Bamberg
Bevölkerung

Wann knackt Bamberg die 80 000-Einwohner-Marke?

Die Stadt Bamberg erfreut sich seit Jahren stürmischen Bevölkerungswachstums. Ist das ein guter Trend oder nicht?
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Auch das ist eine Seite der Bevölkerungszunahme in Bamberg: Der Verkehr wächst, die Stauanfälligkeit am Berliner Ring nimmt zu.  Ronald Rinklef
Auch das ist eine Seite der Bevölkerungszunahme in Bamberg: Der Verkehr wächst, die Stauanfälligkeit am Berliner Ring nimmt zu. Ronald Rinklef
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Es ist eine gewichtige Zahl und um ihre Bedeutung zu unterstreichen, sollte man sie ausnahmsweise in Buchstaben schreiben: Siebenundsiebzigtausendeinhundertneunundziebzig! So viele Einwohner zählte Bamberg nach Angaben des Landesamts für Statistik zum Stichtag 31. Dezember 2017. Die kürzlich veröffentlichte Zahl ist umso bemerkenswerter, als sie das seit 2014 anhaltende stürmische Bevölkerungswachstum fortschreibt, als gäbe es kein Ende. In diesen drei Jahren legte Bamberg um über 5000 Einwohner zu, exakt 1436 im vergangenen Jahr. Und auch 2018 kamen nach der eigenen Zählung der Stadt bereits wieder 600 Menschen hinzu.

Lange Jahre gedümpelt

Wer erinnert sich noch an die langweilige Vorgeschichte? Drei Jahrzehnte lag Bamberg abwechselnd mal über, mal unter der Zahl von 70 000 Einwohner, dümpelte abgeschlagen hinter Bayreuth. Und nun? Hält die Bevölkerungszunahme so an wie zuletzt, wird Bamberg bereits 2019 die 80 000-Einwohner-Marke geknackt haben.

Ist das nun eine gute Entwicklung oder eine schlechte, wenn sich die gefühlte Großstadt Bamberg allmählich zu einer echten entwickelt? Für einen langjährigen Kommunalpolitiker wie Helmut Müller (CSU) ist das keine Frage: "Viele Städte in Oberfranken haben ganz andere Probleme. Sie verlieren Menschen oder krebsen auf niedrigem Niveau. Jetzt haben wir Bayreuth klar abgehängt, das freut mich als Lokalpatrioten ganz besonders", sagt Müller. Er weiß auch: Zusätzliche Einwohner bringen nicht nur zusätzliches Selbstbewusstsein, sondern auch Mehreinnahmen.

Wie viel Geld das exakt ist, das die neuen Einwohner der Stadtkasse bescheren, mag Kämmerer Betram Felix nicht beziffern. Zu wetterwendisch sind die Beträge, aus denen sich der kommunale Finanzausgleich errechnet. Fakt ist: Den zusätzlichen Schlüsseleinnahmen stehen Kosten gegenüber, die für die zusätzliche Infrastruktur entstehen, die neue Einwohner in solcher Zahl auf Dauer unumgänglich machen: Kitas, Schulen oder auch Straßen. Deshalb ist die Einschätzung von Felix durchaus zwiespältig. Einerseits sei die wachsende Einwohnerzahl eine wunderschöne Bestätigung, "dass wir in Bamberg vieles richtig gemacht haben". Andererseits ist ihm klar: Sollte Bamberg zur nächsten Volkszählung 2021 mehr als 80 000 Einwohner zählen, kommen aus gesetzlichen Gründen hohe Unterhaltslasten für Münchner und Berliner Ring auf Bamberg zu. Dreistellige Millionenbeträge könnten etwa für eine Sanierung der Heinrichsbrücke fällig werden. "Da sprechen wir über riesige Lasten", sagt Felix.

Es geht aber nicht nur ums Geld. "Bevölkerungswachstum ist kein Wert an sich", sagt der Kämmerer im gleichen Atemzug. Das gelte besonders in einer Altstadt, die auch von Freiräumen lebt. Die Stadtgesellschaft müsse sich darüber klar werden, "ob wirklich jede Baulücke zugepflastert werden soll".

Die Kehrseite der Schwarmstadt

Viele neue Einwohner in kurzer Zeit - das bedeutet auch neue Herausforderungen für das Sozialsystem und die gesellschaftliche Balance. Konkret wird Christiane Laaser, die für die Grünen im Bamberger Finanzsenat sitzt. Aus ihrer Sicht ist der Trend zur Schwarmstadt in Bamberg eher bedenklich als positiv. Die Aussicht, dass bereits in Kürze 80 000 Menschen in Bamberg leben, findet sie deshalb wenig erfreulich. "Schon heute haben wir nicht genug bezahlbaren Wohnraum. Wir sollten aber zuerst Wohnungen für die schaffen, die schon in Bamberg sind, anstatt neue Menschen nach Bamberg anzuziehen", kritisiert Laaser eine Wohnungspolitik, die vor allem hochpreisige Angebote begünstigt habe. Deshalb habe sie, Laaser, den Verkauf der Reitställe in der Lagardekaserne vehement abgelehnt. "Dadurch lockt man nur neue und betuchte Menschen nach Bamberg."

Was hält der meist gewählte Bamberger Stadtrat, Norbert Tscherner, von den galoppierenden Einwohnerzahlen in Bamberg? Dem Vorsitzenden des Bürger-Block geht die Entwicklung zu schnell und sie wird, folgt man dem früheren Bauunternehmer, eine Reihe von Problemen produzieren. Zum Beispiel extrem ansteigende Bodenpreise. Er sagt: "Dieses Wachstum ist nicht organisch."



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