LKR Bamberg
Muttertag

Warum für Pit seine Mutter die beste ist

Als Kinder mussten Pit und sein Bruder Jürgen viel entbehren, aber Inge Aghakhan schaffte es, ihnen unvergesslich schöne Erlebnisse zu bescheren.
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Sind einander herzlich zugetan: Pit und seine Mutter IngeFoto: Ronald Rinklef
Sind einander herzlich zugetan: Pit und seine Mutter IngeFoto: Ronald Rinklef

"Meine Mutter?", fragt Pit, sieht kurz zu der flotten blonden Frau neben ihm, grinst sein typisches Pit-Grinsen und gesteht: "Sie bedeutet mir sauviel!" Eine Liebeserklärung also. "Ich steh' immer voll hinter ihnen", macht wiederum die 68-Jährige deutlich und meint damit den 37-jährigen Pit und seinen ein Jahr älteren Bruder Jürgen.

Pit muss dann lachen, weil er noch lebhaft in Erinnerung hat, wie ihm die Mutter Rückendeckung gab: Da war zu Schulzeiten; er hatte mit einem Schneeball eine Scheibe eingeworfen. Die Polizei brachte ihn heim und wurde von Inge Aghakhan mit den Worten empfangen: "Lasst meinen Buben in Ruh', Verbrecher sind andere", und hat die Türe zugeworfen. "Mutter, das hast du klasse gemacht," habe er das damals kommentiert - "und schon hab' ich a Schelln gehabt", grinst Pit. "Aber nicht vor der Polizei", betont seine Mutter.

"Die passt schon, sie redet nur ohne Punkt und Komma", zwinkert er. Ihm ist auch noch eine andere Begebenheit präsent, die sein Verhältnis zur Mutter verdeutlicht. In der Schule war Wandertag und die Eltern sollten mit. Doch beide waren berufstätig. Daraufhin hatte der Junge abends bitterlich geweint. Was die Mutter so traf, dass sie alles in Bewegung setzte, den Chef anrief, und dann doch noch mitwandern konnte.

Die Trennung der Eltern hatte die Familie seinerzeit sehr getroffen. Alle hingen aneinander, aber aus komplizierten Gründen blieb keine andere Möglichkeit. Inge Aghakhan war in Folge alleinerziehend, musste sich und die beiden Jungs durchbringen. Eine harte Zeit. Geld war mehr als knapp. An Urlaube oder große Geschenke war nicht zu denken, und doch gelang es der Mutter, für bleibende schöne Erinnerungen zu sorgen. "Die Waldweihnacht", hat Pit spontan vor Augen. Mit befreundeten Familien, denen es ähnlich ging, zog man mit Laternen in den Wald.

Den schmückten alle mit selbstgebastelten Lichterketten und dann wurde mitgebrachtes Essen verspeist. Den Tieren bescherte man Futter und sang zum batteriebetriebenen Radio. Inge Aghakhan las die Weihnachtsgeschichte vor.

Nach der Insolvenz ihres Arbeitgebers stand sie vor dem Nichts, kehrte dann in ihren ersten Beruf Frisörin zurück, machte da sogar den Meister. Sie war also schwer beschäftigt. Aber viele von Pits Freunden hatten auch getrennte und berufstätige Eltern. "Wir waren viel draußen, haben viel mit einander unternommen, haben einander geholfen." Wann immer sie es schaffte, hat seine Mutter dann noch gemeinsame Feste organisiert. Die Freundschaften haben gehalten. Bei allen ist seine Mutter auch heute noch "die Inge", die mit großem Hallo begrüßt wird. Das gefällt dem Rolfing-Physiotherapeuthen, der seit einem Jahr in Bamberg eine Praxis hat - in der ihn die Mutter nach Kräften unterstützt.

"Das hält mich jung", sagt die 68-Jährige und ist mächtig stolz auf ihren Sohn, dass er sich so etwas aufgebaut hat, nachdem er vor Jahren herausgefunden hatte, dass Großhandelskaufmann wohl weniger seine Bestimmung ist. Seit einem Jahr ist Pit verheiratet. Mit der Schwiegertochter versteht sich Inge Aghakhan prima.

"Ich bin echt dankbar, dass ich noch 'ne Mutter habe", sagt Pit, denn etliche seiner Freunde haben keine mehr. Ihm gefällt, dass Inge Aghakhan so gesellig, so aktiv ist, dass sie auf Menschen zugeht, "jeder kennt sie". Ach, eigentlich kann er es doch sagen: "Ja, meine Mama ist die Beste." Warum noch? Pit lacht. "Weil sie das beste Essen macht", und dann fängt er an aufzuzählen, was dauert.

Worauf ist die Mutter stolz? "Dass Pit ehrlich ist, dass er gerade in der heutigen Zeit Mitgefühl für seine Mitmenschen hat. Ich bin stolz, dass er ein anständiger und aufrichtiger Mensch ist." Sie liebt ihre Söhne, keine Frage. Und umgekehrt; wohl schon immer.

Das zeigt eine andere Begebenheit, welche beide schildern. Die Mutter schnitt den Söhnen immer die Haare. Bei Pit einmal nicht so, wie er es in Auftrag gegeben hatte. Pit war so enttäuscht, dass er sich einsperrte und rief: "Ich lieb' Dich nicht mehr." Das dauerte aber nur einen Abend.

Bunte Blümchen

Was wünscht sich Inge Aghakhan zum Muttertag? "Nichts, ich hab' doch alles." Freilich gibt's ein paar Blümchen. "Sie mag alle Blumen, schön bunt", weiß der Sohn. Dann kramt sie ein vergilbtes DIN A-4-Blatt hervor. "Das hat mit mir Pit in der ersten Klasse zum Muttertag gemacht." "Meine liebe Mutter", steht da in bunter akurater, krakeliger Kinderschrift, "ich wünsch' Dir Glück und Fröhlichkeit".... und "... ich will dir Freude machen." Da wird die quirlige Dame ganz ruhig und grinst, fast ein wenig ein Pit-Grinsen, wie's scheint. Bevor's zu rührselig wird, packt Pit seine Mama auf die Behandlungsfläche und widmet sich ihrem Nacken.

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