Burgebrach
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Warum diese Stühle für Burgebrach wichtig sind

Pfarrer Michael Schütz bewies Mut und stellte sich den Nazis entgegen. Das wird in einem Zimmer gewürdigt, das einen Bezug zur Gegenwart schafft.
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Diese Stühle standen im Arbeitszimmer des geschätzten, 1963 verstorbenen Burgebracher Pfarrers Michael Schütz. Sie kommen in ein Zimmer, das im Pfarrhaus an ihn und sein Wirken - als mutiger Widerständler in der NS-Zeit- erinnern sollen. Foto: Matthias Hoch
Diese Stühle standen im Arbeitszimmer des geschätzten, 1963 verstorbenen Burgebracher Pfarrers Michael Schütz. Sie kommen in ein Zimmer, das im Pfarrhaus an ihn und sein Wirken - als mutiger Widerständler in der NS-Zeit- erinnern sollen. Foto: Matthias Hoch
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Pfarrer, Kirchenpfleger und Bürgermeister nehmen vorsichtig zwei alte Eichenstühle aus dem Arbeitszimmer des einstigen Geistlichen Rates Michael Schütz in ihre Hände."Pfarrer Schütz". Das ist in Burgebrach ein Name, der auch heute noch mit großer Ehrerbietung ausgesprochen wird. Selbst vom aktuellen Bürgermeister Johannes Maciejonczyk, der den Geistlichen Rat und Dekan selbst nie kennen gelernt hatte. Einfach deshalb, weil der Pfarrer weit vor seiner Geburt, und konkret 1963 gestorben war. Aber noch immer steht Pfarrer Schütz für das, was im Markt Burgebrach präsent und gerade heute so wichtig ist wie es ab 1933 war: Pfarrer Michael Schütz leistete mutig und entschlossen Widerstand gegen erstarkende Natzionalsozialisten und scheute sich auch nicht davor, während des Dritten Reiches von der Kanzel herunter gegen sie zu predigen.

Da stehen der Bürgermeister und sein Marktgemeinderat wohl in guter Pfarrer-Schütz-Tradition, wenn dem Oberhaupt der Marktgemeinde die Plakatierung des Dritten Weges ein Dorn im Auge ist. Es hätte dem geschätzten Geistlichen wohl gefallen, was der Bürgermeister da so heftig kritisiert: "Dass rechtsextreme Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, ganz unverhohlen auch bei uns für die Europa-Wahlen plakatieren."

Genau deswegen sei das Gedenken an Pfarrer Schütz gerade in der heutigen Zeit wichtig, findet der Bürgermeister.

So passt es gut, dass Ortspfarrer Bernhard Friedmann mit einer Bitte an die Marktgemeinde herangetreten ist: Das Pfarrhaus hatte seit zehn Jahren - mit Ausnahme des Pfarrbüros - leergestanden. Als es dann an die nun laufende Sanierung ging, und das Gebäude dafür ausgeräumt wurde, stieß man auch auf Möbel aus dem Arbeitszimmer (Studierzimmer) von Pfarrer Michael Schütz.

Für Pfarrer Friedmann und den damaligen Kirchenpfleger Reinhold Hense hatte da sofort festgestanden, dass man diese Stücke keinesfalls wegwerfen dürfe. Rekapituliert der aktuellen Kirchenpfleger, Burgebrachs langjähriger Bürgermeister Georg Bogensperger.

Was also tun? Aufheben, herrichten und dann der Öffentlichkeit zugänglich machen. "Unter anderem um zu zeigen, dass Pfarrer Schütz und das, wofür er steht, auch heute noch einen würdigen Platz in der Gemeinde hat", so Johannes Maciejonczyk. "Rechtsextremes Gedankengut hingegen hat keinen Platz in Burgebrach", bringt er es auf einen Nenner.

Maciejonczyk ist sich sicher, dass der Marktgemeinderat auch einen Zuschuss für das Michael-Schütz-Zimmer im Pfarrhaus (an dessen Sanierung sich die Gemeinde großzügig beteiligt) befürwortet.

Dieses soll übrigens in wenigen Wochen fertig hergerichtet sein. Das Zimmer wird im bis dahin ungenutzten und nun auch als Archiv ausgebauten Dachgeschoss entstehen, mit den Blick auf St. Vitus.

Derzeit befinden sich die Pfarrer-Schütz-Möbel noch in der Gemeinde, bei Restaurator Wolfgang Schlicht im Gemeindeteil Oberharnsbach.

Wie man Pfarrer Schütz künftig durch sein spezielles Zimmer gerecht wird, also die Ausgestaltung mit Infomaterial, wird noch im Detail zu klären sein. Sicher dürfte dabei sein, dass sein bekannter Ausspruch "Meine Predigten sind keine Blumensträuße" für die Nachwelt entsprechend zur Geltung gebracht werden wird.

"Pfarrer Schütz war ein sehr mutiger Mann", lässt der Bürgermeister bewundernd wissen. Freilich hatte er auch Humor und bezeichnete sich selbst immer Burg-, Berg- und Bauernpfarrer.

Der Pfarrer und sein Spitz

Pfarrer Friedmann, der seit zehn Jahren in Burgebrach wirkt, hat inzwischen auch etliche nette Geschichten über Schütz gehört: Etwa vom Spitz des Pfarrers, der die Sünden gefressen hat. Deshalb, weil er beim Pfarrer am Sofa saß und die heruntergefallenen Beichtzettel vertilgte. Freilich wurden die Sündenzettel vorher von der Pfarrhaushälterin Marie überprüft. "Des kannst sagen", lautete dann die Freigabe der Pfarrhaushälterin, erinnert sich Bogensperger schmunzelnd. Bei einer Beichte hatte man sich einmal gewundert, dass Pfarrer Schütz so gar nicht reagiert hatte, bis man merkte, dass nur der ebenfalls weißschopfige Spitz im Beichtstuhl gesessen hatte. Burgebrach amüsiert sich auch heute noch.

Am prägnantesten war freilich das außergewöhnliches Interesse des Geistlichen am politischen Geschehen und ganz speziell an der Parteipolitik. Bereits vor 1933 verfasste Michael Schütz Brandbriefe, in denen er die Bevölkerung vor der Gefahr, die von Hitler und der nationalsozialistischen Partei ausging, warnte.

Während des Dritten Reiches war Pfarrer Schütz er als einer der streitbarsten Gegner der NSDAP bekannt. Er wurde mehrmals verhaftet. Wogegen die Burgebracher heftig protestierten, wie Bogensperger aus Überlieferungen weiß. Dass Schütz nicht in ein Konzentrationslager deportiert wurde, hatte ihm zufolge damit zu tun, "dass die Burgebracher Bevölkerung in besonderer Weise hinter ihm stand."

Pfarrer Schütz blieb zeitlebens politisch interessiert und engagiert. So ging es ihm nach dem Krieg um die Wiederbelebung der demokratischen Parteienlandschaft. Deswegen stand er in engem Austausch mit dem damaligen Landrat Thomas Dehler. Schütz wurde aber auch selbst aktiv und gehörte so zu den Gründungsmitgliedern des CSU-Ortsverbands Burgebrach. "Er half, die politische Kultur wiederzubeleben", würdigt Johannes Maciejonczyk den ebenso politischen wie mutigen Pfarrer. Da passe es in die Zeit und die Tradition der Marktgemeinde, dass Burgebrach sich heute in Sachen Dritter Weg ganz klar positioniere - und so das Wirken des Widerstandskämpfers dauerhaft ins Gedächtnis rufe - durchaus als Mahnung.

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