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Umwelt

Warum "Fenster auf und raus damit" nicht geht

Gedankenlosigkeit summiert sich: zu Müll, der sich am Straßenrand häuft und wenn der Wind alles weiterbläst, zum Mehraufwand in Wiese und Acker.
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Einfach so mal weggeworfen - und im Gras gelandet. Da gehört die Packung wirklich nicht hin!.Foto: Anette Schreiber
Einfach so mal weggeworfen - und im Gras gelandet. Da gehört die Packung wirklich nicht hin!.Foto: Anette Schreiber
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Papier verrottet wenigstens noch. Diese Feststellung trifft Dieter Heberlein, Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Bereich Bamberg/Forchheim. Gefährlich werden können Scherben von achtlos aus dem Auto geworfenen Flaschen. Wenn sie ins Futter - Heu oder Silage - geraten, kann das für das Tier und den Landwirt schlimme Folgen haben.
Besonders häufig entsorgen Autofahrer Müll im Bereich von Einmündungen in höhere Straßen, wenn sie also warten müssen.

"Im hohen Gras sammelt sich da schon was an," so seine Beobachtungen. Froh ist er, wenn sich in solchen Bereichen wenigstens Gräben und Böschungen befinden, die für einen gewissen Müll-Puffer zu den landwirtschaftlichen Flächen sorgen.

Trotzdem, der Müll kann da nicht bleiben und muss entsorgt werden. Je nach Art der Straße sind dann verschiedene Behörden zuständig: Für Gemeindestraßen die Gemeinde, für Staats- und Bundesstraßen das Staatliche Bauamt und für Kreisstraßen der Landkreis, im Falle des Bamberger Landkreises dessen Kreisbauhof.

Der hat insgesamt 30 Mitarbeiter, die sich um 55 Kreisstraßen mit summa summarum 293 Kilometern zu kümmern haben. Einmal im Jahr werden hier turnusgemäß im Frühjahr die Randstreifen sauber gemacht, das heißt Müll vom Straßenbegleitgrün gesammelt. Drei Wochen lang ist ein vierköpfiges Team damit beschäftigt, führt Matthias Meister, Stellvertretender Kreisbauhofleiter an. Bei Bedarf gibt es auch Sondereinsätze, wenn die Streckenkontrolleure auf besondere Vermüllung, beispielsweise nach Veranstaltungen, gestoßen sind.

Der Kreisbauhof mulcht und mäht auch entlang den Kreisstraßen. Im Gegensatz zu anderem Grüngut kann das an den Straßen nicht einfach so in die Kompostierung oder Grünanlage, sondern muss vom Entsorgungspartner zuvor gesondert behandelt werden. Was entsprechenden Mehraufwand und Kosten zur Folge hat.

Dass das Müllsammeln nicht unbedingt zu den Lieblingstätigkeiten gehört, zeigen die Schilderungen von Bauhofmitarbeiterin Julia Pfister, die im Zuge einer ersten Ausbildung hier mit den Trupps unterwegs war: Flaschen, Plastikdosen, Kaugummipäckchen , Coffee-to- go-Becher und Fastfood-Tüten.

Letzteres in den Bereich nach Fastfood-Einrichtungen, in denen der Tüteninhalt verzehrt ist, so Meister. Zu den Müllaktionen der Mitarbeiter erklärt er, diese Arbeitszeit würde er gerne für sinnvollere Tätigkeiten nutzen. "Wir haben Wichtigeres zu tun." Wenn es nur jeder so machen würde, wie daheim, da räume man schließlich auch auf.

Was sagt eigentlich die Polizei so zu dieser Wegwerfmentalität im Straßenverkehr? "Geht gar nicht, dass man Müll aus dem Fenster wirft" und es ist alles andere als erlaubt. Wenn eine Streife derartiges sehe, schaue die Beamten nicht weg, macht Markus Dotterweich, Sprecher der Polizeiinspektion Bamberg-Land, deutlich. Es handle sich schließlich um eine Ordnungswidrigkeit und dafür gebe es eine Anzeige, die dann über das Landratsamt Bamberg weiterverfolgt und entsprechend geahndet werde. Ganz abgesehen davon, dass die Kollegen den Müllrowdy in die Pflicht nehmen, er seine Hinterlassenschaften also gleich ordnungsgemäß entsorgen und somit wieder mitnehmen muss.

Schön wäre es, wenn alle das auch tun würden, kann BBV-Kreisobmann Edgar Böhmer da nur sagen. Er kennt die zunehmende Rücksichtslosigkeit so mancher Zeitgenossen und hat auf seinen Flächen bei Medlitz schon allerhand Kurioses entdeckt. "Was bleibt uns anderes übrig, als die Sachen mit nach Hause zu nehmen und selbst zu entsorgen. In besonders unangenehmer Erinnerung sind ihm die alten Autoreifen.

Daneben bescheren Böhmer Überschwemmungen im Itzgrund immer wieder Überraschungen, die dann zum Vorschein kommen, wenn das Hochwasser erst einmal wieder zurückgegangen ist. Das bedeutet Mehraufwand, den er natürlich in keinster Weise vergütet bekommt. "Aber ich kann die Sachen ja nicht liegen lassen." Größere Plastikteile würden die Wiese darunter ersticken. Bei anderen größeren Teilen wiederum besteht die Gefahr, dass Maschinen dadurch Schaden nehmen.
Kaum verhindern lässt sich dagegen, dass kleinere Plastikteilchen mit ins Futter gelangen. "Die lassen die Kühe zum Glück meist liegen." Aber auch dann müssen sie wieder eigens entsorgt werden.

Manche Teile werden auch einfach zerdrückt und eingearbeitet, wieder andere würden im Laufe der Zeit verrotten, erklärt der BBV-Kreisobmann. Letztendlich hätten sie aber auf landwirtschaftlichen Flächen nichts zu suchen.

Eigens großangelegte Sammelaktionen wiederum seien ein zu großer Aufwand und nicht zu leisten. So bleibe letztlich nichts anderes, als an die Vernunft der Menschen zu appellieren, damit sie ihren wie auch immer gearteten Müll ordentlich entsorgen.

KOMMENTAR:

Ja, ich gebe es zu, ich habe mit Begeisterung Dinge aus dem Autofenster herausgeworfen und im Fahrtwind verschwinden lassen. Papiertaschentücher vorzugsweise. Das war in der Grundschulzeit. Später wuchs das Umweltbewusstsein und Lehrer brachten uns bei, dass mit aus dem Fensterwerfen die Entsorgung nicht erledigt war. Und dass genau deswegen irgendjemand anderer diese Sauerei beseitigen muss und dabei ganz sicher keinerlei Spaß empfindet.
Dann war ich in Amerika und stieß auf Schilder, die einem den Gedanken ans Rauswerfen ordentlich verleideten - einige Tausend Euro wurden pro Wurf fällig, wenn man dabei erwischt wurde. Die Lektion versuchte ich ohne Geldeinsatz zu lernen. Leider wird ein US-Import stark missverstanden: To-Go-Menüs und Getränke. Sind keine To-Throw-Sachen, deren Verpackung man also einfach so wohin wirft. Welcher Art auch immer, selbst verursachter Müll muss auch selbst und ordentlich entsorgt werden. Wie daheim. Hoffentlich.


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