Bamberg
Grundsteinlegung

Was digitale Gründer brauchen

"Lagarde 1" nimmt allmählich Formen an. Auf dem Konversionsgelände entsteht ein Gründerzentrum für digitale Unternehmer.
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So soll das Digitale Gründerzentrum "Lagarde 1" an der Ecke Berliner Ring/Zollnerstraße nach Fertigstellung Ende 2019 aussehen. Illustration: Stadt Bamberg
So soll das Digitale Gründerzentrum "Lagarde 1" an der Ecke Berliner Ring/Zollnerstraße nach Fertigstellung Ende 2019 aussehen. Illustration: Stadt Bamberg
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Die digitale Zukunft Bambergs hat derzeit noch ein wenig Baustellencharme. Aber ab Ende 2019 soll "Lagarde 1" soll jungen Unternehmern und digitalen Talenten eine kreative Heimat geben. Bei der symbolischen Grundsteinlegung im Rohbau an der Ecke Berliner Ring/Zollnerstraße sagte der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU): "Lagarde 1 hilft Bamberg und Bayern dabei, ein Gründerstandort von internationalem Rang zu werden."
Wie bewerten junge Bamberger Existenzgründer das neue Zentrum? "Auf jeden Fall eine gute Sache für Bamberg, das hätte es gern auch schon fünf Jahre früher geben können", sagt Rainer Rother, der 2013 Jahren mit "smoost" eine Spenden-App auf den Markt gebracht hat. Rother kann sich hier durchaus einen neuen Treff vorstellen, wo sich neue und etablierte Unternehmen austauschen, gemeinsam Ideen und Projekte entwickeln. Rother sieht im digitalen Bereich noch große Möglichkeiten: "Man kann jeden Tag die richtigen Ideen haben und gute Entscheidungen treffen."
"Das neue Digitale Gründerzentrum wird die perfekte Ergänzung zu allen bisherigen Anlaufstellen und Netzwerken rund um das Thema Gründung, Startups und Digitalisierung sein", sagt auch Chris Dippold, Unternehmer und Vorsitzender des Vereins Bamberg Startups. Besonders freue er sich, dass es im neuen digitalen Zentrum "nicht nur einfache Büroflächen, sondern auch ein eigenes Co-Working-Space" geben wird. Somit sei es jedem möglich auch mal kurzzeitig einen Arbeitsplatz zu finden und sich dabei mit anderen Personen auszutauschen. "Verschiedene Veranstaltungen und Workshops runden das Konzept ab und motivieren mehr Menschen dazu, ihre eigenen Ideen zu verfolgen. Ich kann es kaum erwarten", sagt Dippold.
Beim Bamberger digitalen Gründerzentrum handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Landkreis Bamberg. In Bamberg wird der Fokus auf digitale Geschäftsmodelle, Logistik, Industrie 4.0, digitale Techniken im Gesundheitsbereich, Verarbeitung riesiger Datenmengen (Big Data) und E-Commerce gelegt werden, bestehende Unternehmen sollen mit Hochschulen und Start-Ups vernetzt werden. Das neue Zentrum soll eine große projektbezogene Arbeitsfläche für Firmenkooperationen bieten, im "Creative Cube" sollen neue Ideen entstehen, daneben gibt es verschiedene Erholungs- und Arbeitsbereiche, eine großzügige Cafeteria, verschiedene Seminar- und Büroräume sowie einen Tagungsraum für bis zu 199 Personen. Mit dem Baubeginn von Lagarde 1 hatten die Netzwerkaktivitäten der IGZ Bamberg begonnen, die auch Betreiberin des neuen Zentrums sein wird. Alle Aktivitäten zielen nach Auskunft der Stadt darauf, "innovativen Startups in der Region ein ideales Umfeld zu bieten, um die Möglichkeiten der digitalen Technik für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen zu nutzen".
"Lagarde 1 wird ein Leuchtturm, der auch über Oberfranken hinaus eine große Strahlkraft entwickeln wird", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), der wie Landrat Johann Kalb (CSU) darauf hinweist, dass das Projekt voll im Zeit- und Kostenplan liege. Im Bamberger Osten soll auf dem Lagarde Campus ein ganz neuer Stadtteil entstehen, neben rund 1000 Wohnungen, Gewerbe- und Kulturflächen soll Lagarde 1 der Kern eines neuen IT-Quartiers werden. Starke wies darauf hin, dass das oberfränkische Gründerzentrum eigentlich nach Hof gesollt hätte. Dann konnte jedoch eine Delegation aus Bamberg die Staatsregierung noch umstimmen. Die salomonische Lösung für Oberfranken geht nun dahin, dass es Standorte für digitale Gründerzentren in Bamberg, Hof und Coburg geben wird.
Gern gesehener Gast bei der Grundsteinlegung war Wirtschaftsminister Pschierer nicht zuletzt, weil er einen Förderbescheid über 6,7 Millionen Euro mitbrachte. Bayernweit soll es künftig elf solche Zentren mit insgesamt 21 Standorten geben, über die Initiative Gründerland Bayern investiert der Freistaat rund 80 Millionen Euro in digitale Gründerzentren. Das Gesamtvolumen des Bauprojektes in Bamberg beträgt 11,9 Millionen Euro. Pschierer hat bereits angekündigt, dass in allen Regierungsbezirken außerhalb der Ballungsräume ein weiteres digitales Gründerzentrum eingerichtet werde. Es werde jedoch darauf geachtet, "dass sich diese nicht gegenseitig kannibalisieren". Keinesfalls brauche man neidvoll über den großen Teich zu blicken, wo sich im Silicon Valley die erfolgreichsten Unternehmen der Branche ballen. Denn der Erfolg sei in den USA sehr ungleich verteilt, während man in Bayern flächendeckend auf die digitale Zukunft setze. Hierbei gehe es längst nicht nur ums Internet, sondern auch um den Industriestandort: "Wir wollen den industriellen Kern bewahren und in neue Startups investieren."
Den Existenzgründern müsse man unter anderem "beim Papierkram helfen", also Bürokratie für Unternehmen abbauen, der Wirtschaftsfonds Bayern helfe zudem bei der Finanzierung. "Ich hoffe auf viele innovative Ideen in den digitalen Gründerzentren, auf Patente und daraus entstehende marktfähige Produkte."
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