Hirschaid
Faschingsumzug

Vom Regnitztal bis in den Orbit

Mit 54 Zugnummern zu unterschiedlichsten Themen war der Gaudiwurm in Hirschaid dieses Jahr so lang wie noch nie.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bunt und  fröhlich ging es zu beim Faschingszug in HirschaidWerner Baier
Bunt und fröhlich ging es zu beim Faschingszug in HirschaidWerner Baier
+26 Bilder

Gott sei Dank hat es am Sonntagnachmittag aus den fetten grauen Wolken über Hirschaid nur Zuckerstüggla und Konfetti geregnet. Petrus hat ein Einsehen mit den Fosernochtern und hält dicht. So brauchen die nach Tausenden zählenden Spaliersteher nur "Bienchen gib mir Honig" zu rufen und schon ist eines der vielen Summbienchen, kessen Bienchen, fleißigen Bienchen oder Sabinchen zur Stelle und spendiert eine Tüte Blumenwiesensamen, ein Stamperl Schnaps, einen Becher Bier oder gar Schampus. Dazu ein fröhliches "Häschaad Helau", harte Beats oder Schunkelmusik und es dauert nicht lange, bis die gute Laune der Foserlecken überspringt auf die aus nah und fern herbeigeeilten Zuschauer.

Und die brauchen ihr Kommen nicht zu bereuen, denn 54 Zugnummern sind für Hirschaid nicht nur ein neuer Rekord. Auch die Qualität der "Darbietungen" lässt beim Exkurs durch die kleine Welt des Regnitztals bis in den Orbit nichts zu wünschen übrig. Es dauert über zwei Stunden, bis der Zug auf den Festplatz vor der Regnitzarena einschwenkt, wo sogleich eine Riesenparty für Jung und Alt steigt.

Dem Hofmarschall an der Spitze des Faschingsumzugs folgen die Fosernochter mit dem zum "Bierkeller-Flitzer" geschrumpften Gämaaflitzer, der mangels Zuspruchzum Auslaufmodell geworden ist. Tolle Idee, die Biergärten in Ost- und Westhirschaid mobil zu vernetzen.

Bemannte Welteraumfahrt

Ein weitaus schnelleres Transportmittel ist gleich zweimal vertreten: klar, 50 Jahre nach der ersten Mondlandung. Während die Jugendfeuerwehr im Astronautenlook schon mal den Einsatz von Löschkanonen am Feuerschweif probt, will die DPSG St. Vitus mit ihrer "Hirschaid one" ein bemanntes Experimente starten: "Klaus Homann auf den Mond - Weltraumforschung, die sich lohnt!" Von wegen "planlos durch das All"!

Der Erste Bürgermeister kommt jedoch zu Fuß des Weges und verteilt allerlei Leckerli an seine Fangemeinde. Und gleich dahinter empfiehlt sich der Gemeinderat mit einem Geniestreich: "Ka Brück´n mehr - a Floß muss her". Gut, dass sich die Damen und Herren vom Gämaarod schon Gedanken machen, wie Regnitz und RMD-Kanal überwunden werden können, wenn die baufälligen Brücken in naher Zukunft zerbröseln.

Dampflok für Röbersdorf

Auch die "Queckenpelzer" von der Regnitzau mit ihrem 30 Jahre alten Männerballett greifen das Thema auf. Sie schwärmen von einer Umgehungsstraße, möchten aber - ganz die Teufelskerle - weiterhin zwischen Häschaad und Süsslfoä pendeln. Wer sich querstellt, wird dreizackig aufgespießt.

Die "Faschingsmuffel vo Glaabuffld" allerdings fürchten sich vor neuen Bedrohungen: "Mit Trump als Nachbar ist´s a Schauer, drum bau´n wir unsre eigene Mauer". Zur Abwehr wird ein Minipanzer eingesetzt und zur Verstärkung eine Kompanie Mexikaner. Da soll mal einer Kleinbuchfeld abgrenzen wollen, lieber spendieren sie Tequila am laufenden Meter von ihrer Trumpbar.

Röbersdorf freut sich schon auf seine neue Ortsdurchfahrt, selbst wenn das Auto momentan unter die grünen Räder geraten ist. Der Ausweg: "Die Politik will keinen Diesel mehr, deswegen kommen wir mit Dampf daher!", posaunen die Röbersdorfer und rollen eine riesige Express-Dampflok mit Tender durch Häschaad.

"Rettet Bier und Wein"

Keine Frage, Umweltschutz bewegt die Gemüter. So fordern die "Containerfreunde am Nussgarten": Rettet die Landwirtschaft und macht sie nicht zum Sündenbock, denn da steht einiges auf dem Spiel: Gerste/Bier, Mais/Whiskey, Trauben/Wein, Kartoffeln/Wodka. Und zumindest im Faschingszug sind Landwirtschaft und Bienen gar kein Widerspruch. Die "Six Pack Ladies" rufen denn auch schon den Wettbewerb "Germanys next Top-Biene" aus und präsentieren Frauen-Power.

Der Stammtisch "Hirschaider Löwen" plädiert für Mehrweg und weniger Plastik im Meer. Denn: "Fischers Fritz fischt ... altes Plastik". Nichts zum Anbeißen! Fast nichts, denn zum Glück hat man ja Wurscht aus heimischer Fabrikation. Und wer weit genug den Schnabel aufmacht, bekommt prompt ein Böhmsches Wienerla zwischen die Zähne gestopft. Die sind fix da, die Metzgersfrauen am rollenden Wursttrog.

Nackte Tatsachen

Auch Schmutz im Internet kann Spuren hinterlassen. Deshalb die Warnung des TSV Hirschaid: "Passwörter sind wie Unterwäsche - Du musst sie ständig wechseln". Andernfalls tauchen unversehens nackte Tatsachen auf und man bekommt rote Ohren, wenn es glimpflich abgeht. Freilich kann man heute auf vielfältige Weise Kontakt knüpfen, was der Stammtisch "Büchsn Kutschn" mit "Tsucht & gfunna" illustriert. Da kommt ganz was Schönes ins Rollen. Und a Ständerla gibt's dazu vom 120 Jahre jungen Gesangverein, der sich selbst nur gute Noten schreibt: "Kultur zerrinnt, wenn keine Note klingt". Das walte Gott!

Die "Danzfreggä" wiederum "grom" sich durch Häschaad und decken die Skandale auf. Gut, dass der Effdee mit kontinuierlicher Berichterstattung immer wieder Zündstoff liefert, aber alles erfahren die rasenden Reporter scheinbar doch nicht. Zum Beispiel nicht den skandalösen Wechsel der Brauerei im Vereinsheim. Gleich sitzen die Fußballer auf dem Trockenen, wenn überhaupt noch Stühle da sind.

Über allem thront noch bis zum Aschermittwoch das Hirschaider Prinzenpaar Martin I. und ihre Lieblichkeit Alexandra I., das mit seinem Elferrat die Huldigungen des Narrenvolkes entgegennimmt. Zum Ausschank gelangt hier der Siebenschläfertropfen, wahrscheinlich so was wie Beruhigungstee aus Hirschaider Leitungswasser.

Und dann gab es noch viele Kleingruppen aus putzigem Häschaadä Gämüs, Wikingern mit Ponykutschen und schneidigen Tanzformationen. Das alles musikalisch auf Trab gebracht vom Hirschaider Blech und den Pettstadter Musikanten. Häschaad Helau!

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren