Bamberg
Fasching

Von "Kölle alaaf" zum fränkischen Frohsinn

Während vor ihrer Tür der Gaudiwurm lärmte, versuchte sich eine Kölner Komödiantin am Faschingsdienstag in ihrer Bamberger Wohnung zu konzentrieren. Aus Spaß wurde Ernst für Heidi Friedrich, kurz vor der Premiere ihres neuen Kabarettprogramms.
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Komödiantin Heidi Friedrich. Foto: PR
Komödiantin Heidi Friedrich. Foto: PR
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Konzentration. Heidi Friedrich spitzt die Feder, um einer Pointe noch mehr Biss zu geben. - Draußen vor der Tür formiert sich der Gaudiwurm. Helau! - "High Noon: Man hört den Faschingszug, bevor man ihn sieht", meint die Anwohnerin, die sich an der Weide alle Jahre wieder im Zentrum des Spaßgeschehens wiederfindet. Für die Kabarettistin normalerweise kein Problem. Nur begann in der "fünften Jahreszeit" diesmal der Countdown für "Schwindelfrei": Ja, in wenigen Tagen feiert das neue Programm der rheinischen Frohnatur Premiere. Also lediglich ein kurzer Blick aus dem Fenster und gleich zurück an die Arbeit, während andere mit Jubel, Trubel und Heiterkeit dem Höhepunkt der närrischen Zeit entgegen rollen.

Kürzen, eine Wortwiederholung streichen, einen Gag noch treffender formulieren. Die Uhr tickt, in einer Stunde beginnt die nächste Probe. - Helau! - Kein Pardon für die Berufshumoristin, nachdem man auch draußen Ernst macht mit dem Spaßgeschehen. Schließlich ist's Faschingsdienstag. "Stünde unser Haus in Köln, könnte ich zumindest Fensterplätze vermieten, teure Fensterplätze."


Als Kind schon "indoktriniert"

In jedem Rheinländer steckt doch ein Karnevalist. "Richtig", meint Heidi Friedrich. Zumal es für Faschingsmuffel kein Entrinnen aus einem Faschingsmekka gibt (anders als in Franken). "Kölner müssten schon in die Alpen zum Skifahren flüchten oder an einem Rosenmontag eben nach Bamberg fahren und über die Hauptwachstraße laufen."

Indes wird in den Fastnachtshochburgen bereits der Nachwuchs auf organisierten Frohsinn getrimmt. "Jahrelang, zumindest während deiner gesamten Kindheit, wirst du indoktriniert. Ich beispielsweise kann 50 Karnevalslieder singen, die ich nicht mal zu kennen meinte."


Tscherner auf 'nem Trecker statt weiße Pferde

So entwickelt sich jeder Kölner zwangsläufig zur Pappnase. Wie empfindet ein Rheinländer dieser Prägung aber die Bamberger Version der närrischen Tradition? "Nun, Norbert Tscherner auf 'nem Trecker ersetzt keine 300 blauen Funken auf weißen Pferden", meint Heidi Helene Friedrich. Ebensowenig seien gigantische Musikboxen auf Reklamewagen mit 4000 Blaskapellen zu vergleichen. "Aber genauso fassungslos sitzt der Franke in Köln vor einem Kölsch und denkt sich: Bier ist was anderes. Von daher wären wir quitt."

Ein gewisser "Karneval-Blues" beschleicht die Rheinländerin dennoch in der "fünften Jahreszeit". Wehmut, wenn sie sieht, wie man das typische Kölner Gedeck (Kölsch und Mettbrötchen) zur "Weiberfastnacht" auf Speisekarten setzt, es Gäste aber gänzlich ignorieren. "Mein Fazit: Karneval kann man nicht importieren. Ich muss ihn hier alleine stilecht feiern (geht gar nicht) oder eben nach Köln fahren."

Versteht die Humoristin somit Franken, die die "fünfte Jahreszeit" strikt ablehnen? Nein, das führt ihr doch entschieden zu weit. "Der Karneval wird gerne von Menschen belächelt, die so tun, als würden sie von morgens bis abends nur Arte gucken, Balzac lesen und Satie hören", sagt die Wahlbambergerin. "Dabei kann man auch ,Drink doch ene mit' singen, ohne gleich eine intellektuelle Bankrotterklärung abgeben zu müssen." Mit Fußball verhalte es sich ähnlich, "drum macht es mir einen Heidenspaß, in meinem neuen Programm einen Fußball-Kommentar für Arte-Zuschauer zu präsentieren. Wenigstens muss da keiner Angst haben, dass er unter seinem Niveau lacht."

So reiht sich H. H. Friedrich letztendlich irgendwo zwischen fränkischen Faschingshassern und Rheinländern ein, "die sich zu einer Art Ganzjahreskarneval berufen fühlen", wie es die Komödiantin nennt. "Die glauben, wo sie gehen und stehen Feierstimmung verbreiten zu müssen. Leiden sie unter einer Art Tourette-Syndrom der guten Laune? Naja, eigentlich leidet eher die Umgebung ..."

Zurück an die Arbeit! "Seit 20 Jahren mache ich nun Kabarett, seit 25 stehe ich auf der Bühne. Aber statt vieles entspannter zu sehen, werde ich nur selbstkritischer", sagt Friedrich. "Vieles ist Übungssache, natürlich. Als Neuling schreibt man jedoch unbefangener: Einmal kurz über ein Manuskript schauen - schon geht's auf die Bühne."


Ab 16. Februar "Schwindelfrei"

Ja, und auf die Bühne geht's für die Kölnerin mit "Schwindelfrei" erstmals am 16. Februar. Der Bamberger Premiere am 21. Februar folgt am 24. Februar (ab jeweils 20 Uhr) eine weitere Vorstellung im Jazzkeller. Dabei widmet sich Friedrich Kühlschränken, die Verfallsdaten per SMS schicken, und manchem mehr, mit dem Marketingstrategen und Politiker das Volk verdummen. Dazu Tanzeinlagen - und wer noch mehr wissen möchte, sollte sich unter www.h-h-friedrich.de im Netz umsehen.
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