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Bamberg
Kultur

Vorhang auf für die Corona-Bühne: Hilfe für freischaffende Künstler während der Krise

Freischaffende Künstler trifft die Corona-Krise besonders hart. Hier bieten wir ihnen eine Auftrittsmöglichkeit und bitten um ein bisschen "Eintrittsgeld".
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"Ich möchte etwas zurückgeben", wendet sich Christiane Schuster an den FT. Die 77 Jahre alte, pensionierte Lehrerin schätzt die Bamberger Kulturszene sehr. Bis zu 200 Euro gebe sie jeden Monat für Kino, Theater und Konzerte aus. Normalerweise. Nun müsse sie "untätig zusehen, wie aufgrund des Corona-Virus viele Künstler um ihre Existenz kämpfen müssen".

Da Schuster derzeit mehrere Stunden am Tag mit ihren Bekannten und Ex-Kollegen telefoniere, ist sie überzeugt: "So wie mir geht es vielen Ruheständlern, die normalerweise allerhand Geld für Kultur ausgeben. Warum spenden wir es nicht für Personen, die es dringend bräuchten? Ich denke hier vor allem an freischaffende Künstler."

Die Idee

Die tolle Idee von Christiane Schuster wollen wir nun aufgreifen - mit unserer "Corona-Bühne": Der FT stellt den Bamberger Kulturschaffenden ab sofort mit seiner Facebook-Seite und der Homepage inFranken.de eine reichweitenstarke Auftrittsmöglichkeit zur Verfügung. Egal ob gefilmte Theaterszenen, Lyrik oder Kabarett, Einblicke in die künstlerische Arbeit im Home-Atelier, Hörspiele, Fotoserien oder Texte: Dem kreativen Ausdruck sind keine Grenzen gesetzt - außer der Ausgangsbeschränkung. Wenn einem Zuschauer die Darbietung gefällt, kann er seiner Dankbarkeit mit einer Spende direkt auf das Konto des Künstlers Ausdruck verleihen.

Der erste Beitrag

Den Anfang macht die Schauspielerin, Kinderbuchautorin und Sprecherin Marilena Lippmann. Sie wäre jetzt eigentlich in Schottland, bei einem Kurzfilmdreh, erzählt die 29-Jährige resigniert. Auch ihre Auftritte in Bamberg fallen aus. Unter anderem waren ein Stück mit dem "Wildwuchs-Theater" und mehrere Termine mit dem Improvisationstheater "Ernst von Leben" geplant. "Das fällt natürlich alles weg. Wahrscheinlich auch spätere Termine - wir können ja nicht proben."

Einige der Auftritte wären nicht schlecht bezahlt gewesen. "Ich hatte gehofft, nun richtig in der Kulturszene Fuß zu fassen", sagt Lippmann. Stattdessen knickt auch noch ihr zweites Standbein ein: Sie arbeitete in der Bamberger Gastronomie - wurde nun aber wegen der Ausgangsbeschränkung gekündigt. "Für den April bekomme ich noch Gehalt, danach wird's eng", sagt sie. Viele Bamberger Kulturschaffende haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Die unfreiwillige Freizeit nutzt Lippmann nun, um liegengebliebene Projekte zu verwirklichen. Vor allem will sie eines ihrer Kinderbücher - "Der kleine Kobold Levi und das geheime Dorf" - einsprechen. Es geht um ein Elfendorf, in dem jedes Fabelwesen eine feste Aufgabe und Bestimmung hat. Nur der Kobold Levi weiß nicht recht, wie er hineinpasst. Lippmann hat sich vorgenommen, ihr Hörbuch, geeignet für Kinder ab der Grundschule, während der Ausgangsbeschränkungen fertig zu stellen.

Eine Szene aus dem Buch gibt es hier ab sofort auf der Corona-Bühne zu hören. Dort trifft Levi bei einem Waldspaziergang auf feurige Sonnenfüchse.

Ihnen hat die Geschichte gefallen? Spenden Sie an:

Marilena Lippmann

Commerzbank Bamberg

DE43 7704 0080 0203 1144 00

COBADEFFXXX

So funktioniert die Corona-Bühne

Was ist die Corona-Bühne? Der FT stellt mit seiner Facebook-Seite und seiner Homepage inFranken.de den Künstlern eine reichweitenstarke Möglichkeit zur Verfügung, virtuell aufzutreten. Videobeiträge, Fotoserien, Audio-Aufnahmen, Texte und andere Ideen sind willkommen. Die Zuschauer können direkt an den Künstler spenden. Gema-pflichtige Musik ist nicht möglich. Die Beiträge werden von uns geprüft. Wer kann mitmachen? Das Angebot richtet sich an freischaffende Künstler aus Bamberg und dem Landkreis. Und wie? Die Künstler schicken ihre Beiträge, eine kurze Erklärung zu ihrer Situation und Kontodaten für Spenden per Email an redaktion.bamberg@infranken.de (Stichwort: Corona-Bühne). Wann geht's los? Jetzt, mit einer Szene aus dem Buch "Der kleine Kobold Levi" von Marilena Lippmann. Weiter geht es am Dienstag, 7. April, mit einem lyrischer Frühlingsspaziergang im Hain von Martin Neubauer. Er ist Rezitator und Leiter des Brentano-Theaters in Bamberg.

Kommentar von Markus Klein:Sowas von systemrelevant

Was wären wir gerade jetzt bitte ohne Kunst? Bücher, Filme, Musik? Künstler unterhalten uns, regen uns zum Nach-, Um- und Neudenken an. Und sie helfen uns nun durch die Ausgangsbeschränkung, bringen frischen Wind in die stickige Heizungsluft. Doch gerade Künstler trifft die Krise hart: kein Kino, kein Konzert, kein Theater. Das zweite Standbein heißt oft Gastronomie oder freie Lehre. Auch das bricht weg. Deshalb meine Bitte: Unterstützt Eure Künstler vor Ort, so gut Ihr könnt! Lasst die, die Euch so viel geben, jetzt nicht im Regen stehen - so, wie es die Staatsregierung tut. Zwar war zunächst die Freude groß über die von Wirtschaftsminister Aiwanger angekündigte "Corona-Soforthilfe". Ein Betroffener erzählte mir, dass er sogar von Kollegen aus anderen Bundesländern dafür beneidet wurde. Doch nach nur zehn Tagen kam die Auflage, dass nur Künstler (und Lehrende) mit "eigener Betriebsstätte" einen Anspruch haben. Also so gut wie kein freischaffender Künstler. Deshalb auch eine Bitte an die Staatsregierung: Lasst nicht zu, dass unsere vielfältige Kulturlandschaft vertrocknet, wenn Corona verschwindet! Denn Kunst ist sowas von systemrelevant.