LKR Bamberg
Bestattungskultur

Warum die Urne auf dem Vormarsch ist

Die Kreisfachberaterin für Landschaftspflege, Claudia Kühnel, schildert und erklärt die wesentlichen Veränderungen.
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Rund um diesen Baum werden in Hallstadt Urnen beigesetzt, Verstorbenen-Namen lassen sich auf dem Stein anbringen.Foto: Stadt Hallstadt
Rund um diesen Baum werden in Hallstadt Urnen beigesetzt, Verstorbenen-Namen lassen sich auf dem Stein anbringen.Foto: Stadt Hallstadt

"Wo? Am liebsten unter einem Baum." Claudia Kühnels Jüngster hatte vorsorgehalber die Muter gefragt, wo und wie sie einmal bestattet werden möchte. Über das "Wie" hat sich die 55-Jährige noch nicht abschließend Gedanken gemacht. Das wird sich finden. Denn allein schon von Berufs wegen hat sie sehr oft mit und auf Friedhöfen zu tun - als Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landschaftspflege. Friedhöfe sind dem öffentlichen Grün zuzurechnen und so können auch Gemeinden die gelernte Baumschulgärtnerin und studierte Gartenbauingenieurin zu Rate ziehen.

Claudia Kühnel berichtet, dass Kommunen verstärkt etwa seit den letzten fünf Jahren auf den Trend reagieren, dass sich immer mehr Menschen nach ihrem Tod verbrennen lassen. In Hallstadt, so weiß sie aus ihrer Arbeit dort, hat mit diesem Jahr die Zahl der Erdbestattungen mit den Urnenbestattungen gleichgezogen.

Die Kreisfachberaterin weiß, welche große Bedeutung der Friedhof in einem Ort hat: "Er gehört zu dessen Gesicht." Friedhöfe sind zudem Treffpunkt, Kommunikationszentren und es geht hier generell um ganz viel Emotionales. Deswegen schlagen bei Neugestaltungen oft auch die Wogen hoch.

Alle Formen der Urnenbestattung

Sie nennt als ein von Anfang an sehr gelungenes Beispiel Hallstadt. Hier hat sie erlebt, wie man sehr offen an die Neugestaltung für Urnenbestattungen herangegangen ist und deswegen nun so gut wie alle Formen anbieten kann: "Das ist bilderbuchmäßig durch alle Instanzen gelaufen", für die praktische Umsetzung sei von Beginn an auch der Bauhof eingebunden gewesen, was sich als großer Vorteil erwiesen habe. Nach der Erweiterung der fast schon klassischen Urnenwand bis zum fertig angelegten Ossarium, in dem man einfach einen Platz kauft und die Pflege erledigt wird, oder der Bestattung unter einem besonderen Baum, also im Baumbestattungsfeld kann die Stadt nun ein breites Spektrum an Urnenbestattungsformen ermöglichen.

Mit der Zunahme der Urnenbestattungen verändern sich auch die Friedhöfe: In den älteren Teilen werden immer mehr größere und Familiengräber aufgelassen, was bisweilen "wie Zahnlücken" anmutet. Auch dafür wird es Lösungen brauchen, prognostiziert sie. Menschen, die sich für eine Urnenbestattung und eventuell noch eine anonyme (wo man also nicht weiß, wo genau die Urne des Verstorbenen beigesetzt ist) entscheiden, wollen meist den Hinterbliebenen keine Arbeit aufbürden. Dabei werde jedoch vergessen, dass "Trauer einen Ort" braucht. Wo man auch etwas niederlegen kann. Das macht es bei manchen Urnenbestattungsstätten schwer. "Dann werden irgendwo Lichter oder Blumen hingelegt, was soll der Gärtner machen, der sich um die Pflege der Wiese kümmern muss, wer entscheidet, was wegkommt?", verdeutlicht Kühnel eine Problematik und das Bedürfnis der Angehörigen, den Verstorbenen in irgendeiner Form zu würdigen.

Um Würde in der weiteren Form geht es in einem anderen Aspekt: Was geschieht mit der Urne nach Ende der Ruhefrist, in einer Urnenwand oder in Stelen? Schließlich gehe es dabei um den pietätvollen Umgang mit den sterblichen Resten eines Menschen. Auch hier sei Hallstadt wieder beispielgebend: Die Stadt hat eine große Gruft, in welche derartige Urnen kommen. Claudia Kühnel spricht sich für verrottendes Material bei Urnen aus. "Dann geht man wieder in das auf, als das man gekommen ist", bemüht sie eine religiöse Anspielung. Auf Konfession und Religion führt sie übrigens auch den Wandel hin zu mehr Urnenbestattungen zurück: Einerseits, weil Religion bei jungen Leuten wohl nicht mehr die Bedeutung wie bei vorherigen Generationen hat.

Insbesondere für Katholiken sei es kaum denkbar gewesen, sich verbrennen zu lassen: Man glaube ja an die Auferstehung von Leib und Seele. Genau deswegen hatten sich vor Jahrhunderten, als Städte und Orte noch nicht so bevölkerungsstark waren, Adelige und Betuchte möglichst nahe bei dem Allerheiligsten und damit in Kirchen bestatten lassen, "um möglichst nahe an der Himmelsleiter zu sein".

Die restliche Bevölkerung ließ sich dann um die Gotteshäuser herum in den Gottesäckern beerdigen. An Äcker erinnern demnach eher Friedhöfe auf dem Land, die mit Zunahme der Bevölkerung an den Ortrand wanderten. Parkähnlichere Friedhöfe entstanden in den Städten im 19. Jahrhundert. "Grüngestaltung hilft bei Trauerarbeit", ist sie überzeugt. Vogelgezwitscher, Licht und Schattenspiele auf sich wirken zu lassen helfe wohl, eher, als über ein Blatt auf der schönen schwarzen Graberde zu lamentieren. Die Zunahme neuer Bestattungsformen bietet ihr und den beiden weiteren Kreisfachberatern jedenfalls zahlreiche weitere Aufgaben. Welche Form Claudia Kühnel auch einmal wählen wird, ihr Sarg soll ganz einfach sein und schnell verrotten, das weiß sie schon jetzt.

Sterben ist kompliziert. Vor allem für die Hinterbliebenen, die sich darum kümmern müssen, wie und wo der Verstorbene seine letzte Ruhe findet. Das zeigt das Gespräch mit Bestattermeister Sebastian Schunder. Denn alles ist irgendwie eine Frage des Geldes und des Ortes, beides hängt zusammen.

Für die einfachen Dienste eines Bestattungsunternehmens ist man mit zwischen 1500 und 2500 Euro dabei. Aber dann wird es schon kompliziert. Ruhefristen hängen von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit eines Friedhofes ab, so der Experte. Bei sandigem Untergrund ist sie meist kürzer, so etwa zehn, zwölf Jahre; bei lehmigem kann sie schon bei 30 Jahren liegen, ein Beispiel: Ampferbach. 30 Jahre dauert es dort, bis im Grab keine sterblichen Überreste mehr sind.

Auch in Merkendorf sind es 30 Jahre, wie die FT-Umfrage ergab. Dagegen hat Memmelsdorf mit acht Jahren wohl mit die kürzesten "Asche-Ruhezeiten".

Was ist mit Urnen? Metallurnen werden nach Ablauf der Ruhefrist anonym im Friedhof beigesetzt. "Aber es kommt eher selten vor, dass nicht verlängert wird", sagt der Fachmann.

Die Ruhedauer ist ein wichtiger Aspekt, fallen doch jährliche Gebühren an. "Die sind in der Friedhofsatzung geklärt wie alle weiteren Kosten", so Schunder. Jeder Friedhof hat eine Satzung. Politische Gemeinden oder auch Kirchen fungieren als Friedhofsträger. "Meistens wird man da bestattet, wo man gelebt hat," denn nicht alle Friedhöfe bestatten Auswärtige, "und wenn dann ist das oft teurer".

Apropos Geld, was ist teurer, eine Erdbestattung oder eine Urnenbestattung? Meist laufe es aufs Gleiche hinaus und hänge davon ab, ob man beispielsweise schon eine Grabstätte hat, oder ob eine angelegt werden muss. Wenn bereits ein Grab vorhanden ist, halten sich beide Bestattungsarten die Waage. Die Gebühren im Landkreis Bamberg reichen von zehn bis etwa 60 Euro pro Jahr, weiß der Experte, dessen Familie in vierter Generation als Bestatter aktiv ist und neun Niederlassungen im Landkreis betreibt. Warum gibt es diese Unterschiede bei den Gebühren? "Mit Friedhöfen darf kein Gewinn gemacht werden, deshalb dürfen nur die tatsächlich anfallenden Kosten umgelegt werden, und die sind eben überall unterschiedlich."

Auf die Frage nach Trends spricht der 31-Jährige ganz klar von dem hin zur Urne beziehungsweise Sonderformen, wie Seebestattung oder die im Friedwald. Wofür aber jeweils eine Kremation (Verbrennung) vorausgesetzt ist. "Das hat sich etwa in den letzten 20 Jahren so entwickelt", sagt er. Der Grund: die Grabpflege. Früher kein Thema, da lebte die Familie am Ort und blieb es. "Heute sind die Kinder in ganz Deutschland verstreut, was Pflege schwierig macht." Manche Friedhöfe bieten halbanonyme Bestattungen: Da ist man in einer gemeinschaftlichen Anlage beigesetzt, aber die genaue Stelle nicht ausgewiesen. Die Grabpflege übernimmt der Friedhofsträger.Wie kann man sicherstellen, so bestattet zu werden, wie man es sich wünscht? In einem Bestattungsvorsorgevertrag. Der wird dann bei der Bundesnotarkammer ins Vorsorgeregister eingetragen, die Kosten liegen bei 19 Euro. Er gilt, auch wenn man selbst kein Geld für die Bestattung hinterlegt oder bezahlt hat. Hat der 31-Jährige sich eigentlich schon selbst festgelegt? "Noch nicht."

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