Bamberg
Sendelbach

Warum starben die Fische im Sendelbach bei Bamberg?

Es war ein trauriger Anblick, der sich am Sendelbach bot. Dort trieben rund 100 Fische mit dem Bauch nach oben. Es gibt eine Theorie, wie es dazu kam.
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Das Wasser im Sendelbach ist sauber. Trotzdem wurden in diesem  Sandfang rund 100 tote Fische angetrieben.  M. Wehner
Das Wasser im Sendelbach ist sauber. Trotzdem wurden in diesem Sandfang rund 100 tote Fische angetrieben. M. Wehner
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Vielen in Bamberg ist der Sendelbach als friedliches Gewässer im Bamberger Süden bekannt. Er plätschert munter durch den Hauptsmoorwald und die "Muna", ehe er am Adenauerufer in den Main-Donau-Kanal mündet. Doch für eine stattliche Anzahl Fische wurde er nun zur tödlichen Falle. Ihre bäuchlings oben schwimmenden Kadaver wurden am Mittwoch dieser Woche im so genannten Sandfang südlich der Kleingartenanlage am Sendelbach angeschwemmt.


Bisher noch nicht vorgekommen

Es soll ein Jogger gewesen sein, der die traurige Entdeckung machte. Elmar Hübner, der Vorsitzende des Kleingartenvereins am Sendelbach, informierte daraufhin das städtische Umweltamt. Ein solches Fischsterben hat Hübner, seit 40 Jahren als Gärtner am Sendelbach aktiv, noch nicht erlebt.
Von den Behörden gab es am Donnerstagnachmittag dennoch Entwarnung: Das Fischsterben am Sendelbach ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mit dem Fall zu vergleichen, der vor einem Jahr alle Naturfreunde im nördlichen Landkreis Bamberg in Schrecken versetzt hatte. Dort hatten sich 1000 Liter Spritzmittel in den Leitenbach ergossen - mit dem Ergebnis, dass alles Leben in dem idyllischen Bachlauf unterhalb des Unglücksortes ausgelöscht wurde. Um sicher zu sein, dass sich ein solches Desaster nicht wiederholt, wurden auch am Sendelbach Proben gezogen. Franz-Josef Kaiser vom Wasserwirtschaftsamt Kronach untersuchte unter anderem Sauerstoffgehalt, Temperatur, PH-Wert und Leitfähigkeit des Sendelbachs rund um den Fundort der toten Tiere.
Ergebnis: Zumindest zum Zeitpunkt der Messung wies der Bach keine Substanzen auf, die ein menschliches Verschulden für den Tod der Fische nahelegen. Die Temperatur betrug 15 Grad, das Wasser war sauber, und es bestand auch kein Sauerstoffmangel.
Wie aber kam es dann zum Sterben so vieler Fische? Und wie kamen die Fische überhaupt in den kleinen Bach? Hört man Marco Horlamus von der Wasserschutzpolizei, dann handelt es sich beim Sendelbach wegen seines schwachen Durchflusses nicht um ein typisches Fischgewässer. Die toten Rotfedern und andere Weißfischarten könnten eingesetzt oder von Vögeln eingetragen worden sein, sagt er. Ob sie im Sandfang oder oberhalb im Sendelbach gelebt haben, ist unbekannt. Ebenso gibt es keine Hinweise, dass auch andere Arten betroffen sein könnten.

Es spricht derzeit also vieles für eine natürliche Todesursache. Darauf deuten auch die Beobachtungen hin, die die Mitglieder des unmittelbar angrenzenden Kleingartenvereins gemacht haben. So war der Wasserstand wegen des lange Zeit ausgebliebenen Regens in den letzten Wochen deutlich abgesunken, um seit vergangenen Donnerstag wieder rasch anzusteigen. "Die Theorie ist, dass die Fische während der Hitze an Sauerstoffmangel starben und nun durch die einsetzenden Regenfälle bachabwärts geschwemmt worden sind. Dort blieben die Kadaver am Sandfang hängen", sagt Vereinvorsitzender Elmar Hübner.

Wie sensibel der Sendelbach auf Trockenheit, aber auch auf Starkregenfälle reagiert, weiß man im Süden der Stadt Bamberg nur zu gut. So war der Bach im heißen Sommer 2015 komplett versiegt, aus seinem Bett ein trockener Graben geworden. Ein dreiviertel Jahr später, im Juni 2016, bot sich eine völlig andere Szenerie. Der harmlose Sendelbach war nach wochenlangem Dauerregen zum bedrohlichen Fluss angeschwollen. Innerhalb weniger Stunden setzte er einen Großteil der Kleingartenanlage unter Wasser und überflutete auch die benachbarte Straße.


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