Ebrach
Wahlnachlese

Wahl heißt für Walter Hanslok aus Ebrach: Kartons schleppen!

Wahlen verheißen immer Schwerarbeit. Auch im wörtlichen Sinn. Denn Gemeindeverwaltungen müssen hier echte Papierberge bewegen. Walter Hanslok in Ebrach ist schon lange Jahre im Wahlgeschäft.
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Kartonweise Wahl-Dokumente: Ebrachs Verwaltungschef hat eine wahrlich schwerwiegende Arbeit. Fotos: Konrad Götz
Kartonweise Wahl-Dokumente: Ebrachs Verwaltungschef hat eine wahrlich schwerwiegende Arbeit. Fotos: Konrad Götz
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"Alles Nieten!" Dieser Kommentar ist Walter Hanslok aufgefallen. Aufgefallen in einem riesigen Wust an Namen, Zahlen und Zetteln. Für den er letztlich die Verantwortung hat - als Ebracher Gemeindewahlleiter. Seit 1978 ist Walter Hanslok bei der Verwaltungsgemeinschaft Ebrach tätig. Der "Nieten"-Zettel war übrigens der einzige, der aus der Reihe fiel - und natürlich wegen des "unzulässigen Zusatzes" ungültig war.

Die aktuelle ist die nunmehr siebte Kommunalwahl, die Walter Hanslok von Berufs wegen beschäftigt: Von Sonntag früh um 7 mit drei Stunden Mittagspause bis Montagmorgen, 3 Uhr. Und dann gleich wieder ab 8 Uhr durch bis 19 Uhr.

Diese Arbeitszeiten stand das Verwaltungsteam im Rathaus gemeinsam mit seinem Verwaltungschef durch. Viel Kaffee und koffeinhaltige Getränke halfen beim Durchhalten.
Die ganze Zeit über mussten Daten eingegeben werden, so dass kein Leerlauf Müdigkeit aufkommen ließ. Zudem erkundigten sich Kandidaten immer wieder nach ihren persönlichen Tendenzen.

Wahlen lassen so manchen Verwaltungsmitarbeiter kaum zum Schlafen kommen und dann war da auch noch Vollmond.

Für ein kleines Highlight am Wahlabend sorgte ein delikates Novum: Statt der üblichen belegten Brötchen wurden die Wahlhelfer dieses Mal mit Pizza gestärkt und bei Laune gehalten. Pizza vom örtlichen Restaurant, so die Order des Ebracher Marktgemeinderates. Eine "Speciale" war Walter Hansloks persönliches Wahl-"Special".

Wenn er an Wahlnächten heim kommt, gehen dem Verwaltungsprofi immer noch die verschiedensten Wahl-Sachen durch den Kopf. "Das verfolgt einen in den Schlaf hinein." Aber zumindest träumt er nicht davon. "Alle sechs Jahre hält man das aus, aber kürzer sollte der Abstand nicht sein", findet der 56-Jährige. Obwohl mittlerweile fast jedes Jahr irgendeine Wahl oder ein Volksentscheid zu stemmen ist. Das bindet die Verwaltung und bringt erhebliche Zusatzarbeit.

Bis zu seiner Pensionierung muss Walter Hanslok in Sachen Kommunalwahl noch einmal ran. Noch einmal die Wahlurnen von der Registratur am Rathausdachboden holen, in eines der Wahllokale bringen und später wieder unters Dach schleppen. Einige der insgesamt 16 Urnen haben wohl Chancen auch nach dem Berufsleben von Walter Hanslok weiterhin zu Papier gebrachten Wählerwillen aufzunehmen. Ein paar Urnen kennt Hanslok übrigens schon seit 1978, und davor waren sie wohl auch schon lange da.

Wie der Ebracher Verwaltungsschef zum Thema Urne weiter ausführt, gibt es hier keine vorgegebene Norm. Urnen müssen nur abschließbar sein, bzw. zugeklebt werden können. "Es gibt welche aus Pappe oder hochwertige aus Kunststoff, die dann schon mal 100 Euro kosten." Und entsprechend lange halten.

Mülltonnen umfunktioniert

Walter Hanslok weiß aber auch von Gemeinden, die Mülltonnen - natürlich unbenutzte - umfunktioniert haben: Oben einen Schlitz rein, Deckel zugeklebt, fertig. Die hätten einen großen Vorteil: "Sie haben Räder", und lassen sich leicht bewegen.

Zu bewegen gibt es bei jeder Wahl jede Menge. Die Massen lassen sich an Zahlen festmachen. In der im Vergleich zu anderen Landkreisgemeinden doch eher kleinen Verwaltungsgemeinschaft Ebrach wurden alleine für Bürgermeister- und Gemeinderatswahl je 1500 Stimmzettel benötigt. Für Verwaltungsgemeinschaftspartner Burgwindheim waren es jeweils noch einmal je 1100. "Einige Exemplare bestellen wir immer zusätzlich, man weiß ja nie." Was passiert eigentlich mit den übrigen? Sie dienen Unterrichtszwecken.

Und die Stimmzettel aus den Urnen? Die müssen noch für sechs Jahre, also während der gesamten Wahlperiode aufgehoben werden. "Falls man noch etwas nachsehen muss." Danach bringen Bauhofmitarbeiter sie in Säcken verstaut zur Müllverbrennung. Bis dahin jedoch muss die Verwaltung Zugriff auf die Dokumente haben.
Die wiederum müssen so aufbewahrt werden, dass sie nicht für jeden zugänglich sind, also in einem abgeschlossenen Raum, in Ebrach die Registratur unter dem Dach. Aufbewahrt werden diese Dokumente in stinknormalen Kartons, die allerdings stabil und halbwegs leicht zu transportieren sein sollen. Vor anstehenden Wahlen sammeln die Verwaltungsmitarbeiter entsprechend lange geeignete "Modelle".

Die Stimmzettelbündel wiederum sind verschnürt, beschriftet und verplombt, um deren Unversehrtheit zu gewährleisten. 14 Tage nach Feststellung des Wahlergebnisses besteht übrigens die Möglichkeit, das Wahlergebnis anzufechten. Das hat Walter Hanslok in seinen langen Berufsjahren noch nicht erlebt. "Zum Glück," wie er sagt. Genauso wenig wie eine Stichwahl. Obwohl man am Wochenende zumindest bei der Kreistagswahl schon Vorkehrungen getroffen, die Wahlbenachrichtungen wieder an die Wähler zurückgegeben hat. So hätten sie diese wiederverwenden können. Die Verwaltungskollegen in den Gemeinden mit Stichwahl beneidet Walter Hanslok wirklich nicht.











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