Bamberg
Ermittlungen

Vorfall in Asylunterkunft in Bamberg: Kommt Licht in Randale-Nacht?

Weiter sitzen vier Bewohner der Anker-Einrichtung in U-Haft. Sie sollen im Dezember Sicherheitskräfte brutal attackiert haben. Doch wird auch gegen Sicherheitsleute ermittelt.
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Am 11. Dezember 2018 war es zu einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr in der Anker-Einrichtung in Bamberg gekommen. Die Ermittlungen nach dem tätlichen Angriff auf Sicherheitsleute und Polizisten dauern an. Doch sind auch Sicherheitskräfte Vorwürfen ausgesetzt. Foto: News 5/Merzbach
Am 11. Dezember 2018 war es zu einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr in der Anker-Einrichtung in Bamberg gekommen. Die Ermittlungen nach dem tätlichen Angriff auf Sicherheitsleute und Polizisten dauern an. Doch sind auch Sicherheitskräfte Vorwürfen ausgesetzt. Foto: News 5/Merzbach

Auch über zwei Monate nach einer heftigen Auseinandersetzung und einem Brand in der Bamberger Anker-Einrichtung (AEO) mit elf Verletzten und hohem Sachschaden sind die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kripo Bamberg noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler müssen Licht in die dunkle Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2018 bringen, in der es laut Bericht der Polizei zu Randalen einiger Bewohner gekommen war, nachdem Securitykräfte eine Ruhestörung unterbinden wollten. 100 Polizisten und 60 Feuerwehrkräfte waren damals im Einsatz.

Die Sicherheitskräfte sollen massiv mit Pflastersteinen beworfen, ein Polizist soll mit einer Eisenstange attackiert worden sein. Die Situation muss sehr unübersichtlich gewesen sein. Schwierig scheinen auch die Ermittlungen zu sein.

Ermittlungen in alle Richtungen

Offiziell gibt es keinen neuen Ermittlungsstand. Weiterhin sitzen laut Angaben des Oberstaatsanwalts Matthias Bachmann vier aus Eritrea stammende Hauptverdächtige in U-Haft. Der Vorwurf: versuchter Totschlag und schwere Brandstiftung. Doch wird inzwischen auch gegen zwei beteiligte Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ein Ermittlungsverfahren geführt, wie Bachmann auf Nachfrage weiter mitteilt. Der Vorwurf: versuchte gefährliche Körperverletzung und vorsätzliche Körperverletzung.

Schon einmal wurden Kripo und Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Bewohner der AEO aktiv: Die Behörden ermittelten nach zwei tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern und dem Sicherheitspersonal in der Kantine der Einrichtung im September 2017 auch gegen mehrere Sicherheitsmitarbeiter eines inzwischen nicht mehr in der AEO beschäftigten Subunternehmens wegen gefährlicher Körperverletzung.

Doch diese Ermittlungen wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt, da "ein Tatnachweis für ein strafbares Verhalten nicht mit einer für eine Anklageerhebung hinreichenden Sicherheit zu führen war", wie es von der Staatsanwaltschaft hieß - es waren damals keine objektiven Beweise für die geschilderten Abläufe zu erlangen. Und die Angaben der Beteiligten waren widersprüchlich.

Für die Angriffe auf einen Polizisten mit einer Eisenstange und weitere Randale am 11. Dezember 2018 soll es dagegen laut Informationen dieser Redaktion objektive Beweise vor allem in Form eines Videos geben - ob sich der Vorwurf gegen den Sicherheitsdienst auch objektiv belegen lässt, ist momentan nicht bekannt.

Zeuge abgeschoben?

Wie der bayerische Flüchtlingsrat in einer aktuellen Pressemitteilung schreibt, sollen die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts, als sie die private Feier eritreischer Flüchtlinge beendet hatten, die AEO-Bewohner auch geschlagen haben. Darüber soll bereits ein Zeuge, der nicht in das Geschehen involviert war, eine schriftliche Aussage an die Staatsanwaltschaft geschickt haben.

Nun fürchtet der bayerische Flüchtlingsrat allerdings, dass diese Spur nicht weiter verfolgt werden kann: Denn der Flüchtling soll am vergangenen Mittwoch, zwei Tage bevor er angeblich polizeilich als Zeuge vernommen werden sollte, im Rahmen des Dublin-Verfahrens in die Schweiz abgeschoben worden sein. Diese Information des Flüchtlingsrats konnte die Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage "nach dem hier vorliegenden Kenntnisstand" allerdings nicht bestätigen.

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