpause, dazu Christian Streich vom SC Freiburg zu Gast, das wird eine muntere Sendung. Parallel befasse ich mich aber auch schon mit den "Sternen des Sports" - eine tolle Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Berlin, auf der Vereine ausgezeichnet werden, die sich in besonderem Maße für die Allgemeinheit einsetzen. Das ist am Dienstag. Der Bundespräsident kommt persönlich. Top!

Ich glaube, wir sind bei der Gleichberechtigung schon sehr weit gekommen. Ich kann für mich persönlich behaupten, dass ich noch nie in meinem Leben das Gefühl hatte, in irgendeiner Form einen Nachteil zu haben, weil ich eine Frau bin. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Aber mir ist auch klar, dass diese Wahrnehmung höchst subjektiv ist. So lange es z.B. Frauen gibt, die für die gleiche Arbeit immer noch weniger Lohn bekommen als Männer, ist das Thema Gleichberechtigung noch nicht abgeschlossen. Daran hat auch das Lohntransparenz- Gesetz nichts geändert, das mit großem Getöse eingeführt worden ist. Im Prinzip hätte man sich das gleich sparen können.

Die größten Probleme im gesellschaftlichen Miteinander sehe ich gar nicht so sehr zwischen Mann und Frau, obwohl es die ja auch gibt - siehe me-too. Was mich aber viel mehr umtreibt, ist die Art und Weise, wie wir alle miteinander umgehen. Vor allem auch in den sozialen Medien. Da herrscht teilweise ein Ton, dass einem ganz schlecht wird. Legitimiert durch "Meinungsfreiheit" und unter dem Deckmantel der Anonymität. Ich finde das ganz schön feige. Und Meinungsfreiheit bedeutet ja auch nicht, dass man die Grenzen des guten Geschmacks permanent niederreißen muss.

Anja Kohl

Aschaffenburg, Jahrgang 1970 Fernsehmoderatorin (u.a. ZDF) und Wirtschafts-Fachfrau Ich lebe in Berlin, aber halte immer den Kontakt zur fränkischen Heimat. Heimat ist mir sehr wichtig. Das wichtigste berufliche Projekt bleibt meine tägliche journalistische Arbeit: Aktualität, Genauigkeit, Verständlichkeit, Hintergründigkeit... Gute Arbeit abzuliefern. Das beschäftigt mich.

Wichtig ist, auf das Erreichte stolz zu sein und es zu bewahren. Was das Wählen angeht, war es noch in den 50er Jahren oft so, dass Frauen gar nicht wählen gingen oder der Mann die Wahlentscheidung vorgab. Haben wir zum Glück fast vergessen. Was 50 zu 50 in Beruf und Familie angeht aber gilt es weiterhin dafür zu kämpfen. Nur 8,5 % der Vorstände in den 200 umsatzstärksten Unternehmen sind beispielsweise Frauen. Hier vollzieht sich die Entwicklung im Schneckentempo, ist für uns als Gesellschaft noch sehr viel Weg zu gehen.

Beruflich werden Frauen nach wie vor oft benachteiligt, in aller Regel schlechter bezahlt. Sie stoßen an gläserne Decken, weil sie klein gehalten oder ausgeschlossen werden. Obwohl sie nicht selten besser sind als Männer, müssen sie für die gleiche Reputation härter kämpfen und beharrlicher sein. Männer sind dafür spätestens seit der Me-too-Bewegung völlig verunsichert. Nicht wenige versuchen deshalb umso mehr gewachsene Männer-Seilschaften aufrechtzuerhalten. Meine Erfahrung ist, dass Männer, die Frauen fördern, damit meist gute Erfahrungen machen. Nicht wenige haben die alten Rollenklischees und Zuteilungen satt, artikulieren es auch, wenn Verstöße gegen Frauen stattfinden. Dinosaurier aber gibt es nach wie vor. Nicht selten sitzen sie in den Führungsetagen, wo sie beharrrlich versuchen ihr eigenes Aussterben abzuwenden. Der Schlüssel zu allem ist Anerkennung. Unabhängig vom Geschlecht. Dafür müssen Männer nicht mehr nur als gefühlskalte Funktionsträger gesehen werden. Und Frauen endlich nicht mehr nur als empathische Sympathieträger.

Tanja Kinkel

Bamberg, Jahrgang 1969 Bestsellerautorin Ich wohne in München, bereite derzeit meine Moderationen während des Bamberger Literaturfestivals im Februar vor und arbeite an einem Erzählprojekt, das ich noch vertraulich behandeln muss.

Theoretisch haben wir die Gleichberechtigung. De Facto sitzen in den meisten Aufsichtsräten, Gremien, Ministerien, in jeder Art von Machtpositionen immer noch in der Mehrzahl Männer. Die Menschen tendieren immer noch dazu, einen erfolgreichen Mann als die Norm und eine Frau als die Abweichung zu behandeln, nicht nur sprachlich. Dazu kommen derzeit erstarkende Kräfte, die am liebsten alle gesellschaftlichen Fortschritte rückgängig machen würden. Also: ja, es bleibt noch einiges zu tun, nicht zuletzt in meinem eigenen Bereich, der Literatur. Obwohl Belletristik mehrheitlich von Frauen gelesen wird, sind die meisten Literaturkritiker Männer, die hauptsächlich Männer besprechen.

Obwohl ich versuche, mich vor Verallgemeinerungen zu hüten und mir bewusst bin, dass wir alle unterschiedliche Individuen sind: Ich glaube, das größte Problem, das wir Menschen derzeit miteinander haben, ist, dass wir verlernen, einander zuzuhören, und nur noch aufeinander einschreien. Dass deswegen jede Kritik auch gleich als Angriff gewertet wird, und, statt überdacht zu werden, sofort abgewehrt und durch Gegenangriff beantwortet wird. Das gilt auch und gerade für das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

Martina Trumpp

Ansbach, Jahrgang 1986 Geigen-Wunderkind Ich lebe im Stuttgarter Raum, wo ich als Violinsolistin und Pädagogin tätig bin. Nach wie vor bin ich sehr aktiv in meiner fränkischen Heimat: Ich leite unter anderem das "D'Accord, das Klassikfestival", welches Anfang Mai mit besonderen Konzerten von der Crossover-Klassiknacht bis hin zu Vivaldis "Vier Jahreszeiten" in Ansbach, Rothenburg, Dinkelsbühl, Leutershausen oder Rednitzhembach gastiert.

Darüber hinaus konzertiere ich regelmäßig in ganz Deutschland und international. Beispielsweise war ich kürzlich auf Tournee in Kolumbien, wo ich als Solistin konzertierte und Meisterkurse an den drei großen Universitäten des Landes gab.

Für uns Künstlerinnen ist das Thema Gleichberechtigung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten: War es 1983 noch eine Sensation, dass die Klarinettistin Sabine Meyer als eine der ersten Frauen Mitglied der Berliner Philharmoniker wurde, so ist dies heute selbstverständlich.

Andererseits: Gerade erst habe ich mich mit den Kompositionen Clara Schumanns (der Frau von Robert Schumann) beschäftigt. Werke von Komponistinnen sind früher wie heute, trotz ebenbürtiger Qualität, noch nicht im Standardrepertoire etabliert.

Betrachtet man das Marketing im Entertainment- und Kulturbetrieb, sind - im Gegensatz zu männlichen Künstlern - die "weiblichen Vorzüge" zentral und medien- wie publikumswirksam. Dies kann man kritisch betrachten.

Das Thema der Me-too-Bewegung war gerade im klassischen Musikbetrieb im Zusammenhang mit dem Prozess um den ehemaligen Präsidenten der Musikhochschule München prominent. Es ist sicherlich denkbar, dass sich Karrierewege auch über andere als rein fachliche Kompetenzen geebnet haben, jedoch bin ich überzeugt, dass sich Qualität und Kompetenz durchsetzen - unabhängig vom Geschlecht.

Nicole Then

Sommerach, Jahrgang 1980 Deutsche Weinkönigin 2004 und Moderatorin Ich lebe mit meiner Familie seit knapp zwei Jahren wieder in meinem Heimatort Sommerach an der Mainschleife. Als Moderatorin bin ich bei Radio Charivari in Würzburg zu hören. Außerdem darf ich immer wieder bei den verschiedensten Veranstaltungen als Event-Moderatorin auf der Bühne oder auch mal vor der Kamera stehen. Mal moderiere ich eine Wein-Gala, mal eine Podiumsdiskussion oder auch mal ein Business-Event. Darüber hinaus beschäftigen mich auch immer wieder Projekte rund um den fränkischen Weintourismus und natürlich werde ich auch als Mama von meinen beiden Söhnen (sechs und vier Jahre) gefordert.

Ich glaube, wir Frauen haben heute durch gute Bildung und gleiche Rechte grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Herausforderung ist allerdings für viele Frauen nach wie vor die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft meiner Meinung nach noch flexibler und kreativer denken und handeln.

Für mich sind die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern ein "No Go". Warum Männer für den gleichen Job (gleiche Tätigkeit und gleiche Verantwortung) oft besser bezahlt werden als Frauen, kann ich absolut nicht nachvollziehen.

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