Bamberg
Adventskalender

Das einzige seiner Art in Bamberg: Warum ist das Straßenschild der Kasernstraße rot?

Ein Straßenschild zwischen der Kasernstraße und dem Leinritt gibt einige Rätsel auf. Jutta Behr-Groh geht auf Spurensuche.
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Warum das Schild hier wohl rot ist?  Foto: Mike Durlacher
Warum das Schild hier wohl rot ist? Foto: Mike Durlacher
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Dass dieses Straßenschild, das unscheinbar an der Hausecke zwischen der Kasernstraße und dem Leinritt hängt, etwas Besonderes ist, wird, wenn man es denn entdeckt, auf den ersten Blick deutlich. Denn Straßenschilder sind meistens blau. Das mit der Aufschrift Kasernstraße ist aber anders: "Die Schriftart ist zwar dieselbe, allerdings ist das Schild rot", beschreibt Jutta Behr-Groh, die mehr als 40 Jahre lang für den Fränkischen Tag gearbeitet hat, die Besonderheit des Emaille-Schilds. "Es ist das einzige Schild dieser Art in Bamberg."

Wie es dazu kam, dazu gibt es mehrere Theorien, denn harte Fakten lassen sich nicht auftreiben. Wer schon einmal in Mainz war, weiß, dass dort alle Straßen, die zum Rhein führen, rot beschildert sind, alle Straßen, die parallel zum Rhein verlaufen, hingegen blau. Die Kasernstraße führt zwar nicht zum Rhein, aber zur Regnitz hin. Das wurde also passen.

"Wenn es dieses System auch in Bamberg gegeben hatte, waren sicher mehr rote Straßenschilder erhalten oder es wäre bekannter", mutmaßt Jutta Behr-Groh. Hat es dann vielleicht, wie in Freising oder in Erfurt, damit zu tun, dass die Stadtfarben für das Straßenschild verwendet wurden? Denn Bambergs Farben sind Rot und Weiß.

"Auch hier gäbe es wieder dasselbe Gegenargument, es hatten sich mehr solcher Schilder erhalten müssen", gibt die ehemalige Lokalredakteurin zu bedenken. Dann wäre da noch der Name der Straße, Kasernstraße, der Aufschluss über diese Kuriosität geben könnte. Denn es wäre möglich, dass die Farbe des Schildes mit dem ehemaligen Dominikanerkloster auf der anderen Straßenseite zusammenhängt. Dieses wurde nach der Säkularisierung 1803 dem Militärärar, der den Besitz und das Vermögen des Militärs verwaltete, übergeben, der die Anlage in eine Kaserne umfunktionierte. "Als Garnisonsstadt hatte Bamberg natürlich immer viele Soldaten", erzählt Jutta Behr- Groh.

Spur nach Frankreich

Und auch französische Soldaten waren hier während der Napoleonischen Kriege in einem Lazarett untergebracht. Bei den Franzosen war es mitunter üblich, dass die Straßen, in denen die Regimenter stationiert waren, in den Regimentsfarben gekennzeichnet wurden, damit die ortsunkundigen französischen Soldaten ihre Unterkunft leichter finden konnten. Wenn das Schild wirklich so alt ist, wäre das eine durchaus denkbare Erklärung.

"Leider gibt es nirgends Akten oder dergleichen, warum gerade hier ein rotes Schild hängt", bedauert die Bambergerin. Ob ihre schlüssigen Überlegungen zutreffen oder nicht, bleibt ein Geheimnis. Und irgendwie ist das ja auch schön: dass es Relikte gibt, die ihre Geschichte nicht bis ins letzte Detail preisgeben.

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