Viereth
Baustelle

Viereths Geschäfte trotz Baustelle erreichbar

Wer in Viereths Geschäfte oder Gaststätte will, gilt als Anlieger und kann dorthin fahren. Das wissen viele nicht.
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Die Baumaßnahmen an der Vierether Ortsdurchfahrt haben diese Woche begonnen und dauern bis Dezember. In der Zeit bleiben alle Geschäfte und die Gastwirtschaft erreichbar. Foto: Barbara Herbst
Die Baumaßnahmen an der Vierether Ortsdurchfahrt haben diese Woche begonnen und dauern bis Dezember. In der Zeit bleiben alle Geschäfte und die Gastwirtschaft erreichbar. Foto: Barbara Herbst
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Hubert Schlereth hatte schon einen Plan für den Betrieb während der Bauzeit ausgetüftelt, doch dann kam es für den Firmenchef in der Vierether Filiale mit Baubeginn diese Woche doch anders: "Die Firmen halten sich nicht an die Vorgaben," klagt der Unternehmenschef der Knetzgauer Bäckerkette. Denn man kann derzeit nicht von der Hauptstraße, die erneuert werden soll, direkt vor seinen Laden fahren. In der ersten Bauwoche beklagt Schlereth 60 bis 70 Prozent Umsatzeinbußen. Auch die anderen Gewerbetreibenden fuhren empfindliche Verluste ein.

Das trage Schlereths Unternehmen auf die Dauer, also bis Bauende Anfang Dezember, nicht. Schlereth hat schon die Nachmittags-Öffnungszeit gestrichen und überlegt ernsthaft, ob er diese Filiale bis Dezember schließt.

Das ist für Familie Bayer von der Gastwirtschaft Mainlust keine Option. Das Familienunternehmen in nunmehr sechster Generation beschäftigt 30 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Man bietet sechs Tage die Woche durchgehend warme Küche an, und möchte tunlichst fortbestehen. Doch das kann man wohl kaum, sollten die Gäste weiter so ausbleiben, wie in der zurückliegenden Woche. "Vor allem die Älteren haben sich nicht her getraut", hat Juniorchefin Kerstin Bayer erfahren müssen.

Zu den Umsatzeinbußen von 50 Prozent trugen Auswärtige wie Einheimische gleichermaßen bei, wobei beide Segmente je die Hälfte der Gäste bilden. Viele hatten wohl Angst, zu weit laufen zu müssen, mutmaßt Bayer.Dabei können die Parkplätze der Traditions-Wirtschaft wie gewohnt genutzt werden. Man kann sogar vor die Tür fahren, allerdings gestaltet sich das ein bisschen schwieriger. Als Orientierung hängt neben der Speisekarte auch eine Anfahrtskizze im Fenster.

Originelle Plakate

Plakativ geht auch die Metzgerei Eichhorn - mit Standorten in Seeäckstraße und Hauptstraße das aktuelle Kundenproblem an: "Kunden frei" signalisiert das originelle Plakat an den Schaufenstern. Chefin Hedwig Eichhorn hat sich schlau gemacht und bei der Polizei erfahren, dass Kunden und Lieferanten als Anlieger gelten. Das heißt, sie können die Absperrbaken samt Sackgassen- und Anliegerschildern umfahren, also an ihnen vorbei und zu Läden, Geschäften und Gastwirtschaft fahren.

Die Nachfrage unserer Redaktion bei der Polizeiinspektion Bamberg-Land bestätigt dies.

Allerdings haben wir vor Ort auch erlebt, dass viele und gerade auswärtige Autofahrer einfach weiter durch Viereth hindurch fahren, besser gesagt rasen. Wie es auch Bürgermeisterin Regina Wohlpart (BG) immer wieder beobachten muss. Sie hat sich schon die eine oder andere Nummer notiert, was dann Konsequenzen mit sich bringen wird.

Die Gemeindechefin hat Verständnis für die Nöte der gut 20 Gewerbetreibenden im Vierether Ortskern und appelliert an alle Gemeindebürger, doch die Geschäfte unbedingt weiter aufzusuchen, so wie sie es auch selbst tue.

Tafeln aufgestellt

Um die Gewerbetreibenden zu unterstützen hat die Gemeinde zwei große Tafeln mit der Botschaft "Alle Geschäfte erreichbar" fertigen lassen. Bedauerlicherweise dürfen sie nur an den Ortseingängen aufgestellt werden. "Da ist es aber zu spät, weil die meisten gar nicht so weit gefahren sind." Laut Behörde dürfen an der Bundesstraße keine solchen Schilder stehen, wurde Wohlpart mitgeteilt.

So schrecken also die laut den Vierether Geschäftsleuten "schrecklichen Baken" die Kunden schon weit vor Viereth ab. Während die Geschäftsleute die Umsatzmisere beklagen, so herrscht doch großes Verständnis dafür, dass die Ortsdurchfahrt erneuert werden muss. "Wir müssen die schwierige Zeit gemeinsam überstehen", weiß die Bürgermeisterin und hofft, dass das Wetter mitspielt, den Baufirmen Krankheitsfälle erspart bleiben und die Firmen den Zeitplan einhalten.

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