Bamberg
Bundestagswahl

Wahlplakate in Bamberg: Helfer werden angepöbelt

Seit Sonntag dürfen die Parteien kostenlos ihre Wahlwerbung aufhängen. Doch die Plakatierer brauchen starke Nerven.
Artikel drucken Artikel einbetten
Seit Sonntag sprießen die Wahlplakate überall in Bamberg, hier ein Exemplar der Satirepartei "Die Partei" auf der Kettenbrücke. Foto: Matthias Hoch
Seit Sonntag sprießen die Wahlplakate überall in Bamberg, hier ein Exemplar der Satirepartei "Die Partei" auf der Kettenbrücke. Foto: Matthias Hoch
Spätestens jetzt hat es jeder mitbekommen: Es ist Wahlkampf. Denn seit dem Wochenende warten sie wieder an jeder Ecke auf uns: die Kandidaten zur Bundestagswahl. Sie buhlen von Pappwänden oder Kunststoffaufstellern um unsere Aufmerksamkeit. Am Sonntag fiel sozusagen der offizielle Startschuss, denn es war auf den Tag vier Wochen vor der Wahl.

Ein besonderes Datum, denn: "Gemäß Paragraf 5 Absatz 1 Nummer 6 der Satzung für die Benutzung des öffentlichen Verkehrsgrundes der Stadt Bamberg (Sondernutzungssatzung) benötigen keiner Erlaubnis Sondernutzungen zur Wahl- oder Stimmenwerbung politischer Parteien oder zugelassener Wählergemeinschaften im Zeitraum von vier Wochen vor allgemeinen Wahlen", wie es in einer Mitteilung aus der Stadt heißt. Übersetzt bedeutet das: Vier Wochen vor der Wahl dürfen die Parteien kostenlos plakatieren.

"Man kann auch vorher, aberdie Erlaubnis für eine Sondernutzung kostet dann etwas", erläutert Stadtsprecher Steffen Schützwohl. Dieser Möglichkeit bedient hat sich die CSU, die ihre Wahlplakate bereits am vergangenen Donnerstag verteilt hatte. Auch die Grünen haben sich nach Auskunft von Schützwohl die Genehmigung für Samstag geholt.


Verkehrssicherheit erhalten

Wichtig sei generell, dass die Verkehrssicherheit erhalten bleibe. "In der Nähe von Schulen und Kindergärten sind zum Beispiel Sichtbehinderungen durch Plakatständer zu vermeiden", sagt Schützwohl. Außerdem müsse bei Straßeneinmündungen und Kreuzungen darauf geachtet werden, dass die Sicht auf Fußgänger- und Radfahrerüberwege frei bleibe.

Zudem seien Sicherheitsabstände einzuhalten - etwa 2,20 Meter von der Unterkante des Plakats bis zum Boden über Geh- und Radwegen. Ebenfalls darf der Verkehr nicht behindert werden und Plakatwerbung in Verbindung mit Verkehrszeichen oder Verkehrseinrichtungen ist verboten. Viele Punkte, die geregelt sind. Wozu es allerdings keine Vorgaben gibt, ist die Plakatdichte. Also wie viel Werbung eine Partei an einem Ort aufhängen darf. Hier wünscht sich Stefan Kuhn, Vorsitzender der Innenstadt-CSU, "eine klare Regelung". Seiner Ansicht nach sehe das Stadtbild teilweise aus "wie Kraut und Rüben". Zudem sei es "ein ungeschriebenes Gesetz, dass man für die Anderen auch noch was freilässt". Ähnlich äußert sich Jonas Merzbacher, Vorsitzender der SPD für den Unterbezirk Bamberg-Forchheim. "Man stellt schon mal zwei bis drei Plakate an einem Platz auf, aber man lässt auch immer etwas frei."

Doch warum wird überhaupt noch Geld ausgegeben für Plakate? "Wenn man nicht plakatiert, heißt es, die sind nicht motiviert. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen, dass die Wahl stattfindet", sagt Merzbacher.
Thomas Dotzler von der Bayernpartei geht noch einen Schritt weiter: "Viele Wähler sind noch unentschlossen. Die Plakate rufen immer wieder die Möglichkeiten ins Gedächtnis. Wenn wir genügend Personal hätten und mehr plakatieren könnten, würde das bestimmt zwei bis drei Prozentpunkte bei der Wahl ausmachen." Dotzler glaubt an eine "psychologische Wirkung". Auch er war am Sonntag unterwegs, konzentriert sich generell auf die Pendlerstrecken. Immer wieder hat er dabei die Erfahrung gemacht, dass Passanten direkt lospöbeln.
Das berichtet auch Stefan Kuhn von der CSU. Dass man beim Aufhängen angemotzt werde, sei normal. "Aber die Heftigkeit hat mich dieses Mal schon überrascht." Er berichtet von Fahrradfahrern, die den Fuß ausstrecken und bewusst gegen Plakate treten. Andere Passanten würden dagegen schlagen oder "blöde Sprüche" drauf kritzeln. "Wieder andere gehen direkt gegen die Person."


Mehr Aggressionen gegen Helfer

Auch Jonas Merzbacher weiß: "Das Anpöbeln und Beschmieren kommt jedes Mal. Doch die Aggression und Bösartigkeit hat zugenommen. Da ist es noch das Geringste, wenn einer einem ,Lügner‘ hinterherruft." Da hat es Thomas Dotzler von der Bayernpartei offenbar leichter. "Manchmal ruft halt einer: Wir sind fei Franken!"
Einig sind sich alle darin, dass die Wahlkampfwerbung mit Plakaten sinnvoll sei. CSU-Kandidat Thomas Silberhorn sagt: "Kein anderes Werbemittel hat eine vergleichbare Reichweite." Seine Partei verfüge insgesamt über etwa 2000 Kandidatenplakate für den gesamten Bundeswahlkreis. Ebenfalls 2000 für den Wahlkreis Bamberg-Forchheim schätzt Thomas Dotzler für die Bayernpartei. SPDler Jonas Merzbacher spricht von zirka 1500 Plakaten im Wahlkreis, die von Ehrenamtlichen verteilt werden. Von den Grünen war am Montag niemand mehr zu erreichen.

Klar ist jedenfalls: Noch hängen nicht alle Plakate. In den kommenden Wochen werden weiterhin Helfer unterwegs sein, teilweise auch bereits beschädigte oder zerstörte Werbeflächen austauschen.
Ob der Startschuss nun erst am Sonntag oder etwas früher fiel, Merzbacher und Dotzler nehmen's gelassen. Beide glauben nicht, dass zwei oder drei Tage mehr oder weniger wahlentscheidend sind.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren