Bamberg
Baustelle

Wann geht's am Bamberger Fuchspark-Stadion weiter?

Seit einem Wasserschaden vor einem Jahr sind Kabinen, VIP-Räume und Toiletten des Fuchsparkstadions gesperrt. Das verärgert Fans, Verantwortliche und Sponsoren. Von der Stadt kommt nun die nächste Hiobsbotschaft.
Artikel drucken Artikel einbetten
+2 Bilder

Mit ernsten Mienen diskutieren Philipp Juraschek und Günter Lückemeier im leeren Fuchsparkstadion. Sportlich hatten die beiden leidenschaftlichen Anhänger des FC Eintracht Bamberg erst Grund zum Jubeln: Vor mehr als 900 Zuschauern gab es zur Sandkerwa einen 2:1-Sieg gegen den FC Sand. Doch wieder einmal bildeten sich lange Schlangen an den Toiletten-Containern, fand die Bewirtung an einem mit großem Aufwand betriebenen Biertisch-Ausschank statt, drängten sich die Ehrengäste um zwei Stehtische, zogen sich die Spieler im 400 Meter entfernten Vereinsheim um.

Denn seit mehr als einem Jahr ist wegen eines Wasserschadens das komplette "Innenleben" des Stadions mit Kabinen, VIP-Bereich, Besuchertoiletten und Presseraum gesperrt. "Anfragen an die Stadt als Vermieter verlaufen ohne Antwort, gefühlt bewegt sich hier nichts", sagt Sascha Dorsch aus dem Eintracht-Vorstand. Seit Jahresbeginn habe er auch keine Firmen mehr arbeiten sehen. Es häuften sich die Beschwerden der Zuschauer, die die Toiletten besuchen wollen. Auch die nach langem Drängen aufgestellten Container würden gerade von Frauen nur "extrem ungern" benutzt.

"Es ist schon peinlich, wenn uns die Fans der anderen Vereine fragen, warum sich hier immer noch nichts verändert hat", sagt Juraschek, der bei keinem Heim- oder Auswärtsspiel fehlt. "Und wir können ihnen noch keine Antwort geben, wir wissen ja selber nichts." Am Dienstag steht ein großes Pokalspiel gegen den Regionalligisten Aschaffenburg an - und der Verein kann nicht einmal eine anschließende Pressekonferenz abhalten.

"Das Immobilienmanagement ist noch auf der Ursachensuche", erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar auf unsere Nachfrage. Aufgrund der fehlenden Förderzusage habe man zunächst sicherstellen müssen, dass die Stadt Bamberg "keine förderschädlichen Maßnahmen" veranlasst. "Über den Winter ist der Wasserschaden ausgetrocknet und wir waren recht zuversichtlich. Leider sind zwischenzeitlich die erheblichen Wassereintritte erneut aufgetreten", berichtet Siebenhaar. Aktuell warte das Immobilienmanagement auf die Ergebnisse einer erneuten Begutachtung. Demnächst würden "temporäre Umkleide- und Sozialräume in Containern vor dem Stadion" aufgestellt, um die größten Bedarfe abzudecken. Ein Zeit- und Maßnahmenplan liege aber noch nicht vor. Mittlerweile gibt es auch zwei Umkleidecontainer im Stadion (ohne Duschen). "Wir sind als BKM Mannesmann Hauptsponsor und Wasserschäden wären eigentlich genau unser Gewerk", sagt Günter Lückemeier. Bei Wasserschäden sei es nicht einfach mit der Trocknung getan, man müsse die Ursache suchen und bekämpfen. "Ich hatte der Stadt sogar eine kostenlose Begutachtung angeboten. Und das sicher nicht, weil wir auf den Auftrag aus sind, wir sind bis 2021 voll." Lückemeier habe aber noch nicht einmal eine Antwort von der Stadt erhalten. "Das Angebot wurde an eine Mitarbeiterin des Immobilienmanagements weiter gegeben. Aufgrund der erforderlichen gutachterlichen Ansprüche wurde es jedoch abgelehnt", erklärt dazu die Stadt.

Lückemeier und andere Sponsoren wie die Konrad Böhnlein GmbH & Co. KG oder die Bäckerei Fuchs, die dem Stadion (noch) seinen Namen gibt, sind mehr als verärgert über den unprofessionellen Rahmen. "Erst beim letzten Heimspiel hatte ich potenzielle neue Sponsoren für unseren Verein zu Gast", sagt Lückemeier. "Die sahen zwar ein tolles Fußball-Spiel, aber mit Toiletten-Containern und unserem improvisierten Ausschank hab' ich mich bis auf die Knochen blamiert."

Das Thema betrifft nicht nur den FC Eintracht, sondern auch die Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Bamberg oder die Rugby-Abteilung. Während sich die Eintracht-Fußballer zumindest im Vereinsheim umziehen können, kommen andere Sportler schon umgezogen und gehen ungeduscht nach Hause. "Die Situation ist sicher auch für uns nicht angenehm, aber zumindest kann der Trainingsbetrieb aufrechterhalten bleiben", sagt Heinz Kuntke, SPD-Stadtrat und Vizepräsident der LG Bamberg. Für seinen Verein werde es problematisch, wenn im Zuge der Generalsanierung auch Stadion und Tartanbahn gesperrt werden. Nachdem Kuntke sich bereits einen Eindruck über das Innere des Stadions machen konnte, stellt er fest: "Das läuft auf eine längere Sanierung hinaus." Lückemeier glaubt hingegen, dass es zügiger gehen könne, "aber dafür müsste man erst mal anfangen". Die Förderung sei längst zugesagt.

Förderzusage des Bundes

"Die Situation ist unbefriedigend", stellt auch Sportreferent Christian Lange (CSU) fest. Neben den Vereinen seien auch Schulsport und potenzielle Konzertveranstalter betroffen. Lange hoffe darauf, dass das Immobilienmanagement bald die Ursache für die Wasserschäden finde. "Ich wünsche mir eine schnellstmögliche Lösung für alle Vereine, zugleich müssen wir jede Fördermöglichkeit ausnutzen." Zwar habe der Bund bereits eine grundsätzliche Förderung von 2,6 Millionen Euro für den Volkspark zugesagt, die Einzelmaßnahmen müssten jedoch noch festgelegt werden. "Unser Ziel ist es, dass der gesamte Volkspark bis 2025 in gutem Zustand ist."

BuB-Stadträtin Daniela Reinfelder hat inzwischen beantragt, im Stadtrat einen "Sachstandsbericht über die Benutzbarkeit des Fuchsparkstadions" zu geben. Nutzer und Vereine sollten über den zukünftigen Zeitplan und Alternativen während der geplanten Gesamtsanierung informiert werden.

Darin, dass es sich grundsätzlich um eine wundervolle Sportanlage handelt, sind sich alle einig. "Wir wollen ja der Stadt nichts Böses, aber wir kriegen keinerlei Anhaltspunkte, was Sache ist", sagt Sponsor Lückemeier. Der 50-Jährige wünscht sich zumindest, dass sein Verein besser informiert und in die Lösungssuche eingebunden wird. Ein Runder Tisch wäre für ihn ein guter Anfang.

KOMMENTAR

von Stefan Fößel :

Reden und Handeln

Dass Wasser ein verheerendes Element sein kann, musste schon manch ein Hausbesitzer leidvoll erfahren. Insofern steht das städtische Immobilienmanagement angesichts der neuerlichen Wassereintritte im Stadion sicher vor keiner leichten Aufgabe. Doch die Suche nach Ursachen und Lösungen findet weiterhin hinter verschlossenen Türen statt. Dass selbst die unmittelbar Betroffenen nur sehr spärlich informiert werden, geschweige denn eingebunden, erscheint mehr als unglücklich.

Denn seit mehr als einem Jahr improvisieren hier Ehrenamtliche mit großem Einsatz, fragen sich Vereinsverantwortliche, Fans und Spieler, wann und wie es am Volkspark weitergeht.

Das weiß offensichtlich noch keiner so genau. Doch selbst diese Information und die Gründe dafür sollten in irgendeiner Form kommuniziert werden. So könnte nicht nur etwas Frust bei den Betroffenen abgebaut werden. Sie würden sich ernstgenommen fühlen - und sie könnten bestimmt auch ihren Beitrag zur Lösungssuche leisten. s.foessel@infranken.de

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren