Bamberg
Bevölkerung

Warum Bamberg immer voller wird

Die Zahl der in Bamberg lebenden Ausländer ist bis Mitte 2018 auf über 12 000 gestiegen. An der Aufnahmeeinrichtung alleine liegt es nicht.
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Bamberg verzeichnet  jedes Jahr neue  Einwohnerrekorde. Das hat mit der AEO, aber auch mit der EU-Binnenwanderung zu tun.  Ronald Rinklef
Bamberg verzeichnet jedes Jahr neue Einwohnerrekorde. Das hat mit der AEO, aber auch mit der EU-Binnenwanderung zu tun. Ronald Rinklef
Es ist ein Höchststand in der jüngeren Geschichte Bambergs: Zum 30. Juni 2018 registrierte die Stadt Bamberg nach eigener Fortschreibung 77 423 Einwohner in Bamberg. Das ist eine Zahl, die noch vor nicht allzu langer Zeit als unvorstellbar erschien. Damals dümpelte die Stadt jahrelang bei 70 000 Bürgern. Doch nun gibt es immer neue Rekorde. Allein seit Anfang 2017 sind etwa 1900 Einwohner hinzugekommen.

In der Bamberger Politik war in letzter Zeit häufig von der Schwarmstadt Bamberg die Rede. Ein Begriff aus der Demographie, der ziemlich genau das Gegenteil einer Geisterstadt meint. Viele junge Leute, aber auch viele Ältere fliegen auf Bamberg. Die Kehrseite sind steigende Miet- und Wohnungspreise, überlastete Straßen und Kitas. Baureferent Thomas Beese rechnet derzeit mit etwa 1000 neuen Einwohnern pro Jahr, für die ausreichend Wohnungen geschaffen werden müssten.
Doch es gibt noch einen weiteren Trend, der aus der Statistik hervorgeht: Die gesellschaftliche Struktur Bambergs ändert sich mindestens so rasch wie die Einwohnerzahl. Konkret: Die Ausländerzahl hat sich in den vergangenen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Bamberg wird immer bunter und internationaler. Mitte des Jahres 2018 betrug der Ausländeranteil immerhin 15,5 Prozent, 2012 lag er noch bei acht Prozent.

Das hat vor allem mit der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) zu tun, deren Bewohner zum 1. Juli 2016 nach dem Meldegesetz zu den Einwohnern Bambergs hinzugeschlagen wurden. So kam es, dass sich der Zuwachs in diesem Jahr auf 2369 Einwohner addierte, darunter 280 Deutsche. Ebenso wuchs die Zahl der syrischen Gemeinde in Bamberg auf bis zu 950 Personen stark an.


Auch 2018 legt Bamberg zu

Doch auch 2017 und im ersten Halbjahr 2018 legte die Stadt noch einmal kräftig zu. Und hier ist das Verhältnis noch deutlicher: Der positive Saldo von knapp 1900 Bewohnern seither setzt sich zu 100 Prozent aus Ausländern verschiedenster Nationalitäten zusammen. Im letzten Halbjahr schrumpfte die Zahl der Deutschen sogar um 70, wie Hans-Jürgen Greiner-Fuchs von der Stadt auf Nachfrage mitteilt. Über die genauen Gründe dieser Zahlen können auch die Experten im Amt für Statistik und Datenverarbeitung nur rätseln. Sind es ausländische Studierende, sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ausländer oder doch zusätzliche Asylbewerber, die Bamberg so schnell wachsen lassen? Oder liegt hier eine Fehlerquote wegen der hohen Abgänge in der AEO vor?

Sicher scheint: Die Otto-Friedrich-Universität hat zu dem markantem Sprung in den letzten drei Jahren wohl nur marginal beigetragen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl ausländischer Studierender nur leicht auf 1 169 nach oben verschoben, teilt Tanja Eisenach mit.


Mehr ausländische Beschäftigte

Eine Erklärung könnte in der kräftigen Zunahme der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer liegen: Laut Matthias Klar von der Arbeitsagentur Coburg Bamberg wuchs die Zahl dieser Gruppe im vergangenen Jahr um satte 19,3 Prozent. In absoluten Zahlen sind dies 513 Personen, die neu nach Bamberg kamen und bei Industrie, Handwerk oder Dienstleistung Beschäftigung gefunden haben. Bekanntlich suchen viele Branchen in der Region händeringend nach Mitarbeitern - von der Pflege bis zur Logistik.

Von einer "Herausforderung für die Stadtgesellschaft" spricht Bambergers Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU). Er verstehe die Ängste und Befürchtungen, die der starke Wandel auslöse. Gleichzeitig wirbt Lange aber auch für die Chancen, die die Internationalität biete: "Bamberg ist in seiner Geschichte immer eine sehr offene Stadt gewesen und ist immer sehr gut damit gefahren. Denken wir an die Handelsbeziehungen und den Austausch der Handwerker und Baumeister." Auch in der jüngeren Vergangenheit gebe es viele Beispiele für erfolgreiche Integration, sagt Lange: "Institutionen wie der deutsch-griechische oder der deutsch-italienische Club sind doch heute eine Bereicherung für Bamberg."

Für das Sozialreferat der Stadt Bamberg ist der Status der hinzugekommenen Menschen vergleichsweise unwichtig: "Egal, ob Ausländer oder Deutsche. Die neuen Familien brauchen eine Kindergartenplatz,eine schulische und ärztliche Versorgung. Damit müssen wir uns beschäftigen", sagt Sozialreferent Ralf Haupt. Bamberg sei zudem nicht die einzige Stadt, die vor diesem Problem stehe. Ein Blick auf die neuesten Zahlen, die das statistische Landesamt zur Verfügung stellt, zeigt: Bamberg befindet sich bei der Ausländerquote im oberen Mittelfeld: Ende 2016 lag sie in Nürnberg deutlich und Schweinfurt etwas höher. Prozentual weniger Ausländer lebten Ende 2016 in Bayreuth, Coburg oder auch Würzburg.
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