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Bamberg
Corona-Virus

"Solidarität für Deutsche": Bündnis warnt vor rechtsextremer Helfergruppe

Inmitten der gigantischen Welle der Solidarität schleichen sich auch unmoralische Angebote ein: So versucht die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" in Bamberg eine Nachbarschaftshilfe für ihre Zwecke zu missbrauchen.
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Solidarität nur für Deutsche: Mit diesem Banner wirbt derzeit die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg".   Foto: FT
Solidarität nur für Deutsche: Mit diesem Banner wirbt derzeit die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg". Foto: FT

In der Corona-Krise ist die Welle der Solidarität enorm. Zahlreiche Hilfsangebote formieren sich, Nachbarn helfen denjenigen, die entweder zu Hause bleiben müssen oder das Haus nicht verlassen wollen. Das betrifft Risikogruppen - ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Sie werden von Helfenden beispiellos unterstützt. Doch schleichen sich auch vereinzelt unmoralische unter die zahllosen Hilfsangebote ein. So wirbt aktuell die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" auf ihrer Homepage mit einer Nachbarschaftshilfe für Bamberg und Umland. Mit "Solidarität für Deutsche" wird dort geworben.

"Das ist reinste Propaganda, diese Gruppierung versucht die Corona-Krise für ihre Zwecke zu missbrauchen", sagt Hubertus Schaller, einer der Sprecher des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Die lange Erfahrung aus den vergangenen Jahren zeige, dass Gruppen aus dem rechten Spektrum stets Themen aufgreifen würden, die "en vogue" seien - wie etwa Kinder- oder Umweltschutz, nun auch das Thema Hilfsbereitschaft. Das Bündnis warnt nachdrücklich vor dem Angebot, auch im Hinblick auf mögliche Flyer, die die rechtsextreme Partei in diesen Tagen verteilen könnte.

Corona-Krise: Der Großteil der Helfer ist seriös

Die Bamberger Polizei hat die Aktion im Blick. Strafrechtlich relevant ist diese jedoch nicht - die rechtsextreme Partei ist nicht verboten. Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, rät in diesem Zusammenhang aber: "Grundsätzlich sollte jeder Bürger sich genau anschauen, von welcher Organisation beziehungsweise welchen Personen die Hilfsangebote kommen. Und wem er vertrauen kann." Das Gros der Hilfsangebote, das derzeit besteht, ist seriös.

Vorsichtig sollte man laut Höfer aber im Zweifelsfall immer bei der Herausgabe größerer Bargeldbeträge sein, zum Beispiel für Lebensmittel-Einkäufe. Keinesfalls sollte Fremden oder Personen, die man kaum kennt, die Bankkarte oder die Geheimnummer gegeben werden. Ebenso sollte gut überlegt werden, wen man in die eigene Wohnung lässt.

Auch Kriminelle nutzen laut Polizei die Unsicherheit der Bürger in der Corona-Krise aus. Sie geben sich unter anderem an der Haustür als Amtspersonen aus und behaupten älteren Bewohnern gegenüber, Tests auf das Covid-19-Virus durchführen zu müssen. Ziel sei es, so die Polizeisprecherin, ins Haus zu gelangen und für den Test Bargeld zu erhalten. Auch der Anruf eines angeblichen Arztes, der behauptet, der Angerufene stehe unter Verdacht, sich infiziert zu haben und es würde jemand für einen Test vorbeikommen, gab es wohl schon. In diesem Zusammenhang wurde ebenfalls Geld verlangt. Bei Verdacht auf eine Erkrankung werden Tests allerdings nur angemeldet durchgeführt.

Polizei warnt: Keinesfalls fremde Personen in die Wohnung lassen

"Wer unsicher ist, sollte eine Vertrauensperson hinzuziehen oder auch die Polizei anrufen", rät Höfer. Auch dann sollten keinesfalls fremde Personen in die Wohnung beziehungsweise das Haus gelassen werden.

Es würden auch vermehrt Betrüger festgestellt, die medizinische Ausrüstung anbieten und dann nach dem Erhalt des Geldes niemals die Ware schicken. Oder Personen, die medizinische Schutzausstattung oder Desinfektionsmittel zu weit überteuerten Preisen anbieten. Auch die Masche mit dem sogenannten Enkeltrick wurde schon um einen nun angeblich mit dem Virus infizierten Angehörigen ergänzt.

Die Sprecherin betont aber, dass in Oberfranken bislang solche Fälle noch nicht festgestellt oder zur Anzeige gebracht worden sind. Dass solche Maschen auch bei uns auftreten, ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Seriöse Nachbarschaftshilfe vermittelt die Stadt Bamberg.

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