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Warum das Schlenkerla auch in Zukunft WLAN-frei bleibt

Die neue Gesetzeslage macht es möglich: Immer mehr Kneipen in Bamberg bieten kostenlosen Internetzugang an. Manche verweigern sich dem Trend. Mit Kommentar.
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Drahtlos surfen  bei der Brotzeit -  im Schlenkerla müssen die Gäste auch in Zukunft drauf verzichten.  Fotos: Ronald Rinklef
Drahtlos surfen bei der Brotzeit - im Schlenkerla müssen die Gäste auch in Zukunft drauf verzichten. Fotos: Ronald Rinklef
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Hier fließt Bambergs berühmtestes Rauchbier in Strömen - doch, wer im Schlenkerla im weltweiten Netz surfen will, der wird schnell enttäuscht aufgeben. In der Bamberger Traditionsgaststätte gibt es kaum Netzempfang, und auch WLAN suchen die Gäste vergeblich.

Das Funkloch in Bambergs bekanntester Gaststätte wird sich wohl auch in nächster Zeit nicht schließen. Inhaber Matthias Trum steht dazu, dass im Schlenkerla die Kommunikation mit anderen Menschen auch im 21. Jahrhundert auf althergebrachte Weise erfolgen soll. "Ich finde es fürchterlich, wenn fünf Leute an einem Tisch sitzen und jeder glotzt in sein Handy", sagt der junge Verweigerer. Für ihn ist es die Geselligkeit, die die Menschen in einem Lokal pflegen sollten. "Wenn ich mit meinem Handy rumspielen will, kann ich mein Bier auch alleine trinken."

Freilich: Trum könnte auch in der Bamberger Altstadt bald schon zur Ausnahme werden. Seit der Gesetzgeber im Juni dieses Jahres die Betreiberhaftung von Hotspot-Anbietern abgeschafft hat, wächst auch hierzulande der Anteil der Gastronomen sprunghaft, der an internationalen Gepflogenheiten Anschluss finden will.


Nicht einmal ein Code ist nötig

"Internetzugang anzubieten, ist ein Service wie Leitungswasser", findet etwa Ralf Schmidtlein. Der Betreiber einer ganzen Reihe von Bamberger Restaurants hat die neue Gesetzeslage dazu genutzt, in allen seinen Gaststätten nun auch komplett freies WLAN anzubieten, zu dem der Zugang nicht einmal mehr ein Passwort benötigt. "Trend-Gastronomie ohne WLAN geht nicht mehr", ist Schmidtlein überzeugt.

Dennoch: Wenn die Quote derer, die kostenlosen Netzzugang anbieten, unter den Hunderten von Bamberger Kneipen und Gaststätten bei 50 Prozent liegt, dürfte das viel sein. Nicht wenige der heimischen Wirte hat bis zuletzt die rechtliche Unsicherheit abgeschreckt, die die sogenannte Störerhaftung bisher mit sich brachte.


Redet miteinander!

Das ist auch ein Grund, weshalb Florian Müller bisher darauf verzichtet hat, seinen Gästen im Bamberger "Ahörnla" das Surfen über sein Netz zu ermöglichen. "Als Wirt möchte man nicht dafür gradestehen, wenn illegale Downloads getätigt werden." Zudem sieht Müller freien Internet-Zugang nicht als zwingendes Qualitätsmerkmal einer gastronomischen Einrichtung an, die vor allem am Abend besucht wird.
Die meisten seiner Gäste hätten bisher keine Interesse angemeldet, sagt Müller. Und jene, vor allem ausländischen Besucher, die Roaming-Gebühren vermeiden wollen, weist eine Tafel an der Wand höflich, aber bestimmt und in englischer Sprache auf die Vorzüge einer WLAN-freien Zone hin: "Wir haben kein WLAN. Redet miteinander!"


Das Tal der Ahnungslosen?

Freiwilliger Verzicht - für das "Cafe Luitpold" am Schönleinsplatz ist das keine Alternative. Das Restaurant mit 120 Plätzen will weder eine Insel der Seligen noch ein Tal der Ahnungslosen sein und hat seinen Gästen bereits vor zwei Jahren einen codierten Zugang zum Netz eröffnet - freilich erst, nachdem sich Inhaber Michael Holen lange Zeit dagegen gewehrt hatte. "Ich habe mich gefragt, ob das wirklich nötig ist oder ob es nicht eher die Atmosphäre stört", bekennt Holen. Heute weiß er: "Es ist unabdingbar geworden. Wir haben von unseren Gästen immer mehr negative Rückmeldungen bekommen."

Jens Müller, Chef im Aposto unweit der Touristeninfo, wundert sich nicht über solche Erfahrungen, sondern eher darüber, dass man heute in Deutschland noch darüber reden muss. "WLAN - das erwarte ich einfach", sagt der 35-jährige Gastronom. Auch für ihn ist es selbstverständlich, Gästen, die mit dem Laptop in der Wirtschaft sitzen, die ihr Essen auf Instagram posten oder einfach mit entfernten Freunden und Verwandten Kontakt halten wollen, freien Zugang zum Netz zu gewähren - und das nicht über den Umweg eines soziales Netzwerks oder gar gegen Gebühr, wie es immer noch vorkommt.

Unkompliziert muss es sein und selbstverständlich kostenlos, sagt Müller. Seine Erfahrung: Das gefällt nicht nur den Jüngeren.

Kommentar des Autors:

So selbstverständlich wie Trinkwasser?

Es geht nicht nur um Restaurants. Die immer noch zu beklagende Vielzahl von Funklöchern im Jahr 2017 ist das Symptom einer deutschen Krankheit. Die Politik hat das Gemeinwohl jahrelang vernachlässigt und sich beim Netzausbau allein auf die freie Wirtschaft verlassen.

Die Folgen der neoliberalen Staatsdoktrin: Anschluss gibt es nur da, wo es sich rechnet. Die meisten Länder sind da weiter. Wer in Nepal durch den Himalaya wandert, findet auf 4000 Metern noch ultraschnelle 4- G-Verbindungen. Nicht zuletzt das hoch verschuldete Griechenland ist netztechnisch ein Vorbild. Auf Kreta gibt es selbst im hintersten Gebirgstal kaum eine Taverne, die ihren Gästen kostenlosen Netzzugang verwehrt.

In Deutschland muss man nun schon seit Jahren Geduld haben. Viel zu lange. Immerhin: Nach der Abschaffung der Betreiberhaftung ist das Thema auch in der Bamberger Gastronomie angekommen. Den Gästen Netz anzubieten - in der Touristenstadt ist das ein Akt der Höflichkeit, fast so selbstverständlich wie das Reichen von Trinkwasser.

Das muss nicht bedeuten, dass die Gesprächskultur vor die Hunde geht. Man kann sein Smartphone auch einmal wegstecken.
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