Mit 2,5 Metern pro Sekunde ist der Wind am Burg ebracher Sportplatz alles andere als optimal. "Interessant wird das erst ab sieben Metern", erklärt Thomas Ludwig. Trotzdem wird sich das Ende November installierte Windrad hier weiter drehen. Weithin sichtbar sorgt es bei so manchem Betrachter für frischen Wind in seinen Überlegungen. Und genau das ist es, was Peter Ludwig und seine zwei Söhne erreichen wollen. Denn private Windräder haben sie ebenso wenig im Angebot wie Elektro-Autos oder Elektro-Roller, geschweige denn komplette Carports mit Solardach obendrauf. Dennoch liegt es Peter Ludwig (56) und seinen Söhnen Thomas (30) und Markus (27) am Herzen, die gesamte Palette an Möglichkeiten der regenerativen Energie-Erzeugung beziehungsweise Nutzung vor Ort zu haben. "Wir sind von der regenerativen Energie überzeugt", sagt der Senior, "und das nicht erst seit der Energiewende."

Peter Ludwig war einer der ersten, der eine Photovoltaik-Anlage auf sein privates Hausdach hat setzen lassen. Jetzt kommt er doch auf Energiewende zu sprechen. Mit der politisch beschlossenen Abkehr vom Atomstrom und der Hinwendung zur regenerativen Energie sei es nicht getan, meint Ludwig. Er sieht vielmehr den Einzelnen gefordert. Sinnvoll ist es seiner Auffassung nach, dass der einzelne Haushalt möglichst energieautark wird. Mit Windrad, Solarzellen, Elektroauto. Denn mit den großen Windrädern, die doch irgendwie Landschaft verschandeln, kann sich der Marktgemeinde- und Kreisrat nicht so recht anfreunden.

Am besten sei es, selbst Vorreiter zu sein. Deswegen probiert die Familie die entsprechenden Produkte aus. Um in der Praxis zu testen, was sie wirklich bringen. Aber auch damit andere die Sachen sehen, anfassen, ausprobieren können. "Wir wollen Hemmschwellen abbauen und Vorreiter sein", fasst Peter Ludwig zusammen. Ihm und seinen Söhnen geht es außerdem darum, die Entwicklung am Objekt mitzuverfolgen und dadurch in der Lage zu sein, mitzureden. Und zwar so, "dass man ehrlich etwas sagen kann", unterstreicht der Seniorchef.
Ludwigs Elektrofirma hätte keinen Elektro-Lieferwagen gebraucht. Der hat in der Anschaffung fast das Dreifache eines anderen gekostet. Aber es geht dabei eben um die Philosophie der Familie. Sie und die Mitarbeiter nutzen den Elektro-Lieferwagen intensiv. 140 Kilometer weit kommt der Renault mit der Energieladung vom Solar-Carport, wenn dieses einen schönen Sonntag lang beschienen wurde, so Markus Ludwig. 15,5 Kilowattstunden bringen den Wagen 100 Kilometer weit. Der Elektro-Kangoo ist bislang das einzige E-Mobil in der Marktgemeinde. Nach Wunsch der Ludwigs soll sich das ändern. Zu Werbezwecken in Sachen Elektromobil fährt Seniorchef Ludwig meist selbst damit. Er ist aber auch Realist: "Um nicht zu viel Energie zu verbrauchen, haben wir kein Radio einbauen lassen", erklärt er schmunzelnd. Wieder ernst geworden, verweist er auf die Erfahrung, dass Elektro-Fahrzeuge eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern: "Man hört sie nicht, es surrt ja nur ein bisschen." Sicherheitshalber hupt Peter Ludwig an Kreuzungen, wenn er meint, Ältere oder Kinder auf das herannahende Fahrzeug aufmerksam machen zu müssen.

Aufmerksamkeit wird den Herren Ludwig allerdings zuteil, wenn sie mit einem der beiden Elektro-Roller aufkreuzen. Die sind zwar nur 50 Stundenkilometer schnell, sehen dafür aber aus wie Chopper.
Chopper-ähnliche elektrobetriebene Motorroller anzuschaffen, "das war die Idee meines Vaters", erklärt Markus mit Verweis auf dessen Leidenschaft für Motorräder. 80 Kilometer weit kommt man mit einer Ladung. "Auf Windrad, Roller und Auto werden wir immer angesprochen", berichtet Thomas. Genau das ist es, worum es den Ludwigs geht.