Bamberg
Mitmach-Aktion

Was Bamberg braucht

Seit knapp zwei Wochen diskutieren die Mitglieder der Facebook-Gruppe "Was braucht Bamberg?" über die Zukunft der Stadt. Was bisher geschah.
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Grafik: Micho Haller
Grafik: Micho Haller

Wie können wir unsere Stadt lebenswerter machen? Um dieser Frage nachzugehen, hat der Fränkische Tag vor knapp zwei Wochen die Facebook-Gruppe "Was braucht Bamberg?" gegründet. Auch mit Hinblick auf die Kommunalwahl am 15. März 2020.

Mittlerweile sind über 250 Mitglieder dabei. Unter rund 40 Beiträgen wurde angeregt diskutiert. Die Vorschläge und Diskussionen zu verschiedenen Themenbereichen werden hier nun vorgestellt. Ab Dienstagabend wird es eine Abstimmung geben, welchem Thema sich der FT zuerst annehmen soll.

Verkehr

Über den Verkehr wurde am häufigsten diskutiert. Im allerersten Beitrag schlug Nadine L. vor, alle Straßen auf der Erba-Insel zu Spielstraßen zu machen, da dort viele Kinder unterwegs sind.

Mehrmals wurde für eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) geworben. Für den Landkreis wünschen sich die Mitglieder eine bessere Taktung (auch nach 19 Uhr), ein 365-Euro-Ticket für alle und dringend einen Regionalen Omnibusbahnhof. Im Stadtbusverkehr möchte Susanne S. eine bessere Anbindung der Musikschule im Berggebiet. Auch ein "Bamberger Bürgerticket" nach dem Vorbild Wuppertals kam ins Gespräch, das 50 Euro und weniger (für Senioren, Schüler, Einkommensschwache) kosten soll.

Ein flächendeckendes, sichereres Radwegenetz wollen viele Gruppenmitglieder, die Nutzerin Mi We gleich eine autofreie Innenstadt. Wie diese umzusetzen ist und mit welchen Ausnahmen, wird rege diskutiert. Andi E. wünscht sich eine Umwandlung von Parkplätzen in ökologisch wertvolle Mobilitätsstationen aus Car-Sharing, Lastenrad-Sharing, Radabstellplätzen, Stromtankstellen für E-Bikes kombiniert mit Hochbeeten und Bäumen." Ilona R. bringt für die Zukunft der ressourcen- und umweltschonenden Personenbeförderung Wassertaxis ins Spiel.

Wohnen

Wegen steigenden Mietpreisen und Wohnungsnot will Anja E. "innovative neue Wohnformen wie Hausboot- oder Tiny-House-Siedlungen" in Bamberg ermöglichen. Stef Ba wünscht sich mehr Druck seitens des Stadtrates, um das Ankerzentrum schnellstmöglich dem Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen. Wolfgang H. sieht aber auch positive Entwicklungen, etwa dass durch den Umzug eines BMW-Autohauses Platz für 140 Wohnungen geschaffen wurde. Wichtig ist allen, dass neuer Wohnraum auch bezahlbar ist.

Kultur

Probe- und Auftrittsräume für Bands und andere Künstler: Viele Mitglieder wollen ein (sub-)kulturelles Zentrum, nachdem immer mehr Räume weggefallen sind - Nutzer Matthias S. nennt etwa Kulturzentrum Fischerhof, Zentralsaal, Freizeitwerk St. Heinrich, Morph Club, Proberaumzentrum/Habana und Sound N Arts. Zur Diskussion stehen Lagarde-Kaserne und Kesselhaus. Laut Kulturbürgermeister Christian Lange liefen diesbezüglich immissionsrechtliche Untersuchungen. Die Chance, das es dort "nachts mal laut werden darf", wie von Michi S. gewünscht, sieht Lange eher im Kesselhaus als auf der Lagarde-Kaserne, wo auch Wohnungen entstehen sollen.

Kinderbetreuung

In Gaustadt wird Bamberg künftig erstmals als Träger einer Kinderbetreuungseinrichtung agieren. Dies soll nach den Vorstellungen vieler Mitglieder ausgebaut werden. "Wir müssen das Thema schon jetzt aktiv angehen, damit wir - sobald der gesetzliche Anspruch eingeführt wird - nicht hinterher hängen, sondern von Beginn an gestalterisch tätig werden können", meint Florian K. Susanne P. fordert auch mehr Plätze in der Mittagsbetreuung, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.

Tourismus

Beim Thema Tourismus soll die Stadt laut Vera M. darauf achten, eine "Balance zwischen Bewohnerinteressen und weltoffener Weltkulturerbestadt" zu meistern - durch Bürgerbeteiligung, etwa in Tourismuskonferenzen. Auch eine Tourismus-Abgabe wird diskutiert.

Architektur

Vor allem die Sanierung der Schulhäuser, aber auch die Verschönerung von Max- und Bahnhofsvorplatz sind den Mitgliedern wichtige Anliegen, um die Stadt lebenswerter zu machen. Mehr Pflanzen wollen viele an beiden Plätzen sehen. Am Maxplatz würde sich Vera M. über Spielmöglichkeiten für Kinder freuen, am Bahnhof soll die Ausschilderung der Fahrpläne für Bus und Bahn übersichtlicher werden, ein Regionaler Omnibusbahnhof entstehen und der Platz allgemein verschönert werden, denn "es ist der erste und letzte Eindruck, den Bamberg Reisenden bietet", schreibt Rebecca H. Stadtrat You Xie machte sich außerdem für Litfaßsäulen-WCs stark.

Integration

"Bamberg braucht Begegnungsorte für Menschen aller Nationalitäten und gesellschaftlichen Gruppen", findet Luise E. So könnten Synergien und gegenseitige Hilfen ermöglicht werden. "Aber: Dies sollten nicht nur Ehrenamtliche initiieren, sondern es braucht auch professionelle und finanzielle Unterstützung der Stadt."

Wirtschaft

Alle genannten und nicht genannten Wünsche eint, dass sie Geld kosten werden, gab Wolfgang H. früh zu bedenken. Deshalb sei es wichtig, Gewerbeflächen auszuweisen. H. wünscht sich vor allem Unternehmen mit Zukunftstechnologie, etwa in den Bereichen Robotik oder künstliche Intelligenz, nach Bamberg. Um Platz für Firmengrundstücke zu schaffen, kann er sich etwa vorstellen, alle Parkplätze unterirdisch anzusiedeln.

Dass wie kürzlich bekanntgegeben die Solidarische Landwirtschaft der Ansiedlung des Ausbildungszentrums der Handwerkskammer weichen soll, "empört mich", schreibt Luise E. Ihrer Meinung nach muss die Nahversorgung weiter gestärkt werden. Iris F. stimmt zu und wünscht sich "Solidarische Landwirtschaft in jedem Stadtteil".

Stadtpolitik

"Mehr Transparenz im Rathaus" fordert Florian H. Er wünscht sich, dass Stadtratssitzungen künftig aufgezeichnet und im Internet zur Verfügung gestellt werden. Ob dies auch negative Auswirkungen auf die Sitzung haben kann, wird derzeit diskutiert. Bringen Sie sich gerne ein.

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