Bamberg
Temperaturen

Von Hitze- und Kälteinseln in Bamberg

Eine 24-Stunden-Messung belegt die kühlende Wirkung von Bäumen. Im Hauptsmoorwald und im Hain war es in den heißesten Stunden des Tages deutlich kühler als in der Stadt.
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Brütende Hitze herrschte zum Zeitpunkt der Messung auf dem Bamberger Maxplatz - hier wurde der Juni-Rekord von der Wetterwarte noch einmal um ein Grad übertroffen.   Foto: R. Rinklef
Brütende Hitze herrschte zum Zeitpunkt der Messung auf dem Bamberger Maxplatz - hier wurde der Juni-Rekord von der Wetterwarte noch einmal um ein Grad übertroffen. Foto: R. Rinklef
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Am bisher heißesten Tag des Jahres 2019 hat die Initiative Hauptsmoorwald an verschiedenen Orten in Bamberg Temperaturmessungen durchgeführt, um auf die Bedeutung des Erhalts städtischer Grün- und Waldflächen hinzuweisen.

Gemessen wurde über einen Zeitraum von 24 Stunden stündlich vom Mittwoch, 26. Juni, um 12 Uhr bis zum Donnerstag, 27. Juni, um 12 Uhr. Messorte waren Punkte auf dem Maxplatz, im Hain (beim Bootshaus), in der Pödeldorfer Straße nahe der AOK und am Rande des Hauptsmoorwalds in der Verlängerung der Moosstraße. Als Referenz diente die Wetterstation Bamberg in der Südflur. Aus den Ergebnissen dieses "Messmarathons", betreut vom Meteorologen Thomas Foken, geht hervor, dass die Temperaturdifferenz innerhalb der Stadt zu bestimmten Tageszeiten über fünf Grad Celsius betragen kann.

Um acht noch 34 Grad!

So ergab sich um 20 Uhr für den Bamberger Maxplatz eine Temperatur von noch 34,1 Grad Celsius, während zu diesem Zeitpunkt die Werte am Rand des Stadtpark Hain bereits auf 28,5 Grad Celsius abgekühlt waren. Der Temperaturunterschied zur Bamberger Südflur beträgt in den Abendstunden sogar bis zu sieben Grad Celsius.

 

Hitze in den Innenstädten

"Die Temperaturunterschiede an den einzelnen Standorten sind in der Messung gut nachzuvollziehen und zeigen die typische Bildung von Hitzeinseln in den Innenstädten. Hinzu kommt, dass die gemessene Lufttemperatur oft nicht dem Wärmeempfinden des Menschen entspricht. Wird die Sonneneinstrahlung von hellem Untergrund oder Hauswänden reflektiert, empfindet man die Situation, beispielsweise am Maxplatz, als noch heißer, als sie ohnehin schon ist", beschreibt Klimaforscher Foken Details der Messergebnisse.

Spitzenreiter bei der Temperatur war - nicht allzu überraschend - mit 36,8 Grad der Maxplatz. Die Daten zeigen darüber hinaus, dass kaum ein Unterschied zwischen den Temperaturen in der Innenstadt und dem relativ dicht bebauten Bamberger Osten besteht - an beiden Stellen wurden Temperaturen deutlich um oder über 36 Grad gemessen. Deshalb sei die Frischluftzufuhr des direkt angrenzenden und großflächigen Hauptsmoorwaldes so wichtig. Glaubt man einem Wetterdienst-Gutachten und der Einschätzung von Foken würde sich der Kaltluftvolumenfluss des Bamberger Ostens um rund ein Drittel reduzieren, würde die Muna bebaut.

Natürliche Kältezonen

Die Initiative sieht sich durch die Mess-Ergebnisse in ihrem Eintreten für den Schutz des Munawaldes bestätigt. Waldbereiche seien natürliche Kältezonen in der Stadt, ein wichtiger Puffer, der die Aufheizung der dicht bebauten Innenstadtbereiche abmildere. "In den letzten Tagen haben viele Menschen gespürt, welchen Unterschied Temperaturdifferenzen von fünf Grad Celsius in der Nacht im Hinblick auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität ausmachen. Wir müssen in Bamberg dafür kämpfen, die wenigen Grünflächen zu bewahren und durch zusätzliches Stadtgrün zu erweitern", fasst Jonas Glüsenkampf von der Bürgerinitiative die Ergebnisse zusammen.

Kiefernsterben im Landkreis

Erich Spranger, Zweiter Vorsitzender des Bund Naturschutz Bamberg , weist auf die dramatischen Folgen des Klimawandels nicht nur im Hinblick auf die stark steigende Zahl der Hitzetagen hin: "Aufgrund von Trockenheit und Wärme beginnen im Landkreis die Kiefern abzusterben. Im Bamberger Hain sind sogar etliche ältere Buchen verdörrt." Spranger kritisiert, wie wenig die Politik sich dieser ernsthaften Bedrohungen annimmt. "Außer Ankündigungen für die ferne Zukunft passiert leider in der großen Politik in Sachen Klimaschutz nichts. Und in der Lokalpolitik trauern einzelne Stadträte immer noch der Gewerbegebietsplanung im Hauptsmoorwald nach, bei der über 50 Hektar Wald gerodet worden wären."

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