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Warum OB Starke weitermachen sollte - und warum nicht

Im Urlaub will Andreas Starke nun Klarheit erlangen, ob er 2020 noch einmal als Stadtoberhaupt kandidiert. Wir helfen ihm beim Abwägen.
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Tritt der 2020 noch einmal als Oberbürgermeister an? Andreas Starke will sich bald erklären. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Tritt der 2020 noch einmal als Oberbürgermeister an? Andreas Starke will sich bald erklären. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Fünf Gründe weiterzumachen

1. Das Beste kommt zum Schluss

Ein Neuling im Rathaus kann zahllose Fehler machen. Andreas Starke (SPD) hat viele Lektionen in den vergangenen Jahren gelernt - teilweise auf schmerzhafte Weise. Er hat sich davon nicht entmutigen lassen, sondern zieht Konsequenzen daraus. Die Installation eines Amts für Bürgerbeteiligung ist so ein Schritt. Egal, ob effektive oder symbolische Maßnahme - er besänftigt die Gemüter und sorgt clever für Ruhe, um handeln zu können. Das Argument "Neue Besen kehren besser" entkräftet er mit Erfahrung. Die hat ihm auch den Respekt seiner Gegner eingebracht - in Bamberg und darüber hinaus. Das spürt er bei seiner Arbeit als Chef der Metropolregion Nürnberg, die ihm nach eigenem Bekunden große Freude bereitet und den Horizont erweitert. Und diese Stellung als geschätzter Macher öffnet ihm und der Stadt Türen, die früher verschlossen waren. Warum diese zuschlagen?

2. "Ich hole die AEO zurück!"

Dass eine große Flüchtlingsunterkunft im Bamberger Osten entstanden ist, wird dem Stadtrat angelastet und vor allem Starke. Ein Mann wie er möchte das nicht auf sich sitzen lassen. Er will persönlich dafür sorgen, dass der Freistaat seine Zusage erfüllt, die ehemalige Kaserne 2025 zu räumen, und dass dort Wohnraum entsteht. Genauso zu Ende bringen möchte er noch das Thema Muna. 3. Die Lust auf neue Herausforderungen

Bahnausbau, Konversion, Wohnraum, Verkehr - es stehen drängende Themen für Bamberg an. Hier den Weg vorzugeben, reizt jeden Politiker. Natürlich auch den amtierenden OB, der seinen Gestaltungswillen und sein Selbstbewusstsein schon vor Jahren dokumentiert hat, als er sich auch von zwei gescheiterten OB-Wahlen nicht stoppen ließ.

4. Die Pflicht gegenüber der Partei

Die SPD hat es nicht geschafft, eine Alternative zu Starke aufzubauen. Klaus Stieringer, Fraktionsvorsitzender und vermeintlicher Kronprinz, polarisiert zu stark. Fähiger Nachwuchs duckt sich weg. Sollte Starke nicht antreten, sieht es düster für die Genossen aus - auch bei den Stadtratsmandaten.

5. Der Kompromisse-Schmied

Starke kann repräsentieren, aber vor allem Brücken schlagen und Positionen zusammenführen. Fast wäre ihm das auch noch im Herbst 2018 kurz vor dem Muna-Entscheid gelungen. Vielleicht schmiedet er für sich und seine Lebensgefährtin auch hier noch eine Zwischenlösung: Kandidieren - mit der Option, die Amtszeit früher abzubrechen.

Fünf Gründe aufzuhören

1. 14 Jahre sind genug

Seit dem 1. Mai 2006 lenkt Andreas Starke die Geschicke der Welterbestadt. Hätte er es damals durch ein Wunder zum US-Präsidenten geschafft, wäre er schon seit sechs Jahren in Rente. Für den mächtigsten Mann der Welt ist bekanntlich nach zwei Amtszeiten von jeweils vier Jahren Schluss, um einen "wohlwollenden Diktator auf Lebenszeit" zu verhindern. Nun, Verantwortung und Machtfülle mögen nicht vergleichbar sein. Die Gefahr, dass sich nach vielen Dienstjahren Routine, Ermüdung und Bequemlichkeit einstellen, besteht freilich in beiden Ämtern.

2. Ein bestelltes Haus

Viele Projekte, die in den vergangenen Jahren die Stadt Bamberg beschäftigt haben, sind zuletzt abgeschlossen worden: Bürgerrathaus, pardon, Rathaus am ZOB, "Quartier an den Stadtmauern", Untere Mühlen, vierter Bettenturm am Klinikum und und und. An neuen Aufgaben fehlt es zwar nicht, wohl aber an einer großen Vision für die Zukunft. Der Zeitpunkt scheint fast ideal, um das Rathaus gut geordnet zu übergeben.

3. Die Gefahr zu scheitern

Ein Spaziergang wird die OB-Wahl für den Amtsträger nicht, sollte er wieder antreten. "Der Andi" gilt laut Umfragen immer noch als beliebtester Politiker der Stadt, doch die Bezirkswahl (nur Platz 3 in Bamberg) und die Pleite beim Muna-Entscheid lassen erahnen, dass ihm 2020 eine Stichwahl droht. Das wäre schon ein kleiner Kratzer im Ansehen. Und wer weiß, was dann passiert.

4. Der neue Stadtrat

Starke hat es immer verstanden, sich Mehrheiten zu organisieren, obwohl er mit der SPD nie eine eigene Hausmacht hatte. Daran wird sich auch nach der Kommunalwahl nichts ändern - im Gegenteil. Angesichts der politischen Trends dürfte die SPD verlieren, während die GAL an Sitzen zulegt. Und dann droht auch noch die Auseinandersetzung mit mehreren AfD-Stadträten. 5. Das Leben genießen

Mit bald 63 Jahren hat Starke noch genügend Power, um weiterzumachen. Aber das würde bedeuten, sechs Jahre durchzuhalten, bis er 69 ist. Stattdessen könnte er sich jetzt zurückziehen, zufrieden auf eine erfolg- wie arbeitsreiche Karriere als Anwalt und Politiker zurückblicken, weiter als Bezirksrat wirken und je nach Laune noch für den Stadtrat kandidieren. Und seine Kraft verwenden, um Tennis zu spielen, Rad zu fahren, die Zeit mit der Familie zu genießen und wieder ungestörter am Rondo Kaffee zu trinken.

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