Tiefenellern
Geschichte

Viele Rätsel noch ungelöst

Der Arbeitskreis Archäologie Bamberg erforscht das Gebiet rund um die Jungfernhöhle auf dem Schlossberg bei Tiefenellern. Erzählungen gibt es viele, aber Fakten sind bislang kaum dokumentiert.
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Phil Burgdorf und Claus Schaffranek (v.r.) erläutern die Wallanlage. Fotos: Andrea Spörlein
Phil Burgdorf und Claus Schaffranek (v.r.) erläutern die Wallanlage. Fotos: Andrea Spörlein
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Das Gebiet rund um die Jungfernhöhle auf dem Schlossberg bei Tiefenellern hat schon immer die Fantasie der Menschen angeregt. Es wird von kopflosen Pferdegespannen und kopflosen Jungfrauen erzählt, und auch heute noch soll es auf dem Areal zu Zusammenkünften und Feiern kommen.

Wissenschaftlich unter die Lupe genommen wurde das Gebiet westlich der Jungfernhöhle mit den errichteten Wällen und der auffallenden Gesamtform bisher kaum. Lediglich die Jungfernhöhle wurde 1951 und 1952 von Otto Kunkel und der Vorplatz vom Lehrstuhl für Archäologie an der Universität Bamberg 2008/2009 bzw. 2014 archäologisch untersucht. Im Rahmen der Ausgrabungen in der Höhle wurde auch der obere Wallbereich (Burgstallareal) von Otto Kunkel begutachtet. Ansonsten haben dort bisher keinerlei archäologische Aktivitäten stattgefunden.

Einst Ringwall, später Burgstall

Die Anlage auf dem Schlossberg ist gekennzeichnet durch eine gut erkennbare Befestigung, die eine Fläche von etwa 120 mal 180 Metern einschließt und im Norden, Westen und Süden durch die für den Rand des Fränkischen Jura typischen Steilhänge geschützt ist. Die auf deren Oberkante gesetzten Steinwälle sind teils sehr deutlich und teils nur noch als Randversteilung erkennbar und beziehen mehrere Felsklippen des weißen Jura ein. Ein die Anlage im Osten abschließender Abschnittswall, der den umfriedeten Bereich flaschenhalsartig verengt, zieht zu einem Bergsporn hinauf, welcher das Areal um ca. 15 Höhenmeter überragt. Der vorgeschichtliche Ringwall wird in diesem Bereich von einem dem Hoch- bzw. Spätmittelalter zugeordneten Burgstall mit einem Innenraum von 50 mal 25 Metern überlagert.

Bislang wenige Funde

Das Fundmaterial belegt im Augenblick lediglich, dass das Areal über einen längeren Zeitraum, insbesondere in der Urnenfelderzeit und der Eiszeit, begangen oder auch besiedelt wurde. Es handelt sich hierbei allerdings um recht wenige Funde, so dass eine genaue zeitliche Eingrenzung nur durch eine Grabung erfolgen kann. Mittelalterliche Funde konnten während der Arbeiten in diesem Jahr nicht gemacht werden.

Interessierte Besucher waren jüngst der Einladung des Arbeitskreises Archäologie Bamberg gefolgt und bekamen vor Ort einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte des Schlossbergs und Möglichkeiten und Grenzen der Bodenarchäologie. Unter anderem informierten sich Melanie Huml (CSU), die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Landrat Johann Kalb (CSU) und der Litzendorfer Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) über die Aktivitäten des Arbeitskreises und die Untersuchungsergebnisse. Ihnen stand der für das Ehrenamt zuständige Referent am Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Ralf Obst, Rede und Antwort. Hier ging es insbesondere über die Förderung solcher Projekte und den daraus resultierenden Nutzen für die Archäologie.

Durch Mittel des Landesamts für Denkmalpflege konnte der Arbeitskreis den Bamberger Archäologen Phil Burgdorf mit einer Magnetometer-Prospektion beauftragen und ihn bei der schwierigen Gesamtaufnahme der Höhenfestung unterstützen. Die Mitglieder des Arbeitskreises leisteten dabei "Hand- und Spanndienste", zum Beispiel, um das schwierige Gelände für die Untersuchung vorzubereiten. Da es sich um ein wenig bewirtschaftetes Waldareal handelt, bietet sich die Möglichkeit, mittels einer zerstörungsfreien geophysikalischen Prospektion ein weitgehend ungestörtes Bodendenkmal zu erforschen.

Über die Nutzung der vorgeschichtlichen Anlage, die sowohl als befestigte dauerhafte Höhensiedlung als auch den Zwecken einer Fluchtburg gedient haben könnte, lassen sich nach bisherigem Kenntnisstand keinerlei Aussagen treffen.

Höhensiedlungen in Spornlage sind vor allem für die Urnenfelderzeit und die darauffolgende ältere Eisenzeit von Bedeutung. Eine Magnetometerprospektion bietet die Möglichkeit, das umfriedete Gelände auf eine mögliche Innenbebauung zu untersuchen. So können die im Magnetogramm sichtbaren Anomalien beispielsweise auf Siedlungsgruben oder eine Bebauung aus Pfostenbauten hinweisen. Eine Datierung der Anlage geht aus der geophysikalischen Prospektion nicht hervor.

Phil Burgdorf zeigte die Handhabung des Magnethographen und die daraus sich ableitenden Bilder. Diese sind nicht einfach zu analysieren und benötigen viel Erfahrung durch den Betrachter, um damit entsprechende Aussagen treffen zu können.

Wer hat Dokumente?

Claus Schaffranek, Vorsitzender des Arbeitskreises, erläuterte, dass man jetzt Fundstücke in Depots und Museen sichten will, um unterstützend für eine wissenschaftliche Dokumentation tätig zu sein. Im Zuge der Untersuchungen interessiert sich der Arbeitskreis auch für Zeitzeugen, die über die Veränderungen der Anlage in den 50er Jahren berichten können. Auch alte Fotografien vom vorherigen Zustand der Wallanlage oder sonstige Dokumentationen sind gefragt. Kontaktaufnahme unter: arch_ak_bamberg@freenet.de

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