Bamberg
Mobilität

Vision einer autofreien Stadt

Wie kommt der Bamberger zukünftig von A nach B? Im Interview beantwortet Peter Scheuenstuhl, der Leiter des Verkehrsbetriebs bei den Stadtwerken, Fragen von Bürgern im Rahmen der Denkwerkstatt 2050.
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Die Stadtwerke haben sich über die Mobilität in der Zukunft einige Gedanken gemacht, sagt Peter Scheuenstuhl, der Leiter des Verkehrsbetriebs bei den Bamberger Stadtwerken.  Foto: Sebastian Schanz
Die Stadtwerke haben sich über die Mobilität in der Zukunft einige Gedanken gemacht, sagt Peter Scheuenstuhl, der Leiter des Verkehrsbetriebs bei den Bamberger Stadtwerken. Foto: Sebastian Schanz

Bamberger Erwachsene und Jugendliche haben mit Blick auf 2050 die Vision einer autofreien Stadt entwickelt. Ergebnis dieser Denkwerkstatt auf Einladung der Volkshochschule Bamberg Stadt (VHS) und der Mediengruppe Oberfranken (MGO) war ein Plädoyer für einen besseren Öffentlichen Nahverkehr. Peter Scheuenstuhl, der Leiter des Verkehrsbetriebs bei den Bamberger Stadtwerken, beantwortet die Fragen der Bürger. Herr Scheuenstuhl, unter welchen Voraussetzungen wäre ein kostenloser Busverkehr in Bamberg denkbar? Peter Scheuenstuhl: Kostenloser Busverkehr hat natürlich eine gewisse Attraktivität und würde mit Sicherheit dazu beitragen, dass mehr Personen den Bus nutzen würden. Auf der anderen Seite muss natürlich gesehen werden, dass wir Erlöse unter anderem aus dem Verkauf von Fahrscheinen generieren, die kompensiert werden müssten. Zum Zweiten ist zu beachten: Wenn mehr Leute fahren, muss ich auch meine Personal- und Fahrzeugkapazitäten erweitern. Hierdurch entstehen selbstverständlich weitere Kosten.

Wie hoch wären die Kosten?

Aus meiner Sicher wären zirka zehn Millionen Euro pro Jahr erforderlich, um kostenloses Busfahren zur Verfügung zu stellen. Wenn man das mal auf die Bevölkerungszahl umrechnet, müsste jeder Bamberger Bürger im Monat zwölf Euro bezahlen, um diese Kompensation herbeizuführen. Dabei muss man sehen, dass die kommunalen Finanzen angespannt sind. Wenn so etwas kommen soll, wären aus meiner Sicher insbesondere Bund und Land gefragt, um die Kommunen dafür auszustatten. Wie viele Haltestellen gibt es im Bamberg?

Wir haben im Stadtgebiet Bamberg 238 Haltestellen mit 418 Bussteigen. Zur Erklärung: Ich habe beispielsweise eine Haltestelle Zentraler Omnibusbahnhof mit 16 Bussteigen. Bei der aktuellen Planung geht man davon aus, dass mindestens 80 Prozent der Bevölkerung in einem Haltestellenabstand von 300 Metern Luftlinie zu erreichen sind. Das ist mit unserem Liniennetz aktuell gewährleistet.

Wie dicht muss aus Ihrer Sicht ein Haltestellennetz sein?

Dabei stellt sich die Frage: Wie wird das Nutzerverhalten verändert? Je dichter ich ein Haltestellennetz mache, also je kleiner der Haltestellenabstand wird, desto größer wird auch die Reisezeit. Ich muss mehr Haltestellen anfahren, ich brauche länger, um von A nach B zu kommen. Dadurch verändert sich also die Attraktivität des Angebots für den Kunden. Und wenn sich die Reisezeit verlängert, insbesondere im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr, wird der Kunde eher geneigt sein, nicht Bus zu fahren. Also muss man hier einen Mittelweg finden.

Stichwort Elektro- und Wasserstoffantrieb: Gibt es Tests in diese Richtung?

Wir hatten in der Vergangenheit zwei Elektrobusse in Bamberg und haben einen Testbetrieb durchgeführt. Aber man braucht natürlich nicht nur einen Bus, sondern auch betriebliche Voraussetzungen. Hier stellen sich die Fragen: Wie schaut meine Ladeinfrastruktur aus? Welche Technologie ist für Bamberg die richtige? Das Ergebnis unserer Analyse: Mit der aktuellen Batterietechnologie könnte man unter unseren Einsatzbedingungen derzeit acht von 53 Tageseinsätzen mit einem Elektrobus abdecken. Wenn ich unsere Zusatzheizung fossil betreiben würde, könnte ich schon 21 Tageseinsätze abdecken. Aber ich glaube, wenn man elektrisch sagt, dann vollständig elektrisch. Wie geht es bei diesem Thema weiter?

Der nächste Schritt der Batterietechnologie wird voraussichtlich 2021 erfolgen, da würde man schon einen größeren Teil abdecken können. Wir favorisieren die Nutzung von Depotbatterien - das heißt, tagsüber fahren, nachts laden. Doch wir haben in Bamberg ein ganz praktisches Problem: die Linienführung durch die Zollnerunterführung. Ein Elektrobus ist 3,40 Meter hoch, die Zollnerunterführung nur 3,30 Meter. Und ungefähr 40 Prozent unseres Verkehrs läuft durch die Zollnerunterführung. Würden wir andere Routen wählen, etwa über die Memmelsdorfer Straße, würde das würde schon über 100 000 Kilometer im Jahr mehr bedeuten. Hinzu kommt, dass die Werkstatt für die E-Busse ganz anders ausgestattet werden müsste. Man müsste also in die Gebäudeinfrastruktur und in die Arbeitsplätze investieren: geschätzte 130 000 bis 310 000 Euro. Das sind enorme Kosten, was aber nicht heißt, dass wir uns davor verschließen. Wir müssen die Studien vertiefen.

Wann sind für Sie autonom fahrende Rufbusse in Bamberg vorstellbar? Aus unserer Sicht werden autonom fahrende Busse ein wesentlicher Bestandteil sein, insbesondere, um schwach besiedelte Gebiete abdecken zu können. Aktuell laufen verschiedene Tests, mehr oder weniger zufriedenstellend, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Für uns sind autonome Busse eine Option. Aus meiner Sicht wird es zukünftig so ausschauen, dass ich Haupttrassen habe, wo der normale ÖPNV verkehrt, später eventuell autonom fahrend. Und dann gibt es Zubringerbusse, die autonom fahrend die Bürger an die Haupttrassen heranbringen. Wie viel Personalkosten würden die Stadtwerke dadurch einsparen?

Das ist schwierig zu beantworten. Personalkosten stellen einen Großteil unserer Ausgaben dar. Es stellt sich aber die Frage: Wie viele Personen benötige ich zur Überwachung der autonomen Rufbusse im Hintergrund? Was aus meiner Sicht auch noch überhaupt nicht geklärt ist, ist die ethische Frage: Wer ist denn eigentlich verantwortlich, wenn etwas passiert?

Wie kriegt man Menschen dazu, häufiger den Bus zu nehmen?

Garantiert nicht nur über günstigere Preise. Die Frage ist immer, mit welchem Aufwand kriege ich wie viele Menschen in einen Bus? Sicher würde es dazu beitragen, Tangentiallinien zu schaffen, also direkte Verbindungen, ohne Knotenpunkte wie den Zentralen Omnibusbahnhof. Mit Blick auf das Mobilitätsverhalten muss man aber sehen, dass wir in Bamberg viele Pendler aus dem Landkreis haben. Hier ist entscheidend, wie sich der ÖPNV im Landkreis gestaltet. Was immer ungern gehört wird: Mit einem motorisierten Individualverkehr ohne Beschränkungen zu konkurrieren, ist immer schwer. Das Gespräch führte Sebastian Schanz.



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