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Warum die Fliesen im Bamberger Bambados nicht halten

Trotz Fliesenschadens können die Stadtwerke das Bambados am 11. September eröffnen. Das bedeutet nicht, dass das Problem mit den Beckenböden beseitigt wäre.
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Das Wasser ist wieder drin im Erlebnisbecken des Bambados. Doch eine Entwarnung für die Zukunft gibt es nicht. Experten fürchten weitere Schäden.  Foto: Matthias Hoch
Das Wasser ist wieder drin im Erlebnisbecken des Bambados. Doch eine Entwarnung für die Zukunft gibt es nicht. Experten fürchten weitere Schäden. Foto: Matthias Hoch
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Die gute Nachricht zuerst: Bambergs Familien- und Sportbad Bambados eröffnet wie geplant am 11. September. Nach sieben Wochen Revisionspause hat es der Bäderbetrieb noch rechtzeitig geschafft, die großen Becken wieder zu füllen, so dass die ersten Schwimmer am kommenden Montag ihre Bahnen ziehen können. Die schlechte Nachricht: Der Ärger um die Fliesen ist wohl noch nicht ausgestanden.


Überraschendes Schadensbild

Ungeklärt ist auch, wer die Kosten übernimmt, die durch die Ausbesserungsarbeiten im Sommer entstanden sind. Nach Angaben der Stadtwerke handelt es sich um rund 22000 Euro, mit deren Begleichung sich nun Juristen befassen. Die Arbeiten waren unumgänglich, nachdem beim Ablassen des Wassers aus dem großen Becken Ende Juli wieder eine große Zahl von Fliesen zu wackeln begann oder sich löste. Es blieb nichts anderes übrig, als sie auszutauschen, um die Sicherheit der Badegäste zu garantieren.

Das Bemerkenswerte am Schadensbild im Bambados: Es beschränkt sich nicht nur auf das große Becken, und es ist nun bereits zum zweiten Mal aufgetreten. Schon 2014 hatte das Hallenbad damit Schlagzeilen gemacht, dass die Fliesenböden im 50-Meter-Becken ausgetauscht werden mussten. 2015 war dann das kleinere Erlebnisbecken mit einer flächigen Sanierung an der Reihe. Auch hier hat sich der gerade mal vier Jahre alte Fliesenboden vom Untergrund gelöst.

Was sagt Hans-Jürgen Drescher, Obermeister der Fliesenleger-Innung Bamberg-Forchheim, zu den Ursachen des Fliesendesasters? Das neue Bamberger Hallenbad war im Dezember 2011 unter großem Zeit- und Kostendruck eröffnet worden. Glaubt man Drescher, hatten damals Subunternehmen die Fliesenarbeiten übernommen, die offenbar nicht über die nötige Qualifikation verfügten, die eine heikle Arbeit wie das Kacheln eines Beckenbodens erfordert. Unter anderem seien die Fliesen nicht richtig in den Kleber gedrückt worden oder der Kleber hatte nicht das richtige Mischungsverhältnis, sagt er.

Offensichtlich sei, dass die ersten und vor allem die zweiten Arbeiten nicht ausreichend überwacht worden seien. Die Bauleitung habe versagt. Zudem hätten die Beckenböden bereits bei der ersten Erneuerung zwei bis drei Monate lang austrocknen müssen, um ein erfolgversprechendes Neufliesen zu ermöglichen. Badebetrieb wäre dabei nicht möglich gewesen.

Nun stellt sich die Frage, wie es um die Haltbarkeit der noch nicht ausgetauschten Restflächen bestellt ist. Werden die Fliesen im Bambados zur Dauerbaustelle? Das kann derzeit offenbar niemand ausschließen. "Wir sind alles andere als glücklich über die anhaltenden Reparaturarbeiten, sahen aber keine andere Möglichkeit als jetzt die Nutzbarkeit wieder herzustellen", sagt Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg.

Die Schadensbeseitigung im großen Becken des Bambados hat auf Wunsch der Stadtwerke die Firma von Obermeister Drescher übernommen, auch, da sie in der Lage war, im August das erforderliche Personal zu stellen. Rund 60 Quadratmeter Boden wurden in den vergangenen Wochen neu gefliest. Doch Entwarnung kann Obermeister Drescher nicht geben. "Die Haftzugwerte sind so niedrig, dass ich mir sicher bin: Auch der Rest der Fliesen wird nicht halten."


Kommentar des Autors:

Pleiten, Pannen, Peinlichkeiten

Gemessen am millionenschweren Defizit des Bambados sind die 22000 Euro Fliesenschaden nur ein Bruchteil.

Doch auch 22000 Euro sind viel Geld, wenn man weiß, dass das gleiche (den Bürgern gehörende Unternehmen) Buslinien ausdünnt, Öffnungszeiten bei Freibädern reduziert und bei Energiepreisen selbstverständlich nichts zu verschenken hat.

Und wieder einmal drängt sich die Frage auf, warum in einer Zeit mit so hoher Expertendichte so viel schief läuft? Oder ist es gerade ein Symptom unserer überladenen und vom Praktischen abgewandten Entscheidungsprozesse, dass nicht einmal Selbstverständliches mehr zu gelingen scheint.

Nicht alles dringt an die Öffentlichkeit und nicht immer läuft alles so harmlos wie bei den falsch herum eingebauten Konzerthallenstühlen. Manchmal verschlingt es Millionen wie bei den Brücken oder den abgesägten Rampen am Kanal.Nach sieben Jahren wird im Bambados bereits die dritte Fliesengeneration eingebaut. Welche Verschwendung von Geld, Zeit und Energie!

Kommentare (8)

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