Altendorf
Bodendenkmäler

Was kommt zum Vorschein?

Bevor in Altendorf neue Baurechte für Häuslebauer vergeben werden können, rücken Bagger im Auftrag der Archäologie an.
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Dem geschulten Auge von Ronald Metzger entgeht nichts. Fotos: Andrea Spörlein
Dem geschulten Auge von Ronald Metzger entgeht nichts. Fotos: Andrea Spörlein
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"Bodendenkmäler" oder "Bodenarchäologie" sind zwei Begriffe, die bei Kommunen und bei privaten Bauherren oft wenig Freude nach sich ziehen. Oft wird die Wertigkeit solcher Denkmäler nicht erkannt, werden nur die dabei entstehenden Kosten in die Waagschale geworfen und diese Relikte aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit immer wieder einfach zerstört. Das Bayerische Denkmalschutzgesetz (DSchG) von 1973 regelt den Umgang mit Bodendenkmälern jedoch genau.

Altendorfs Bürgermeister Karl-Heinz Wagner (CSU) wird häufig mit Bauanfragen konfrontiert, doch die dafür verfügbaren Flächen sind in Altendorf knapp. Nun will man im Nordosten der Kommune eine Fläche von rund 30 000 Quadratmetern aufplanen. Die Flächen sind alle im Besitz der Gemeinde. Die Bauleitplanung ist im vollen Gange. Es sollen hier rund 30 bis 35 Baurechte, ein Kinderspielplatz und zwei bis drei Baurechte für den sozialen Wohnungsbau entstehen.

Da sich in unmittelbarer Nähe Bodendenkmäler befinden, die auch für jedermann im Bayerischen Denkmal-Atlas zu finden sind, haben die Planungen eine gründliche archäologische Sondierung notwendig gemacht. Das spart der Kommune letztendlich Zeit und Geld und man kann gut vorbereitet in die weitere Bauleitplanung gehen. Daher ist jetzt der Archäologe Ronald Metzger vom Landesamt für Denkmalpflege vor Ort. Als Grabungstechniker arbeitet er für das Modellprojekt "Denkmalfeststellung im Vermutungsfall". Damit will der Freistaat Bayern Kommunen und privaten Bauherren bei größeren Bauvorhaben die Möglichkeit bieten, die Risiken einer archäologischen Ausgrabung durch vorausgehende Sondierungen und Prospektionen einzugrenzen. So können bereits in einer frühen Planungsphase auf besonders denkmalreiche Teilflächen durch Umplanungen reagiert beziehungsweise Alternativen aufgezeigt werden. Sein Terminkalender ist voll, unter anderem auch wegen der im Moment boomenden Baukonjunktur - aber leider ist der Fortgang des Modellprojekts noch nicht gesichert.

Als Vermittler gefragt

Metzger versteht sich oft als Vermittler bei Bauherren und Kommunen und verweist auf die Tatsache, dass 80 Prozent der Baudenkmäler im Gelände nicht sichtbar seien. Jedoch gelte es, diese genauso der Nachwelt zu erhalten wie etwa die Schlösser von König Ludwig II. Die Funde seien Zeugnisse längst untergegangener Kulturen und als diese so zu werten. "Es sind ja oft die Vor-Vorfahren der jetzigen Anwohner, die hier schon erstaunliche Fähigkeiten besessen und den Boden urbar gemacht haben."

Mithilfe von Bauhofmitarbeiter Johannes Först und einem angemieteten Bagger sind mittlerweile acht Sondagen in unterschiedlicher Länge gezogen und eine größere Fläche vom Mutterboden befreit worden. Das geübte Auge des Archäologen kann dann bereits sehen, ob das Gelände vielleicht aufgeschüttet wurde oder neuzeitige Drainagen mögliche Bodendenkmäler bereits zerstört haben. Dann gilt es einfach die Informationen zu retten, wenn die Baudenkmäler schon zerstört sind. Ronald Metzger hat bereits im Vorfeld die Unterlagen im Landesamt für Denkmalpflege geprüft und sich insbesondere die schon vorhandenen Fundstücke aus dieser Gegend angeschaut. So weiß er ganz genau, auf was er bei der ersten Einschätzung achten muss. Dadurch konnte man bereits nach den ersten Baggerarbeiten fünf bis sechs Fundorte mit einer gehäuften Anzahl an Keramikfunden feststellen und einen Halbkreis mit besonderen Steinen.

Grabhügel aus Bronzezeit

Bei einem Ortstermin erläuterte Metzger die Fundstücke, unter anderem charakteristische Tonscherben, vermutlich eine Scherbe aus der Spät-Laténe-Zeit und ein Knochenfragment. Dies und andere Indizien lassen die Arbeitshypothese zu, dass es sich hier um einen Grabhügel aus der Bronzezeit handelt, der durch jahrzehntelanges Pflügen eingeebnet wurde. So wird nun ein erfahrenes Archäologiebüro mit der Ausgrabung beauftragt werden. Nur eine detaillierte Grabung, Sichtung, Dokumentation und Vermessung kann die These stützen oder gegebenenfalls verwerfen. Aufgrund der rechtzeitigen Benachrichtigung der Fachstelle durch den Altendorfer Bürgermeister kann die Voruntersuchung und die Grabung jetzt ohne Zeitdruck erfolgen.

Für den Archäologen sind auf jeden Fall "weitere interessante Puzzlestücke für das große Ganze" gefunden worden. Man darf letztendlich gespannt sein auf die Ergebnisse der Grabung. Die Kosten muss die Gemeinde als Grundstückseigentümerin übernehmen. Je nach Befundergebnis kann dann ein Bauplatz daraus gemacht werden oder eine öffentliche Fläche, um den Fundbereich zu erhalten. Die Bebaubarkeit der Fläche ist bis Herbst 2019 geplant und bereits ab Herbst 2018 könnte der Verkauf starten.



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