Bamberg
Profitipp 3

Wandern auf unbekannten Wegen: Orientierung kann jeder lernen

Nicht nur Seeleute wissen, wie sie unter freiem Himmel ihren Weg finden. Wandertrainer auch: Sven Hähle erklärt die wichtigsten Hilfsmittel.
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Wandertrainer Sven zeigt, wie ein  analoger Spiegelkompass  die gedruckte Karte ergänzt. Barbara Herbst
Wandertrainer Sven zeigt, wie ein analoger Spiegelkompass die gedruckte Karte ergänzt. Barbara Herbst

Mit der Orientierung haben viele Menschen Probleme. "Ein Teil ist Talent", sagt Sven Hähle, der Leiter der Akademie des Bayerischen Wanderverbands. "Der größere Teil aber ist lernbar." Wandern schult den Blick für die Umgebung, für markante Punkte, Flüsse, Berge und Baugebiete, die sich auf Karten wiederfinden. Vielen Menschen sei allerdings das Wichtigste nicht bewusst: Wo sind die Himmelsrichtungen? Dafür gibt's immer Anhaltspunkte. Sogar mitten im Wohngebiet. Die Karte Navigation per Smartphone und GPS ist praktisch - sich der Elektronik komplett auszuliefern, wäre aus Sicht des Wander-Profis allerdings fahrlässig. "Die klassische Orientierungshilfe ist nach wie vor die gedruckte Karte", sagt Sven Hähle. "Sie lässt sich immer irgendwo aufschlagen und braucht keinen Strom." Außerdem zeigt sie ein größeres Gebiet im Überblick; bei einer guten Karte kann man auch anhand der Höhenlinien Geländeformen detailliert herauslesen. "Mit der Umgebung abgleichen: Wo ist Bebauung, wo sind Vegetationsgrenzen? Sehr gut geeignet ist ein Maßstab von 1:25 000." Sven Hähle bevorzugt laminiertes, wischfestes Material. Soll die gedruckte Version gemeinsam mit einem GPS-Empfänger genutzt werden, muss sie ein so genanntes UTM-Gitter zeigen. Auf Aktualität achten: "Manche Karten im Handel sind zehn Jahre alt. Die Landschaft verändert sich aber: Da wird was weggerissen, dort eine Umgehungsstraße oder ein Gewerbegebiet gebaut." Als Ergänzung zur gedruckten Karte empfiehlt der Wander-Profi einen Spiegelkompass (für etwa 25 Euro), um die Himmelsrichtungen zu bestimmen. Die Sonne Die Himmelsrichtungen lassen sich auch mit Hilfe der Sonne ermitteln. Wandertrainer Sven erklärt die Schattenspitzenmethode: (Wander-)Stock aufrecht in den Boden stecken, die Spitze des Schattens markieren (z.B. mit einem Stein). Eine Viertelstunde warten. Der Schatten wandert in einer Kurve von West nach Ost. Die neue Position der Schattenspitze ebenfalls markieren und eine Linie zwischen beiden Punkten ziehen. Das linke Bein auf die erste, westliche Markierung und das rechte Bein auf die zweite, östliche Markierung stellen: Der Blick geht nun ungefähr nach Norden. Die Sterne Seit Jahrhunderten nutzen Seeleute den Polarstern zur Orientierung. Vom "Großen Wagen" aus ist er leicht zu finden: Die beiden Sterne, die das hintere Wagen-Ende bilden, ergeben eine Linie - diese ums Fünffache verlängert führt zum Polarstern. Er steht immer im Norden. Im Geiste eine Linie zum Boden ziehen und in der Ferne ein markantes Objekt suchen, das dann als nördlicher Orientierungspunkt dient. Die Natur Die "Wetterseite" ist oftmals die Schattenseite: Wenn sich im Wald beim Großteil der Bäume auf einer Seite eine deutlich dickere Moosschicht findet, ist das ein Anhaltspunkt. Moos wächst oft (nicht immer!) stärker auf der Nordseite. Ähnlich verhält es sich mit Ameisenhügeln: Sie stehen öfter (nicht immer!) auf der wärmeren Südseite. Die Jahresringe an Baumstümpfen sind normalerweise auf der Südwestseite breiter. Gebäude Auch in Ortschaften gibt's Orientierungshilfe: "Viele alte Kirchen sind so gebaut, dass der Altar im Osten steht", sagt der Wandertrainer. "Das Einfachste sind aber die Sat-Schüsseln." Die sind nämlich meist auf den Satelliten Astra ausgerichtet: "fast exakt nach Süden".



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