Bamberg
Wahrheit

Wahre Lokalposse oder Fake-News: Was ist dran an diesen Geschichten aus Bamberg?

Welche Lokalposse hat sich in Bamberg wirklich so abgespielt? Welche ist erstunken und erlogen? Können Sie die drei echten Geschichten von den Fake-News unterscheiden? Ein Quiz. Die Auflösung gibt es unten.
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Mit einer großen Säge entfernten Arbeiter 2007 die nagelneuen Betonrampen am Kanal an der Luitpoldbrücke. Foto: Ronald Rinklef
Mit einer großen Säge entfernten Arbeiter 2007 die nagelneuen Betonrampen am Kanal an der Luitpoldbrücke. Foto: Ronald Rinklef
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Damenbeine baumeln in der Luft

Im wahrsten Sinne des Wortes erhebend war die musikalische Darbietung der dritten Mahler-Symphonie bei der Eröffnung des neu gestalteten Hauptsaales in der Konzerthalle. Ursächlich dafür war jedoch nicht die unbestrittene handwerkliche Raffinesse des Orchesters und des Dirigenten, sondern die viel zu hoch eingebauten neuen Stühle.

Vor allem weibliche Konzertbesucher mit einer Körpergröße (hochhackige Schuhe nicht mitgerechnet) unter 1,70 Meter verloren sprichwörtlich die Bodenhaftung - auf den hohen Sitzen baumelten ihre Beine in der Luft. Was es nicht gemütlicher machte: Mahlers Dritte gilt als eine der längsten jemals geschriebenen Symphonien. Während sich der Komponist musikalisch von der unbeseelten Materie bis zur göttlichen Liebe hinaufschwang, litten die Damen im gehobenen Auditorium. Von "Freischwingern" war die Rede, manche Beschwerdeführerin drohte an, orthopädische Folgekosten bei der Stadt einzufordern. Ein Eklat. Nach einigem Hin und Her räumte die Stadt schließlich ein, die Sitze seien falsch eingebaut worden. Am Ende mussten alle 1400 Stühle ausgebaut und tiefergelegt werden. Auch die Kosten waren hoch.

Gefährliche Toiletten im Bunker

Im Kalten Krieg zum Schutz der Bevölkerung konzipiert, entpuppte sich der Bunker unter dem Landratsamt Bamberg zur gefährlichen Falle für potenzielle Insassen. Die lautlose Gefahr lauerte ausgerechnet am stillen Örtchen.

An der Bauweise des Bunkers lag es nicht. Tief unter der Erde, hinter halbmeterdicken Türen aus Stahl und Beton waren die Mitarbeiter in den staatlichen Katastrophenschutzräumen selbst vor radioaktiver Strahlung sicher. In der technisch aufwendigen Telefonzentrale sollte der Fachbereich Öffentliche Sicherheit im Landratsamt im Krisenfall aber auch bei Bränden, Explosionen oder Hochwasser Notfalleinsätze koordinieren.

Doch bei der Ausstattung der unterirdischen Toiletten setzten die Planer auf mobile Trockentrenntoiletten mit chemischen Zusatzstoffen. Die Aufregung war groß, als die Fabrikate einer niederländischen Firma bei einem Test des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin durchfielen: Chemische Inhaltsstoffe oxidierten über die Jahre und setzten giftige Gase frei. Das Landratsamt reagierte und tauschte die defekten Mobiltoiletten aus. Der Bunker ist bis heute in Betrieb.

Die Brücke mit der Lücke

Es ist der Alptraum jedes Statikers: Da baut man für viel Geld eine Brücke, von beiden Uferseiten nähern sich die Brückenhälften an - und dann fehlen am Ende einige Zentimeter.

So geschehen an einem Steg auf der Erba-Insel: Mitten im Gelände der ambitionierten Landesgartenschau klaffte eine schmerzhafte Leerstelle.

Die Zyniker ließen freilich nicht lange auf sich warten, tauften das Bauwerk auf den Namen "die Brücke mit der Lücke" oder schlugen vor, die beiden Hälften unverbunden stehen zu lassen - als künstlerisches Symbol für die tragischen Momente des Bamberger Brückenbaus im Allgemeinen.

Im Rathaus und beim federführenden Bauunternehmen blieb den Mitarbeitern das Lachen allerdings im Hals stecken. Hier ging es um Schadensersatz, ein komplizierter und langwieriger Sanierungsfall beschäftigte Beamte und Bauarbeiter. Der unverbundene Übergang trennte nicht nur Ufer, sondern auch Meinungen der Bamberger, wer schuld sei - und wer den Schlamassel zahlen müsse. Nach langen Diskussionen konnte endlich zusammenwachsen, was zusammengehörte. Der Lückenschluss war vollbracht.

Ein Korb ermöglicht den Ring

Der Sport überwindet bekanntlich Grenzen. Manchmal sogar militärische. Das zeigte sich in Bamberg. Zu diesem Zeitpunkt stand es nicht gerade gut um das ambitionierte Infrastrukturprojekt "Berliner Ring". Der Bau drohte zu scheitern - an der Einwilligung der US-Armee.

Der Berliner Ring sollte deren "Warner Barracks" mit zeitweise bis zu 12 000 GIs durchtrennen - dementsprechend ablehnend zeigte sich die US-Kommandantur. Die Verhandlungen der Stadtvertreter, das Go der Amis zu bekommen, stagnierten. An einem Verhandlungsabend in den Warner Barracks trainierten die Bamberger Basketballer wie immer in der amerikanischen Sporthalle. Am Ende wurde gegen eine US-Mannschaft gespielt. Die bilateralen Delegationen schauten spontan zu.

Oberbürgermeister Theodor Mathieu erzählte später, der US-Standortkommandeur der 10. Infanterie-Division habe im Scherz überraschend angeboten, den "Ausgang des Spieles" über die Zukunft des Berliner Rings entscheiden zu lassen. Mathieu willigte ein, nicht sicher, wie ernst die Wette gemeint war. Die Bamberger "Datzerer" gewannen mit einem Korb Unterschied - der Kommandeur hielt Wort.

Ein Korb ermöglicht den Ring

Der Bamberger "Mauer-Fall" lief - wie sein großes Vorbild - friedlich ab. Aber auch ein bisschen emotional. Dabei hatte alles mit einer architektonischen Erneuerung einer prominenten städtischen Brücke begonnen. Dafür waren für viel Geld modern anmutende Mauern entlang einer behindertengerechten Fußgängerrampe entstanden.

Was gut gemeint war, stieß bei den Bambergern auf wenig Gegenliebe. Kritiker betitelten die Bauwerke "Monster-Mauern", sprachen von "Bausünde" und "Verschandelung des Weltkulturerbes". Erboste Anwohner forderten die Stadt auf, das Monstrum wieder zu beseitigen. Im Stadtrat wurden Vorschläge laut, Jugendliche sollten die Betonrampen besprühen dürfen, Knöterich sollte die Bauwerke bewachsen und verdecken - andere Volksvertreter verlangten, die Mauern müssten "geschleift werden".

Am Ende siegte der Zorn des Volkes über alle finanziellen und architektonische Bedenken in der Stadtverwaltung: Für einen sechsstelligen Betrag ließ die Stadt die nagelneuen Betonmauern mit einer Riesensäge absägen. Und wirklich: Mit den Mauern schrumpfte auch der Volkszorn.

AUFLÖSUNG:

Die Geschichte von amerikanischen und Bamberger Basketballspielern, die über den Bau des Berliner Ringes entschieden haben, ist kurios und spannend - aber ebenso erstunken und erlogen. Der damalige Oberbürgermeister Theodor Mathieu hätte sich auf eine solch riskante Wette über die Zukunft des Bamberger Verkehrs wohl nie eingelassen.

Den Bunker unter dem Landratsamt samt Telefonanlage und Notfallzentrum gibt es dagegen wirklich, und er ist bis heute in Betrieb. Probleme mit den Toiletten hat es nach unserem Wissen dort aber nie gegeben. Lebensgefährliche Chemikalien in den Klos schon gar nicht. Auch diese Geschichte ist erfunden.

Eine Brücke, deren Hälften zu kurz geraten sind, klingt ebenfalls nach Seemannsgarn - die Lokalposse ist aber wirklich so passiert. Bei der Verlegung des Fünferlesstegs an der Erba-Insel bemerkten die Bauingenieure den Fehler erst, als es zu spät war. Das Gespött in der Domstadt war groß. Der Begriff "Brücke mit der Lücke" wird im Bamberger Kollektivgedächtnis noch lange gespeichert bleiben.

Ebenso die witzige Geschichte über zu hoch eingebaute Sitze in der Konzerthalle. 2009 sorgte der Fauxpas im neu gestalteten Keilberth-Saal für einen mittelschweren Eklat. Das Resultat: Alle 1400 neuen Stühle, von einer Firma in Nordrhein-Westfalen unter dem Namen "Bamberg" hergestellt, mussten untersucht und in Teilen umgebaut werden. Eine echte Strafarbeit.

Angenehmere Arbeiten konnten sich sicher auch die Bauspezialisten vorstellen, die 2007 die Monster-Mauern an den Beton-Rampen am Kanal an der Luitpoldbrücke absägen mussten. Der Zorn der Bürger über die Sichtblockaden war zu groß - größer als die Bedenken der Architekten. Hier entstand ein Stahlgeländer, mit dem sich auch die Kritiker anfreunden konnten.

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