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Wald

Sägen oder Schützen? Das sind die Argumente im Streit um den Altenburg-Wald

Ist das ein Problem oder ist es keines? Die Altenburg bei Bamberg droht hinter einer Waldkulisse zu verschwinden.
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Auch vom Michelsberg betrachtet spitzen fast nur noch die Dächer der Altenburg über dem Waldsaum hervor. Ist es Zeit für eine Auslichtung?  Michael Wehner
Auch vom Michelsberg betrachtet spitzen fast nur noch die Dächer der Altenburg über dem Waldsaum hervor. Ist es Zeit für eine Auslichtung? Michael Wehner
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Es ist ein Traumblick, den Adelbert Fleischmann von seinem Balkon in Bamberg-Südwest genießt. Scharf zeichnet sich der Turm der Altenburg gegen den Sommerhimmel ab. Ein Mantel aus üppigem Grün umrahmt die Festung. Und dennoch: Ganz zufrieden ist der 77-Jährige nicht mit dem, was sich ihm da präsentiert: Fleischmann ärgert sich, dass die Altenburg allmählich zuwächst: "Wenn da nichts passiert, sieht man von der Burg bald nur noch den Turm."

Ganz unrecht scheint der Mann, der sein halbes Leben am Kaulberg verbrachte, nicht zu haben: Wie veränderlich die Silhouette der scheinbar unveränderlichen Burg ist, belegt die aktuelle Ansicht, wenn man sie mit früheren Aufnahmen vergleicht. Foto 1 zeigt die Burg aus der gleichen Perspektive in den 80er Jahren: Der Mauerring um die Burg war noch gut erkennbar. Noch weitaus freier stellte sich einer historischen Aufnahme zufolge die Landschaft um die Wende zum 20. Jahrhundert dar. Damals stand die Burg völlig frei. Nur Wein- und Obstbaumgärten umgaben sie.

Eine Rückkehr in die Biedermeierzeit will Fleischmann aber nicht - auch keinen Kahlschlag. Doch ein behutsames Auslichten müsse sein: "Die Altenburg sollte von der Stadt auch als Ganzes sichtbar sein - und nicht nur die Dächer!"

Neu ist das Problem von überwucherten Wahrzeichen nicht. Viele Orte in Franken sind in den letzten Jahren förmlich von der Bildfläche verschwunden, weil Wald die alten Weiden oder Äcker zurückeroberte. Der Kreuzberg bei Dörfleins, früher ein Aussichtspunkt, ist so ein Beispiel. Auch mancher Kletterberg erlitt dieses Schicksal, etwa bei Würgau.

Auf dem Hügel der Altenburg liegt die letzte Ausholzung erst 15 Jahre zurück. Damals wurde eine etwa 30 Meter breite Schneise unterhalb der Burg geschlagen, um den Blick zur Stadt wieder freizugeben. Protest gab es nicht: Niemand zweifelt offenbar daran, dass die Aussicht von der Altenburg auf Bamberg erhalten bleiben muss.

Doch haben nicht auch die Stadtbewohner das Recht, die über Bamberg thronende Burg in all ihrer Pracht zu bewundern? Diese von Adelbert Fleischmann aufgeworfene These beantwortet zumindest Dieter Bierlein vom Forstamt der Stadt Bamberg mit einem klaren Ja. Doch er weiß auch: Einfach die Sägen anzulegen - das geht auf diesem Hügel nicht. "Wir müssen uns für jeden Baum rechtfertigen, den wir an dieser Stelle rausnehmen."

Fakt ist: Der Wald rund um die Altenburg genießt als Landschaftsschutzgebiet und viel besuchter Naherholungsraum in Bamberg hohen Stellenwert, vergleichbar ist er allenfalls noch mit dem Hain. Klar ist auch: Obwohl der acht Hektar große Baumgürtel historisch betrachtet nichts anderes ist als eine wieder bewaldete landwirtschaftliche Brachfläche, gilt er juristisch als Wald. Der Rodung auch kleinster Teile sind enge Grenzen gesetzt.
Doch auch Bierlein sagt, dass die Altenburg anfängt zuzuwachsen. Er ist sich sicher: Würde in den nächsten Jahren nichts passieren, würde man in einigen Jahren von der Burg tatsächlich nur noch den Turm sehen. Er spricht auch von einem bereits bestehenden Pflegekonzept, die Burg mit Hilfe von drei Schneisen freizulegen: Richtung Stadt, Richtung Kloster Michelsberg und Richtung Südwesten solle die Burg rücksichtsvoll und in Abstimmung mit anderen Bhörden freigelegt werden. Auch die Neuanlage einer Streuobstwiese um die Burg will Bierlein nicht ausschließen. Das Problem beim einfachen Auslichten: "Man müsste das immer wieder machen. Das kostet viel Geld und bedeutet einen ständigen Eingriff in die Natur."


Schneisen bis zu 200 Meter?

Doch freilich: Die Anlage von drei waldfreien Schneisen mit einer Breite von bis zu 30 und einer Länge bis zu 200 Metern dürfte rund um die Altenburg wenig Begeisterung auslösen. Bei einer Rodung am höchsten Punkt Bambergs würde eine Protestbewegung wohl nicht lange auf sich warten lassen. Martin Bücker vom Bund Naturschutz könnte eine solche Haltung gut verstehen. Der Biologe zeigt sich skeptisch, ob tatsächlich Handlungsbedarf für den Burgwald besteht. "Solche Schneisen sind ein massiver Eingriff in einen Wald mit hoher Wertigkeit. Ich glaube auch nicht, dass die Bäume die Burg jemals verdecken werden. So hoch wachsen sie nicht."

Im Umweltamt der Stadt hat man zu dem Konflikt zwischen Denkmal- und Naturschutz eine eigene Meinung. Jürgen Gerdes, auch er Biologe, weiß nur zu gut, dass die Sichtachsen in Bamberg bei Bürgern wie Experten einen hohen Stellenwert genießen, ganz besonders der Blick zu einem geliebten Wahrzeichen. Schon deshalb könne man sich einer Zurücknahme des Waldes nicht verschließen. Dennoch ist Gerdes der Meinung, dass eine Rodung zugunsten von neuen Streuobostwiesen eher kein sinnvoller Ansatz ist. Schon heute finde man kaum noch Baumpaten für die Obstbäume am Michelsberg. Er erinnert auch daran, wie rutschgefährdet die Schichten unterhalb der Burg sind. "Eine großflächige Wegnahme von Bäumen könnte auch statische Probleme auslösen."

Werner Hipelius vom Altenburgverein kennt die quälenden Debatten um die Entfernung von Bäumen in Bamberg allzu gut. Deshalb verfolgt der Verein im 200. Jahr seiner Gründung das Thema Baumfällung rund um die Altenburg "nicht mit aller höchster Priorität". Mittelfristig, das ist Hipelius aber klar, kommt der Verein als Eigentümer des Walds um eine Entscheidung aber nicht herum: "Dass die tolle Aussicht immer mehr zuwächst - das kann es nicht sein."

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